Home / Gesundheit  / Adipositas  / Adipositas – Warum das Kalorienmodell nicht funktioniert

Adipositas – Warum das Kalorienmodell nicht funktioniert

Dies ist ein übersetzter Artikel von auf der Website Diet Doctor in Calorie counting, Insulin, The obesity epidemic Dr. Jason Fung, ist ein kanadischer Nierenspezialist und einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Intermittierenden Fastens und der Low Carb High Fat-Ernährung. Er hat sich gefragt, wie das Problem Adipositas zu lösen ist und warum das Kalorienmodell nicht funktioniert. Lesen Sie hier seine Erklärung.

 

 

 

Adipositas – Warum das Kalorienmodell nicht funktioniert

 

Einer der größten Fehler der aktuellen Kalorien-Hypothese (Kalorien rein = Kalorien raus) beruht auf der Annahme, dass sämtliche Energie an nur einem Platz im Körper gespeichert wird. Dass unsere Nahrung nur nach dem Kaloriengehalt beurteilt wird, die an einem Lagerplatz gespeichert wird (Kalorien rein). Der Körper nutzt dann diese gespeicherte Energie für den Grundumsatz und die Bewegung (Kalorien raus).

 

Doch wir wissen heute, dass dieses Modell auf einer falschen Vorstellung beruht. Es existiert nur in der Fantasie krankhafter Fanatiker. Denn die Energie aus der Nahrung wird nicht nur an einem Platz im Körper gespeichert, sondern an zwei Plätzen (als Glykogen und Körperfett).

 

Nach diesem falschen Modell (siehe rechts) müsste eine Reduzierung der Kalorienzufuhr oder ein vermehrter Verbrauch zu einer Reduzierung der Körperenergie führen, die in Form von Fett eingelagert ist. Natürlich hat sich gezeigt, dass diese Strategie, „Iss weniger, beweg dich mehr!“ (also eine Verminderung der Kalorienzufuhr) nur zu 1% erfolgreich ist, was bedeutet, sie schlägt zu 99% fehl. Fast alle von uns haben schon versucht, auf diese Weise abzunehmen und festgestellt, dass es nicht funktioniert. Eine Studie nach der anderen bestätigt, dass die falschen Empfehlungen einer fehlerhaften Sicht der menschlichen Physiologie zugrunde liegen. Leider hat das weder dazu geführt, dass medizinische oder ernährungswissenschaftliche Einrichtungen noch die Richtigkeit der aktuellen Empfehlungen infrage gestellt wurden.

 

Um besser zu verstehen, wie Energie im Körper gespeichert wird, ist es genauer, ein Modell mit zwei Speicherplätzen zu verwenden. Für unseren Körper gibt es drei Energiequellen: – Glukose (Kohlenhydrate), Fett oder Eiweiß. Eiweiß kann nicht direkt als Energie gespeichert werden. Allerdings wird ein Zuviel an Protein aus der Ernährung in Glukose umgewandelt. Die Frage, was ein Zuviel ist, ist leider nur schwer zu beantworten.

Glukose oder Fett?

 

Somit verbleiben nur zwei Makronährstoffe, die bei der Energiespeicherung eine Rolle spielen: Glukose und Fett.
Glukose wird in der Speicherform Glykogen in der Leber eingelagert – ein Molekül, das aus vielen Zuckerketten aufgebaut ist. Tiere lagern auch über Glykogen Glukose ein, Pflanzen benötigen Kohlenhydrate – in der Regel Amylopektin und Amylose (Stärke) zur Energiespeicherung.
Glykogen ist für unseren Körper gut verfügbar. Er kann es gut speichern und auch schnell wieder zur Energiegewinnung in Glukose verwandeln. Jedoch ist die Speicherkapazität für Glykogen begrenzt. Ist der Speicher voll, wird Glukose zu Fett umgewandelt. Stellen Sie sich das Glykogenlager wie einen Kühlschrank vor. Es ist ganz einfach, Lebensmittel hineinzustellen und wieder herauszuholen, doch der Lagerplatz ist begrenzt.

 

Zugang zum Körperfett zu bekommen, ist wesentlich schwerer, dafür ist die Speicherkapaziztät unbegrenzt. Das Fett aus der Ernährung wird direkt dem körpereigenen Fettspeicher zugeführt. Das Zuviel an Kohlenhydraten wird zu Fett umgewandelt, mit einem Prozess, der De Novo Lipogenese (DNL) heißt. Stellen Sie sich das Körperfett wie eine Gefriertruhe, die im Keller steht, vor. Sie können Massen von Lebensmitteln bevorraten, doch sie sind nicht so schnell verfügbar, wie die aus dem Kühlschrank. Und Sie können auch mehrere Gefriertruhen benutzen, wenn Sie noch mehr lagern möchten.

