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Allergie, Intoleranz oder Unverträglichkeit

Allergie

Nach dem letzten LCHF Kongress saßen wir abends mit Melanie Ryan und einigen anderen „Übriggebliebenen“ beim Essen und sprachen über Gott und die Welt. Dabei stießen wir auf einige Themen, die es wert sind genauer beleuchtet zu werden. So kam es zu dem heutigen Artikel von Melanie, um Licht in die Begriffe Allergie, Intoleranz oder Unverträglichkeit zu bringen.

Allergie, Intoleranz oder Unverträglichkeit? Was ist eigentlich der Unterschied?

Allergie

Allergie, Intoleranz oder Unverträglichkeit

Ob Nahrungsmittelallergie, -intoleranz oder -unverträglichkeit werden oft verwechselt oder als Synonyme betrachtet. Damit nicht genug: Sogar, wenn ein Unterschied gemacht wird, sind die Begriffe nicht immer ganz klar, und auch Experten verwenden sie nicht immer gleich. Mit diesem Artikel will ich versuchen, wenigstens etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

 

Auf den ersten Blick scheint es nicht besonders wichtig, wie man diese Dinge bezeichnet. Es bedeutet eben, dass man etwas nicht vertragen kann. Auf den zweiten Blick ist es dennoch nicht ganz unwichtig, denn wer wieviel wovon verträgt und ob man Ausrutscher verkraften kann, hängt davon ab, womit man es genau zu tun hat.

 

Allergie

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf eine an sich harmlose Substanz, wie zum Beispiel Lebensmittel. Das Immunsystem reagiert dabei auf körperfremde Proteine, die es als „Feind“ einstuft. Es bildet daraufhin Antikörper und beim nächsten Zusammentreffen wird die Substanz wiedererkannt und Antikörper freigesetzt. So weit, so klar.

 

Antikörper werden auch Immunoglobuline (Ig) genannt, und es gibt verschiedene Arten. Manche sind unspezifisch, d. h. sie bekämpfen einfach jedes fremde Protein, andere sind spezifisch, d. h. sie sind speziell auf ein bestimmtes Protein zugeschnitten.

 

IgE-Allergie

Allergie Pollen

Allergie: Pollen

Wenn du allergisch bist, produziert dein Körper IgE-Antikörper, sobald du mit der Substanz, zum Beispiel Pollen, in Kontakt kommst. Dabei müssen Eiweißpartikel der Pollen in den Blutkreislauf gelangen, z. B. über die Schleimhäute oder eine Wunde. Die Antikörper docken an das Protein an und binden sich dann an bestimmte Immunzellen – die Mastzellen – welche dann Histamin absondern, das die möglicherweise schädliche Substanz (Polleneiweiß) unschädlich machen soll. Es ist nicht das eigentliche Allergen (Pollen), sondern die Überreaktion des Immunsystems, die Symptome auslöst.

 

Bei einer solchen IgE-Allergie spürt man die Symptome schon sehr bald nach dem Kontakt und zwar binnen Sekunden oder maximal Minuten. Wer allergisch auf Pollen reagiert, wird schon bald niesen, sich die Augen reiben und ein Jucken im Rachen verspüren. Reagiert man auf bestimmte Lebensmittel, wie Nüsse, Fisch oder Steinobst, dann merkt man das sofort und kann meist schon sagen, was man gegessen hat (aber Allergene sind nicht immer sichtbar, deshalb die Ausweisungspflicht auf dem Etikett).

 

Die Reaktion auf Lebensmittel ist in der Regel heftiger als bei einer Pollenallergie. Sie ist nicht dosisabhängig, schon kleinste Mengen können Symptome hervorrufen. Verbreitete Symptome sind Juckreiz, Rötungen, Pusteln und Schwellungen auf der Haut und besonders auf den Schleimhäuten: Augen, Nase, Rachen; Atemnot und Asthma.

 

Schlimmstenfalls kommt es zum anaphylaktischen Schock, der sogar zum Tod führen kann. Auch wenn die Symptome zunächst schwach und erträglich sind, ist mit einer IgE-Allergie nicht zu spaßen. Wenn du allergisch gegen etwas bist, können die Reaktionen jederzeit heftiger und bedrohlicher werden. IgE-Allergien gelten als nahezu unheilbar. Bei manchen Allergien sind Desensibilisierungen möglich. Diese sollten jedoch unbedingt unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

 

Die verbreitetsten IgE-Allergene sind Blütenpollen, Bienenstiche, Erdnüsse, Baumnüsse, Milch und Milchprodukte, Steinobst, Krustentiere und Fisch. Im Prinzip kann man gegen alles allergisch sein, und um noch mehr Verwirrung zu stiften: Es gibt auch Kreuzallergien. Dabei ähnelt ein Protein (gegen das du nicht allergisch bist) einem anderen (gegen das du allergisch bist) so sehr, dass dennoch eine Reaktion auftritt.

