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„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“

von Nadja Polzin aus dem Low Carb – LCHF Magazin 4 / 2017 .

 

“ Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“

 

Erinnern Sie sich an den Werbeslogan im Titel dieses Beitrags?

 

Die meisten von uns kennen den Werbespot, der uns in unterschiedlichen Ausführungen in den letzten Jahren immer wieder darauf aufmerksam gemacht hat, dass eine zuckerreiche Ernährung uns zur Diva werden lassen kann. Nach Aretha Franklin und Joan Collins macht uns nun Mr. Bean vor, was im Zustand der Unterzuckerung aus einem tapferen Ninja-Schüler werden kann.

 

Beim mühsamen Klettern über die Dächer einer asiatischen Kleinstadt schafft er es nicht, ausgehungert wie er ist, mit den großen Ninjas mitzuhalten. Nach einer wagemutigen Rutschpartie über einen geschwungenen Dachgiebel kracht er so unversehens in eines der Dächer. Die lehrenden Ninjas, die derweil federleicht über das Häusermeer fliegen, müssen feststellen, dass dem armen Mr. Bean wohl aufgrund seines Hungers der Fokus verloren gegangen ist. Schnell wird er mit der beworbenen Süßigkeit gefüttert und dadurch automatisch zum fliegenden Ninja-Schüler, der der brenzligen Situation im Handumdrehen entkommen kann.

 

Kennen Sie das?

 

Viele von Ihnen werden sich beim Anschauen des Spots an früher erinnert fühlen. Nicht, weil Sie jemals als Ninja unterwegs waren, aber die Symptome der Unterzuckerung sind Ihnen sicherlich sehr wohl ein Begriff.

 

Müdigkeit, schlechte Laune, starke Stimmungsschwankungen, Aggressionen, Impulsivität, fehlende Stressresistenz, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Herzrasen, Sehstörungen, Schwitzen, Schwächegefühle – wenn unser Körper auf Kohlenhydrate als primären Nährstoff angewiesen ist, dann ist der Zustand der Unterzuckerung ein steter Begleiter über den Tag, wenn nicht regelmäßig ausreichend zuckrige Nahrung nachgeschoben wird.

 

Sicherlich wissen Sie auch, dass der Unterzucker gemeinhin immer dann einsetzt, wenn das Insulin aus Ihrer Bauchspeicheldrüse den Zuckerschwall Ihrer letzten Mahlzeit in Ihre Zellen gebracht hat und der Körper aufgrund mangelnder metabolischer Flexibilität nicht in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel auf einem lebensnotwendigen Niveau zu halten. Unter metabolischer Flexibilität versteht man, dass der menschliche Körper anstelle von Glukose auch auf (eingelagerte) Fette zur Energiegewinnung zurückgreifen kann. Ist er dazu in der Lage, muss er bei einer fehlenden Mahlzeit nicht die verbleibende Glukose aus dem Blut nutzen.

 

Aufgrund unserer zucker- und kohlenhydratreichen Ernährung in der westlichen Welt ist der Unterzucker ein Dauerphänomen. Sicherlich kennen Sie das auch aus Ihrem Umfeld. Es sind die Kollegen, die am Nachmittag in regelrechte Tiefschlafphasen an ihrem Schreibtisch verfallen. Es sind die Freunde, die zuverlässig zu einer bestimmten Uhrzeit etwas zu essen brauchen, weil sie sonst unausstehlich, ja richtiggehend aggressiv werden. Sie sind eben nicht sie, wenn sie hungrig sind.

 

Wenn Sie Ihre Ernährung bereits etwas länger auf eine wohlformulierte LCHF-Ernährung umgestellt haben, dann geht Ihnen nach längeren Essenspausen weder die Stimmung noch der Fokus so derartig flöten, dass Sie in den Augen Ihrer Mitmenschen einen Totalausfall darstellen. Im Normalfall hat Ihr Körper es nach spätestens acht Wochen gelernt, auch auf andere Energiequellen zurückzugreifen. Für manche von uns, und ich schließe die falsche Einstellung eines Diabetes an dieser Stelle einmal aus, bleibt die regelmäßige Unterzuckerung aber darüber hinaus erhalten oder taucht sogar später wieder auf, wenn Sie, aus welchen Gründen auch immer, Ihre Kohlenhydratzufuhr wieder ein wenig anheben. Auch bei mir war das zeitweise so.