 

Nun haben wir zwei Bilder für die Lagerplätze der Energie aus den Lebensmitteln geschaffen. Auf der einen Seite haben wir Glukose/ Glykogen (im Kühlschrank), die leicht in Energie umgewandelt werden kann, jedoch als Vorrat begrenzt ist. Und wir haben das Körperfett (in der Gefriertruhe), das zwar unbegrenzt eingelagert werden kann, dafür aber schwerer in Energie umgewandelt werden kann. Es sind zwei sich ergänzende Systeme mit zwei unterschiedlichen Aufgaben.

 

Während des Essens verwandelt der Körper Energie in Fett oder in Glukose. Wird nichts gegessen, also während des Fastens, verbrennt der Körper gespeicherte Energie, entweder aus Fett oder Glukose. Allerdings benutzt er nicht die gleiche Menge Fett und Glukose, wie es im aktuell verwendeten Modell mit dem einen Speicherplatz beschrieben wird. Zuerst wird immer Glykogen verbrannt, bis es komplett verbraucht ist – dieser Vorgang kann bei vollständigem Fasten 24 – 48 Stunden dauern.

 

Für unseren Körper ist der Zugriff auf die Glykogenspeicher viel leichter. Hier ein Beispiel: Nach dem Einkauf verwahren wir unsere Lebensmittel zuerst im Kühlschrank. Erst wenn er voll ist, wird überlegt, was in die Gefriertruhe passt. Benötigen Sie etwas zu essen, greifen Sie zuerst in den Kühlschrank, denn die Lebensmittel sind schnell verfügbar. Unser Körper macht es genauso. Er nimmt sich die schnell verfügbare Energie, Glukose, bzw. Glykogen. Sie wird immer zuerst verbraucht.

 

Erst nachdem das Glykogenlager so gut wie leer ist, geht es an die Fettreserven. Sie gehen auch erst in den kalten Keller, um sich etwas aus der Gefriertruhe zu holen, wenn der Kühlschrank leer ist. Das ist auf jeden Fall anstrengender. Es wird nie dieselbe Menge Glukose und Fett verbrannt. Wenn Sie 200 Kalorien für einen Spaziergang benötigen, wird diese Energie ausschließlich aus dem Glykogenlager genommen, das bedeutet, es wird kein einziges Gramm Fett verbrannt.

 

Die zwei Energielager werden nie gleichzeitig genutzt, immer nacheinander. Kommen wir auf das Bild Kühlschrank/Gefriertruhe zurück: Sie müssen zuerst für einen leeren Kühlschrank sorgen, um auf die Gefriertruhe angewiesen zu sein. Kurz und knapp gesagt bedeutet das, der Körper kann entweder Zucker oder Fett verbrennen, aber nicht beides gleichzeitig. Dieser Vorgang wird teilweise vom Insulin gesteuert und indirekt auch vom dem sogenannten „Randle cycle“, der bereits 1963 von Philip Randle beschrieben wurde. Der „Randle cycle“ wird auch manchmal als Glukose-Fettsäure-Zyklus bezeichnet.

 

In isolierten Herz- und Skelettmuskelzellpräparationen konnten Randle und seine Kollegen nachweisen, dass Zellen, die Glukose zur Energiegewinnung verwenden, gehindert wurden, Fett zu verwenden und umgekehrt. Und das ohne jegliches Einbeziehen von Insulin oder anderen Hormonen. Dieser biochemische Mechanismus scheint dafür zu sorgen, dass der Körper beide Energiequellen nicht gleichzeitig anwendet. Sie verbrennen also entweder Zucker oder Fett, aber nicht beides. In dem Diagramm sehen Sie, dass die Verbrennung von Glukose zu einer Produktion von Malonyl-CoA führt, das die Verwendung von Fett (langkettigen Fettsäuren) verhindert.

 

Warum funktioniert das Kalorienmodell nicht?

Warum ist es unmöglich mit dem Kalorienmodell Gewicht zu verlieren? Weil es auf der falschen Annahme aufgebaut ist, dass alle Kalorien gleich sind. Wird Energie aus der Nahrung eingelagert (Kalorien), wird Zucker (Glykogen) im Kühlschrank und Fett im Gefrierschrank gespeichert. Aber Sie müssen zuerst den Zucker verbrennen, ehe Fett verbrannt werden kann.

 

Sie wollen ja Körperfett verlieren. Daher muss im ersten Schritt der Zucker aus dem Kühlschrank entfernt werden. Füllen Sie jedoch den Kühlschrank regelmäßig 3- bis 6-mal am Tag mit Zucker auf, werden Sie nie an das Fett in der Gefriertruhe herankommen. Das Kalorienmodell ignoriert dieses Problem mit den zwei Speicherplätzen und behauptet, dass alle Kalorien gleich gespeichert und gleich verbrannt werden (aus einem Speicherplatz), obwohl schon seit mehr als 50 Jahren bekannt ist, dass das falsch ist. Ebenso falsch, wie die Ernährungsempfehlungen, 3 bis 6 kalorienreduzierte Mahlzeiten täglich mit einer relativ großen Menge Kohlenhydraten (50 – 60 %) zu essen.

