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Drei Gewohnheiten für weniger Stress im Alltag

Drei Gewohnheiten für weniger Stress im Alltag

von Nadja Polzin aus dem Low Carb – LCHF Magazin 1/2017.
Nadja Polzin ist ganzheitliche Ernährungsberaterin aus Hamburg und bloggt über natürliche Gesundheit.

 

In den letzten Magazinen habe ich Sie bereits auf das Thema Stress eingestimmt. Wir haben festgestellt, dass der Stressor manchmal wirklich schwer zu erkennen ist und haben gespürt, dass unsere Gedanken eine wichtige Rolle bei der Bewertung des Stressors spielen. Ja, sie können sogar zum Stressor selbst werden.

 

Heute möchte ich Ihnen meine liebsten Methoden für weniger Stress vorstellen. Es sind die Methoden, die in meinem Leben einen wesentlichen Unterschied gemacht haben. Wenn mir eine neue Methode begegnet, probiere ich sie oft aus und schaue, was mit mir passiert. Einige Dinge habe ich beibehalten, auf andere greife ich nur dann zurück, wenn ich es für nötig erachte.

 

Ich denke, jeder sollte so eine Sammlung von Entspannungs- und Destress-Methoden haben. Sicherlich finden Sie auch in meinen Top 3 – Methoden etwas, das Sie noch nicht ausprobiert haben.

 

Weniger Stress dank ätherischer Öle

Ätherische Öle kommen in allen Pflanzen vor und werden seit vielen Jahren für die Heilkräfte der Pflanzen mitverantwortlich gemacht. Mittlerweile sind sie wissenschaftlich sehr gut untersucht und wir kennen die Öle, die beruhigend auf unser vegetatives Nervensystem wirken, sehr genau. Viele Menschen setzen sie zu Hause in der Duftlampe ein, ohne zu wissen, welche exakte Wirkung sie haben. Mittlerweile gibt es auch Duftkerzen, die sehr beliebt sind, aber aufgrund ihres synthetischen Duftes sicherlich nicht so gut wirken. Das wichtigste ätherische Öl
für Gestresste ist das des Lavendels. Im Handel ist es in zwei Versionen erhältlich: einmal als wilder Lavendel

(Lavendel extra) oder als Lavendel aus Kulturwirtschaft (Lavendel fein). In ihrer Wirkung unterscheiden sich beide nicht wesentlich, allerdings ist der wilde Lavendel – wie sollte es anders sein – deutlich intensiver im Geruch.

 

Im Nahen Osten wie auch in den USA wird die Wirkung ätherischer Öle auf unser Befinden intensiv untersucht. Eine neuerliche Blindstudie aus dem Iran stellte beispielsweise eine Reduktion der Cortisolwerte bei Patienten fest, die sich einer Operation am offenen Herzen unterziehen mussten. Die Patienten inhalierten zwei Tropfen ätherischen Lavendel für 20 Minuten. In der Folge reduzierte sich ihr Angstempfinden, verglichen mit der Kontrollgruppe, um mehr als 10% und ihr Cortisolspiegel im Blut um ganze 70%. Lavendel lässt sich als ätherisches Öl in sogenannten Diffusern oder auch in Duftlampen als Entspannungsduft am Abend wunderbar nutzen. Einen ähnlichen Effekt dürften Lavendel-Tees haben, die in letzter Zeit auch immer öfter im Handel zu finden sind (z.B. bei dm in Bio-Qualität).

 

Die Kraft der Meditation

Generationen von Mönchen haben es vorgemacht: die Meditation erschließt uns ein neues Bewusstsein. In vielen Gesundheitsbüchern wird die Meditation als essenzieller Baustein eines gesunden Lebens empfohlen, aber nur wenige von uns setzen sie tatsächlich um. Zu langweilig, zu anstrengend, zu unruhig, um still zu sitzen – die Ausreden, warum wir uns keine zehn Minuten in Kontemplation üben können, sind vielfältig.