 

Es wird empfohlen, das Allergen streng zu meiden und Anti-Histamin-Tabletten einzunehmen, falls dies nicht möglich ist oder versehentlich geschieht. Wer eine lebensbedrohliche Allergie hat, wird ggf. mit einem FastJekt(oder EpiPen)-Autoinjektor ausgestattet, sollte aber auch nach dessen Anwendung umgehend ein Krankenhaus aufsuchen.

 

Wenn du den Verdacht hast, dass du vielleicht eine IgE-Allergie hast, sprich am besten mit deinem Arzt, der einen Test veranlassen kann.

 

IgG-Allergie (?)

Bei vielen Menschen produziert das Immunsystem nach Kontakt mit einem Lebensmitteleiweißpartikel nicht IgE-, sondern IgG-Antikörper. IgG-Reaktionen sind zwar auch Reaktionen des Immunsystems, gestalten sich aber ganz anders als IgE. IgG-Antikörper haben den Auftrag, Mikroben und Giftstoffe unschädlich zu machen, falls diese ins Blut gelangen.

 

Bei IgG-Allergien treten Symptome lange nach dem Verzehr des unverträglichen Lebensmittels auf und können bis zu zweieinhalb Tage auf sich warten lassen. Das kommt daher, dass die als Antigen empfundenen Lebensmittelproteine nicht über die Schleimhäute, sondern über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Sie sind auch viel größer. Alle Proteine bestehen aus Ketten von Aminosäuren. Davon gibt es 20, und die Reihenfolge, Länge und Struktur der Kette bestimmt, um welches Eiweiß es sich handelt. Im Verdauungsprozess werden Eiweiße aufgespalten, und sehr kurze Aminosäurenketten – Peptide – können ins Blut gelangen. Das ist nicht so gedacht, kann aber passieren, wenn die Darmwand durchlässig geworden ist.

 

Treffen bestimmte Immunzellen im Blut auf diese Peptide – die dort nichts zu suchen haben – schlagen sie Alarm und das Immunsystem rüstet auf, indem es passende IgG-Antikörper herstellt. Diese binden sich an die fraglichen Eiweißpartikel und machen sie unschädlich. Dafür gibt es verschiedene Mechanismen.

 

Die lange Dauer zwischen dem Verzehr des problematischen Lebensmittels und dem Auftreten von Symptomen kommt erstens daher, dass die Proteine erst teilweise verdaut werden und über den Darm ins Blut gelangen. Zweitens dauert die Produktion von IgG-Antikörpern offenbar zwischen 24 und 48 Stunden. Das macht es Betroffenen wesentlich schwerer, selbst festzustellen, an welchem Lebensmittel es wohl gelegen haben mag.

 

Die Symptome einer IgG-Reaktion sind weniger heftig und beängstigend als bei IgE, dafür aber vielfältiger: Durchfall, Blähbauch, Blähungen, Magenschmerzen und -krämpfe, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Migräne, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, Angstzustände, Depression, Stimmungsschwankungen und vieles mehr können das Resultat von IgG-Reaktionen sein. Allerdings ist diese Art der Immunabwehrreaktion nicht lebensgefährlich und kann sogar vergehen (wenn der Darm saniert wird).

 

Wie bei einer IgE-Allergie lässt sich das Problem durch Meidung des fraglichen Lebensmittels (so man denn weiß, was es ist) beheben. Allerdings ist es – je nach Zustand des Darms – nicht ungewöhnlich, auf eine ganze Liste von Mitteln zu reagieren, und dann wird es schnell unübersichtlich, schwierig und freudlos. Darüber hinaus könnten weitere Unverträglichkeiten hinzukommen, wenn man sich nicht auch der Heilung der Darmschleimhaut zuwendet.

 

Es gibt IgG-Bluttests, die allerdings sehr umstritten sind. Den besten Test bietet immer noch dein Körper. Eine Ausschlussdiät – mit fachlicher Begleitung durchgeführt – kann dir zuverlässig zeigen, was du nicht verträgst. In vielen Fällen ist es dann möglich, durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen Verbesserung zu erzielen, und häufig kann das fragliche Lebensmittel später wieder toleriert werden.

 

Sind nun beide Allergien oder nicht?

 

Hier geht’s schon los mit der Verwirrung. Eigentlich sollte die Sache klar sein, da sowohl IgE als auch IgG Antikörper sind, handelt es sich um Reaktionen des Immunsystems. Dann sind beide Allergien.

 

Oder?

 

In der Schulmedizin wird meist nur IgE als echte Allergie anerkannt. Manche Ärzte und Wissenschaftler stimmen zwar zu, dass es IgG-Lebensmittelunverträglichkeiten gibt, verwenden trotzdem dafür nicht den Begriff „Allergie“. Der Grund dafür könnte sein, dass eine IgE-Allergie lebensbedrohlich sein kann und eine IgG-Unverträglichkeit nicht. Beides als „Allergie“ zu bezeichnen könnte Verwirrung stiften und dafür sorgen, dass IgE-Allergien nicht immer ausreichend ernst genommen werden.

 

Melanie Ryan

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