 

Wenn es Ihnen also nicht gelingt, trotz einer angemessenen Ernährung mit ausreichend Gemüse, Fett und Eiweiß, Ihre Stimmung und Ihre Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum ohne Nahrung aufrechtzuerhalten, dann könnten auch für Sie folgende Themen in den Fokus rücken.

 

Zügeln Sie Ihren Ehrgeiz

Eine Ernährungsumstellung ist kein Wettbewerb, obwohl es uns bei all den Challenges da draußen manchmal so vorkommen mag. Die einzige Person, an der Sie sich messen sollten, ist Ihr eigenes Ich von gestern. Der Erfolg einer Ernährungsumstellung (und vieler anderer Dinge im Leben) stellt sich für jeden Menschen individuell ein, wenn Sie dabeibleiben. Während ein junger Mensch, der gleichzeitig Sport treibt, die Vorteile einer anderen Ernährungsform vielleicht ziemlich zügig spüren und sehen kann, ist es möglich, dass in der Mitte unseres Lebens oder um die Wechseljahre ganz andere körperliche und hormonelle Umstände vorherrschen und der erwünschte Erfolg ein bisschen mehr Zeit braucht. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.

 

Dauerstress verhindert einen stabilen Blutzucker

In den letzten Ausgaben hatte ich Ihnen das Thema Stress immer einmal wieder ans Herz gelegt. Sofern Sie die Beiträge gelesen haben, wissen Sie, dass Stress, gleich welcher Art, zu einer Freisetzung von Cortisol aus den Nebennieren führt. Das wiederum ist verantwortlich für die Aktivierung von Glukose (bzw. Glykogen) aus der Leber. Wer im Dauerstress ist, büßt die Fähigkeit der Cortisolproduktion unter Umständen ein, ist dadurch nicht nur erschöpft, sondern unterzuckert auch schneller. Neben den psychologischen Faktoren sollten Sie unbedingt auch auf Ihren Kaffee- und/oder Zigarettenkonsum achten. Beides ist nicht nur Stress für unseren Körper, sondern auch ein wunderbarer Indikator für Ihren körperlichen Zustand.

 

Vielen „Genießern“ dürfte nämlich nicht klar sein, dass ihr Suchtmittelkonsum eine unmittelbare Folge ihres ständigen Unterzuckers ist. Je mehr Kaffee Sie meinen trinken zu müssen und je mehr Zigaretten Sie meinen rauchen zu müssen, desto genauer sollten Sie hinschauen, ob Sie nicht mühsam versuchen, Ihren Blutzuckerspiegel zu regulieren. Beide Substanzen lösen nämlich einen Anstieg des Blutzuckerspiegels für rund 30 bis 45 Minuten aus.

 

Übrigens, und das kann man dem ersten Thema hinzufügen, ist eine fehlende Adaption und metabolische Flexibilität bei gleichzeitigem Nahrungsverzicht für Ihren Körper Höchststress.

 

Wenn Sie spüren, dass es Ihnen mit Ihrer Nahrungsmenge oder -frequenz nicht gut geht und Sie die genannte Symptome beobachten, verändern Sie etwas. Und zwar völlig unabhängig davon, ob Ihre Freundin, Nachbarin oder jemand Wildfremdes in einer Facebook-Gruppe da anderer Ansicht ist. Machen Sie es sich nicht so schwer, sondern hören Sie immer auf Ihren Körper und entscheiden Sie, etwas zu verändern, wenn es Ihnen nicht gut geht. Es muss ja nicht gleich ein Schokoriegel sein.

 

Bildrechte: Nadja Polzin

 

Lesen Sie dazu von Nadja Polzin auch den Beitrag „Leben mit Stress – Ihr steinzeitlicher Körper in der Moderne (Teil 1)“ aus dem Low Carb – LCHF Magazin 3 / 2016 .

 

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