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Benötigt das Gehirn wirklich Kohlenhydrate?

das Gehirn

Wenn die Ernährung auf LCHF oder Keto umgestellt wird, taucht ganz häufig diese Frage auf: „Kann ich mit so wenigen Kohlenhydraten überhaupt noch denken? Kohlenhydrate sind doch die Nahrung für meine grauen Zellen.“  Stimmt es wirklich, dass das Gehirn Kohlenhydrate benötigt? Bringen wir mal etwas Licht ins Dunkel.

Benötigt das Gehirn wirklich Kohlenhydrate?

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Benötigt das Gehirn wirklich Kohlenhydrate?

Das Gehirn des Menschen ist sensationell und extrem vielseitig. Es sorgt dafür, dass wir denken, entscheiden, planen, lesen… können. Es ist auch für mehrere unwillkürliche Prozesse verantwortlich, die unser Überleben sichern, darunter die Atmung, die Regulierung der Körpertemperatur und die Ausschüttung von Hormonen. Es ermöglicht uns auch, in Sekundenschnelle auf aktuelle Situationen und Gefahren zu reagieren.

 

Zwar wiegt das Gehirn nur etwa 2% unseres Körpergewichts, dennoch verbraucht es etwa 20% unserer täglichen Energie. Studien belegen, dass etwa zwei Drittel des Energiehaushalts des Gehirns alleine dazu benötigt werden, um Nervenzellen beim Senden oder Verarbeiten von Signalen zu unterstützen.[1]

 

Was ist also unerlässlich, damit das Gehirn diese wichtigen Funktionen ausführen kann? Genau, eine, ständige Brennstoffzufuhr. Das Gehirn kann zwei Hauptbrennstoffe verwenden, entweder Glukose oder Ketone, die beide die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Bei Menschen, die sich überwiegend mit Kohlenhydraten ernähren, ist die Hauptenergiequelle des Gehirns Glukose. Bei Menschen, die sich kohlenhydratarm ernähren, also Keto oder LCHF essen, kann das Gehirn Ketone verwenden, um einen Großteil seines Energiebedarfs zu decken.[2] Frau Prof. Kämmerer hat das mal treffend formuliert:

Übertragen kann man das mit Automotoren vergleichen: die einfachen Motoren arbeiten perfekt mit „Normalbenzin“ – Autos mit solchen Motoren würden natürlich auch mit Super fahren, brauchen das aber nicht. Die Autos mit leistungsfähigeren Motoren brauchen Super Benzin oder sogar „Super Plus“ und Rennmotoren in der Formel-1 sogar spezielles noch besseres Benzin, quasi Super Plus Plus – und würden mit Normalbenzin nur müde dahintuckern. Unsere Gehirnzellen als „Formel-1 Zellen“ des Körpers können somit Fettsäuren (Normalbenzin) nichts anfangen, sie brauchen mindestens Super (Glukose) oder noch besser, spezielles Formel-1 Benzin (Ketonkörper).

Was passiert, wenn keine Kohlenhydrate gegessen werden?

Es wird geschätzt, dass das Gehirn bei einer High-Carb-Ernährung etwa 110-145 Gramm Glukose pro Tag benötigt, um optimal arbeiten bzw. funktionieren zu können.[3] Die meisten Menschen, die eine typische DGE-Ernährung zu sich nehmen, essen meist doppelt so viele Kohlenhydrate wie ihr Gehirn verbraucht.

 

Nun fragen Sie mit Recht: Was passiert, wenn weit weniger als 110 Gramm Kohlenhydrate pro Tag gegessen werden? Verhungert das Gehirn dann? Nein, das ist ein Mythos!