 

Sie stellen sich vor, dass der Kühlschrank, wird er mit weniger Glukose gefüllt, mit der Zeit leer wird? Das geschieht nicht. Warum? Unser Körper spürt, dass immer weniger Nahrung im Kühlschrank ist und wird unruhig. Er reagiert mit Hunger und verlangt nach Nahrung. Kommen Sie diesen Signalen nicht nach, fährt er den Stoffwechsel zurück und verbrennt weniger Energie.

 

Was ist die Lösung? Zuerst sollten Sie mit einer Low-Carb, High Fat (LCHF) Ernährung beginnen. Durch die deutliche Einschränkung der Kohlenhydrate leert sich die Glukose im Kühlschrank. Jetzt muss die gesamte Energie, die verbrannt wird, dem Gefrierschrank mit dem Fett entnommen werden. Dadurch wird das Problem der zwei Lagerplätze im Grunde genommen wieder zu einem Problem mit nur einem Lagerplatz.

 

Zusätzlich können Sie intermittierendes Fasten (IF) probieren. Durch das Fasten wird der gesamte Zuckervorrat im Kühlschrank schnell verbrannt. Werden Sie hungrig? Vermutlich ja. Schaffen Sie es den Hunger zu verdrängen, ist der Körper gezwungen Fett als Energie zu verbrennen. Der Stoffwechsel wird durch die kompensatorischen hormonellen Effekte nicht beeinflusst. Nach einigen Tagen wird das Hungergefühl weniger, der Mechanismus ist noch ungeklärt, hängt aber sehr wahrscheinlich mit der Bildung von Ketonkörpern zusammen.

 

Die Schlussfolgerung ist folgende: Sie können Energie aus Zucker oder Fett speichern. Beim Fasten kann entweder Energie aus Zucker oder Fett verbrannt werden, jedoch nicht beides gleichzeitig. Füllen Sie regelmäßig Zucker nach, kann unser Körper kein Fett verbrennen.
Fasten bietet eine schnelle Möglichkeit, Fett zu verbrennen. Es stellt eine Lösung des Problems der zwei Lagerplätze dar. Der Grund, warum Verfechter des Kalorienmodells nicht verstehen, warum ihr Modell nicht funktioniert, ist das fundamentale Missachten der zwei Lagerplätze und das Festhalten an einen Lagerplatz.

Update

Ich habe erst viel später bemerkt, dass ich einen wichtigen Teil in diesem Artikel vergessen hatte. Ich war davon ausgegangen, es geschrieben zu haben. Verzeihen Sie das bitte.

 

Es gibt nämlich noch einen wichtigen und kritischen Punkt in dem Modell mit nur einem Lagerplatz. Wenn der Weg zur Gefriertruhe im Keller durch Eisengitter und Verschläge versperrt ist, wird es äußerst schwer an das Fett zu kommen. Welches Hormon trägt die Verantwortung dafür? Die Antwort lautet: …Insulin.

 

Es ist bekannt, dass Insulin die Lipolyse verhindert. Das ist der Fachausdruck für die Beschreibung, dass Insulin den Fettabbau stoppt. Nun, das ist normal. Während des Essens steigt der Insulinspiegel im Körper an, es ist das Zeichen für den Körper, die Fettverbrennung aus dem Lager (der Gefriertruhe) zu stoppen und aus der nun zugeführten Energie, der Nahrung,  zu beziehen.

 

Ist der Insulinspiegel wegen einer Insulinresistenz permanent hoch, ist Ihr Körper nicht in der Lage, Zugang zur Gefriertruhe zu erhalten. Auch eine Kalorienrestriktion (iss weniger – als erster Schritt) ändert nichts an dieser Situation. Daher versucht der Körper nun, durch die Drosselung des Stoffwechsels, also einen verminderten Kalorienverbrauch, die Situation zu kompensieren. Die Folge: der Grundumsatz sinkt.
Bei 8-Jährigen ist die Insulinresistenz minimal und das Nüchterninsulin niedrig. Das bedeutet, es ist sehr einfach an das Fett in der Gefriertruhe zukommen. Es ist so, als würde die Gefriertruhe direkt neben dem Kühlschrank stehen. Es ist kinderleicht ihr etwas zu entnehmen. Wenn in so einem Fall die Kalorien reduziert werden, kann der Körper leicht an Fett aus der Gefriertruhe kommen.

 

Das erklärt, warum Adipositas etwas mit dem Zeitfaktor zu tun hat. Anders ausgedrückt: Menschen, die schon lange an Übergewicht leiden, haben es schwerer abzunehmen, da sie eine ausgeprägte Insulinresistenz haben, die für einen konstant hohen Insulinspiegel sorgt.

 

Jason Fung

 

Margret Ache / www.LCHF-Deutschland.de

Bildnachweise:

Alle Bilder aus dem Text: http://www.kostdoktorn.se

Titelbild: ©-maxshutter – Fotolia.com

Print Friendly, PDF & Email

info@lchf-deutschland.de

Bewertung
KEINE KOMMENTARE

Schreibe einen Kommentar