 

Tatsächlich ist es für Anfänger schwer, fünf Minuten am Stück der eigenen Atmung zu lauschen. Wir sind es einfach nicht mehr gewöhnt, uns wirklich auf etwas zu konzentrieren. Unser Geist wandert ständig umher und die Gedanken sind überall, nur nicht bei uns. Zugegeben, den Zugang zur Meditation zu finden, ist nicht so ganz ohne, wenn man tagtäglich im Dauerlauf unterwegs ist. Ihr Effekt ist dafür umso größer. Wer einmal begonnen hat, seinen Weg zur Meditation zu beschreiten, spürt den Effekt sofort. „Erwachen ist keine Metapher“ titelte eine US-amerikanische Review-Studie aus dem Jahr 2013, denn wer regelmäßig meditiert, senkt nicht nur seinen Cortisolspiegel, sondern fühlt sich auch ohne leistungssteigernde Substanzen wacher, aufmerksamer, leistungsfähiger und vor allem gelassener. Für mich selbst führte der Weg zur Meditation über die Yogapraxis, die letztlich eine Art bewegte Meditation ist.

 

Persönlich praktiziere ich zur Zeit vor allem geführte Meditationen, die es zum Kauf oder auch kostenlos in zahlreichen Apps oder Podcasts gibt. Wer sich nicht zutraut, einfach mal in Stille zu sitzen, findet über diese geführten Meditationen und Phantasiereisen einen guten Einstieg in den Kontakt zu seinem Inneren. In der ein oder anderen Phantasiereise werden Sie Dinge vor Ihrem inneren Auge sehen, die Sie nicht erwartet hätten. Aber diese Bilder helfen, denn Sie können jederzeit darauf zurückgreifen.

 

Die amerikanische Talk-Queen Oprah Winfrey schreibt zum Beispiel in ihrem Buch „Was ich über das Leben gelernt habe“, dass ihr die Kenntnis ihres inneren Raumes (ein beliebtes Bild in geführten Meditationen) in stressigen Phasen hilft, gelassen zu bleiben. Sie braucht dann nur eine Toilettenkabine, schließt die Augen, atmet tief durch und kann ad hoc Frieden im inneren Raum finden.

 

Das klingt Ihnen zu esoterisch? Probieren Sie es unbedingt aus! Es ist ein echter Game-Changer. Meine deutschsprachigen App- und Webtipps:

» Kim Fleckenstein auf www.kimfleckenstein.de
» Laura Seiler www.lauraseiler.com/meditationen
» Achtsamkeits-App (im entsprechenden App-Store)
» 7Mind (im entsprechenden App-Store)

 

Daily Journaling für mehr Achtsamkeit und Bewusstsein

Alle großen Persönlichkeiten haben es getan: Tagebuch schreiben. Während die Meditation uns ermöglicht, im Moment anzukommen, ist das Journaling oder Tagebuchschreiben ein Weg über uns und unsere Umwelt vergangenheitsorientiert zu reflektieren oder in unseren Plänen für die Zukunft zu schwelgen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre Jugend, in der das Tagebuch der einzige Ort war, an dem Sie sich getraut haben, bestimmte Dinge auszudrücken. Leider ist das Tagebuch nach den Auf und Abs der Pubertät bei vielen Menschen jedoch in Vergessenheit geraten. Dabei hilft uns das Tagebuch eigentlich ein Leben lang. Was haben Sie heute erlebt, was denken Sie darüber und was wären Wege, daraus zu lernen? Im Tagebuch können wir das, was hinter uns liegt, verarbeiten und loswerden. Aber nicht nur das: wir können auch das, was vor uns liegt, planen, durchdenken, aufschreiben. „Wer schreibt, der bleibt“ sagt der Volksmund. Vor allem bleibt er bei sich, seinen Gedanken, seinen Erfahrungen und seinen Plänen.

 

Im Tagebuch findet alles Platz, was Sie noch nicht mit anderen Menschen teilen mögen. Es hilft Ihnen dabei, Ihre fragmentierten Gedanken und Ihre Gefühle zu einem Thema in Worte zu fassen. Das klingt zunächst anstrengend, ist aber eigentlich ganz erleichternd. Einer der Urväter der Wissenschaft zum reflektiven Schreiben – und als solches können wir Tagebücher bezeichnen – ist der amerikanische Wissenschaftler James Pennebaker. Pennebaker testete seine These, dass expressives Schreiben hilft, in den 80er Jahren zuerst an 50 Studenten. Ihre Aufgabe war es, für 15 bis 20 Minuten ihren tiefsten Gedanken und Gefühlen nachzugehen. Das Experiment verlief nicht ohne Tränen, aber zu Pennebakers Erstaunen kamen die Studenten am nächsten Tag wieder. In den Folgemonaten, so dokumentierte er seinerzeit, fielen die Studenten, die sich ihren Schmerz von der Seele geschrieben haben, seltener wegen Krankheit aus als andere. Es schien, als wären die Studenten, die sich öffneten, widerstandsfähiger geworden. Eine Vielzahl verschiedener Studien hat seither bestätigt, dass das expressive Schreiben positive Auswirkungen auf unser Stresslevel, unsere Psyche und damit auch auf unser Immunsystem hat.