 

Was passiert also im Körper? Die Leber und die Muskeln speichern Glukose in Form von Glykogen. Die Menge ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Durchschnittlich speichert ein normal großer Mann mit einem Gewicht von 70 kg etwa 100 Gramm Glykogen in seiner Leber.[4]

 

Werden über mehrere Stunden keine Kohlenhydrate gegessen, wird das Leberglykogen in Glukose aufgespalten und in den Blutkreislauf abgegeben. So wird verhindert, dass der Blutzucker zu tief absinkt. Obwohl in den Muskeln weit mehr Glykogen gespeichert ist als in der Leber, verbleibt es in den Muskeln, um deren Energiebedarf zu decken. Dieses Glykogen kann nicht in den Blutkreislauf abgegeben werden, um den Blutzucker zu erhöhen.[5]

 

Werden 24-48 Stunden lang keine Kohlenhydrate gegessen, wird der Glykogenspiegel abgebaut und der Insulinspiegel sinkt als Reaktion darauf.

 

Genau zu diesem Zeitpunkt steigert die Leber die Ketonproduktion, die durch den Abbau von Fettsäuren entstehen. Diese Fettsäuren stammen entweder aus dem Nahrungsfett, oder aus der Mobilisierung von Körperfett aus den vorhandenen Fettspeichern. Die entstehenden Ketone können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Gehirn mit einer zusätzlichen Energiequelle versorgen.[6]

 

Das bedeutet, dass dem Gehirn eine weitere Energiequelle zur Verfügung steht, wenn dem Körper keine Kohlenhydrate zugeführt bekommt.

Das Gehirn benötigt neben Ketonen auch etwas Glukose

Das Gehirn benötigt immer etwas Glukose. Wissenschaftler haben jedoch festgestellt, dass bei Personen, die streng Keto oder LCHF essen, Ketone bis zu 70% des Energiebedarfs des Gehirns decken können.[7]

 

Muss ich jetzt doch Kohlenhydrate essen, damit das Gehirn Glukose bekommt? Nein, für den Glukosebedarf des Gehirns kann die Leber die gesamte benötigte Glukose durch einen Prozess selbst herstellen, der als Glukoneogenese bekannt ist.[8] Unser Körper ist also ein absolutes perfektes Konstrukt, dass für (fast) alle Lebenslagen eine Lösung hat. Das ist doch grandios, oder?

 

Und Ihnen ist jetzt bestimmt klar, dass es ein Mythos ist, dass das Gehirn Kohlenhydrate benötigt. Schön, dass ich Licht ins Dunkel bringen konnte,

Ihre Margret Ache

 

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[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12149485/

[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27629100/

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC292907/pdf/jcinvest00272-0077.pdf

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2194504/pdf/tacca00002-0213.pdf

[5] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214647416300010

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5531346/

[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6061736/ und https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3219306/

[8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30733709/

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2 COMMENTS
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    Gnubbel 9. September 2020

    Treffender Vergleich mit dem Normal- und dem Superbenzin 🙂 Aber der eigentliche Knaller ist doch, dass das Körperfett eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle ist, aus der die Leber tagelang Ketonkörper fürs liebe Gehirn basteln kann. Ist es nicht herrlich, wenn man den ganzen Tag nur mit einer Wasserflasche bewaffnet durch die Pampa laufen kann, und während mittags die anderen verzweifelt eine Futterkrippe suchen, kann man in aller Ruhe die Landschaft genießen und fühlt sich trotzdem fit wie ein Turnschuh. Es ist so entspannend, keine zweistündige Mittagspause (inklusive Suppenkoma) mehr einplanen und kein Wirtshaus mehr ansteuern zu müssen. Und solange ich draußen rumlaufe, habe ich auch keinen Hunger, der kommt erst, wenn ich wieder zu Hause bin. Also ich möchte diese Freiheit nicht mehr missen.

    Ich vergleiche das gerne mit einem Feuer: Das Fett, das sind die dicken Balken, die brennen stundenlang schön sauber und gleichmäßig, während das dürre Reißig (also die Kohlenhydrate) kaum Wärme gibt, aber dafür flackert, raucht und stinkt, und weil es so schnell runterbrennt, muss man laufend nachlegen. Welches Schweinderl hättens‘ denn gern?

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