 

Es geht dabei übrigens keineswegs darum, sich in seinem eigenen Selbstmitleid zu wälzen. Im Gegenteil: wer versucht, beim Schreiben die Perspektive zu wechseln, nicht alles in der „ich“-Form schreibt, sondern auch mal ein „wir“ oder „er“ einstreut, profitiert mehr. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Vorlagen, die gute Fragen zur Selbstreflexion vorgeben. Ein blankes Buch, das Sie so gestalten können, wie es Ihnen gefällt, tut es aber auch. Mein persönlicher täglicher Tagebucheintrag beginnt mit drei Dingen, für die ich dankbar bin. Das lenkt meinen Blick auf die Dinge, die in meinem Leben gut laufen und hat für mich ziemlich schnell deutliche Veränderungen meiner Wahrnehmung bedeutet. Denn – und das ist keine Platitüde – wir haben in Europa ziemlich viel, was ziemlich gut läuft.

 

Probieren Sie es unbedingt aus. Mit Sicherheit liegt auch Ihnen ein Thema auf der Seele, das Sie zu Papier bringen könnten. Es muss ja kein Tagebuch sein, es muss auch nicht täglich passieren. Vielleicht nehmen Sie sich am Samstag oder Sonntagvormittag bei einem Kaffee zwanzig Minuten Zeit zum Schreiben. Sie werden staunen, wie sich Ihre Gedanken und Gefühle verändern. Es kann eine echte Erleichterung für Sie sein.

 

Singen, Musizieren, Handarbeit und Malerei

Neben den beschriebenen Möglichkeiten, Zeit mit sich zu verbringen, gibt es noch zahlreiche andere Methoden und Hobbys, die Ihnen dabei helfen können, wieder zu sich selbst zu finden. Den Stress Ihres Alltags mit einer Erkrankung oder durch ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Vieles davon ist tief in unserer Kultur verankert, geht aber in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verloren. Im Prinzip ist es völlig egal, welchem Hobby Sie nachgehen, sofern Sie darin die Möglichkeit haben, zu entspannen und sich selbst auszudrücken. Wann haben Sie beispielsweise das letzte Mal gesungen oder ein Instrument gespielt? Wenn die Blockflöte aus der Kindheit Ihre letzte Erinnerung daran ist, dann wird es vielleicht wieder Zeit, sich der Musik zu widmen. Und zwar nicht passiv, sondern aktiv. Vielleicht haben Sie früher auch gern gestrickt oder Aquarelle gemalt. Nutzen Sie den ausklingenden Winter, um solche Hobbys wieder aufleben zu lassen. Unsere Kulturtechniken machen uns zum Menschen, der wir heute sind. Es lohnt sich, diese zu pflegen und beizubehalten.

 

Unser neues Buch ist da!

Sie möchten mehr darüber wissen, wie chronischer Stress unsere Gesundheit beeinträchtigt und warum es wichtig ist, dass Sie sich Ihren Stressoren stellen?

 

Zusammen mit der Biologin Julia Tulipan habe ich im Januar einen praktischen Ratgeber veröffentlicht. In „Diagnose: Nebennierenerschöpfung“ erfahren Sie, wie chronischer Stress die Hormon-Balance stört, wie Sie Erschöpfung und anhaltende Müdigkeit hinter sich lassen und Ihre Vitalität und Lebensfreude zurückgewinnen.

Das Buch können Sie bequem und versandkostenfrei im Expert Fachmedien Buchshop bestellen.

 

Bildrechte: Nadja Polzin, Fololia.com

 

Mehr von Nadja Polzin finden Sie auf www.lchf-deutschland.de, unter anderem den Beitrag Leben mit Stress – Ihr steinzeitlicher Körper in der Moderne (Teil 1)

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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