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Fasten und Cholesterin, was passiert?

Dr. Jason Fung – Fasten und Cholesterin

Dies ist eine Übersetzung des Artikels Fasting and cholesterol (Fasten und Cholesterin) November 6 2016 by in Cholesterol, Intermittent fasting

Dr. Jason Fung erklärt, welche Auswirkungen Fasten auf das Cholesterin hat. Er ist ein kanadischer Nierenspezialist und einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Intermittierenden Fastens und der Low Carb High Fat-Ernährung.

 

 

Fasten und Cholesterin                        

 

Kann das Cholesterin auch ohne Medikamente gesenkt werden? Was geschieht mit dem Cholesterin beim Fasten?

 

Ein hoher Cholesteringehalt im Blut zählt zu den behandelbaren Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Es gibt viele Punkte zum Thema Cholesterin, auf die ich nicht alle eingehen möchte. In der Regel wird zwischen dem Low Density Lipoprotein (LDL = „schlechtes“ Cholesterin), und dem High Density Lipoprotein (HDL = „gutes“ Cholesterin) unterschieden. Der Gesamtcholesterin-Wert liefert nur wenig brauchbare Informationen.

 

Gemessen werden auch die Triglyzeride, eine Gruppe der Blutfette. Sie werden als Fett in den Fettzellen gespeichert, fließen jedoch auch frei im Körper. Zum Beispiel werden beim Fasten die Triglyzeride in freie Fettsäuren und Glycerin umgewandelt. Diese freien Fettsäuren werden hauptsächlich zur Energiegewinnung im Körper verwendet. Somit stellen Triglyzeride eine Art Energiespeicher dar, Cholesterin hingegen nicht. Diese Substanz wird für die Zellreparatur (in der Zellmembran) oder für die Produktion bestimmter Hormone verwendet.

 

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde in der Framingham Heart Study herausgefunden, dass ein hohes Blutcholesterin, genauso wie hohe Triglyzerid-Werte, mit Herzerkrankungen in Verbindung stehen. Dieser Zusammenhang ist viel geringer, als sich die meisten vorstellen. Doch die Ergebnisse verbesserten sich etwas, als das LDL getrennt vom HDL betrachtetet wurde. Da Cholesterin in den Ablagerungen am Herzen (Diese Ablagerungen werden „atherosklerotisches Plaque“ oder kurz „Plaque“ genannt. Plaque kann die Koronararterien verstopfen und sie steif und uneben machen. Anmerkung der Übersetzerin), festgestellt wurde, hatte es den Anschein, dass hohe Blutspiegel eine Rolle beim Verstopfen der Arterien spielen.

 

Die Frage war also, was es ist, was den hohen Cholesterinspiegel im Blut verursacht? Der nächstliegende Gedanke war, dass große Cholesterinmengen mit der Nahrung aufgenommen werden und diese zu einem hohen Blutspiegel führen. Doch diese These wurde schon vor Jahrzehnten widerlegt. Doch damals kam man zu dem Trugschluss, dass eine verringerte Aufnahme von Cholesterin über die Ernährung den Wert im Blut senkt. (1) Allerdings wird 80% des Cholesterins in der Leber gebildet, somit ist die verringerte Zufuhr von Cholesterin über die Nahrung nahezu bedeutungslos. Auch die Studien von Ancel Keys, bekannt als „Sieben Länder Studie“ zeigten, dass das Cholesterin aus der Nahrung, wie viel es auch immer ist, wenig mit dem Blutspiegel zu tun hat. Mit vielen anderen Behauptungen lag Ancel Keys weit daneben, doch mit der Aussage, dass das gegessene Cholesterin die Blutwerte nicht erhöhe, hatte er Recht. Alle Studien seit 1960 haben das immer wieder bestätigt: Mehr Nahrungscholesterin erhöht nicht den Cholesterinwert im Blut.

 

Jedoch hat es sehr viel länger gedauert, bis dieser Fakt in der Öffentlichkeit ankam. Die Ernährungsempfehlungen für die US-Amerikaner, die alle 5 Jahre publiziert werden, haben immer darauf hingewiesen, dass das Nahrungscholesterin eine wichtige Rolle spielt. Doch das tut es nicht. Doch wenn es nicht das Cholesterin aus der Nahrung ist, das den Blutwert erhöht, was ist es dann?

 

Fettarme Ernährung und Cholesterin

 

Dann kam man auf die Idee, dass eine Reduzierung der Fettaufnahme durch die Nahrung, vor allem der gesättigten Fettsäuren, das Cholesterin im Blut senken kann. Auch wenn das nicht stimmt, gibt es nach wie vor viele Menschen, die diesen Mythos glauben. In den 1960er Jahren wurde die „Framingham Studie“ durchgeführt, um die Verbindung zwischen Fett aus der Nahrung und dem Cholesterin zu finden. Es ist übrigens dieselbe Stadt, Framingham, die wir aus der weltbekannten Framingham-Herzstudie kennen. Leider gibt es kaum Hinweise auf die andere Framingham Studie. Warum haben bis jetzt noch nichts von der Studie gehört? Tja, es mag daran liegen, dass diese Studie keinen Zusammenhang zwischen Nahrungsfett und dem Cholesterinspiegel nachweisen konnte. Da die Ergebnisse das Gegenteil der vorherrschenden Meinung bewiesen, wurden sie geheim gehalten und in keiner wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. Die Daten wurden mit einem Tabu belegt und sollten verstauben. Doch Dr. Michael Eades gelang es, eine Kopie des vergessenen Juwels zu finden. In seinem Blog berichtete er über diesen Vorgang und die Resultate. (2)

 

In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Studien zu demselben negativen Resultat. In der „Tecumseh Studie“ wurde der Cholesterinspiegel mit der Aufnahme von Fett und Cholesterin aus der Nahrung verglichen. Unabgesehen davon, ob die Blutspiegel hoch, mittel oder niedrig waren, aß jede Gruppe etwa gleich viel Fett, gesättigtes Fett oder Cholesterin. Die Aufnahme von Fett und Cholesterin mit der Nahrung hatte nur wenig Einfluss auf den Cholesteringehalt im Blut.

 

Eine extrem fettreduzierte Ernährung konnte zwar in einigen Studien eine leichte Senkung des LDL- zeigen, doch gleichzeitig auch des HDL-Cholesterins. Somit ist es fraglich, ob es zu einer Verbesserung der Gesundheit führt. Andere Studien hingegen konnten das Ergebnis nicht bestätigen. Als Beispiel haben wir eine Studie aus dem Jahr 1995 (3). 50 Personen bekamen entweder eine Nahrung aus 22 oder aus 39% Fett verabreicht. Das Cholesterin wies einen durchschnittlichen Ausgangswert von 4,5 mmol/l auf. Nach 50 Tagen mit der fettreduzierten Ernährung einen Wert von… 4,5 mmol/l. Oh Schreck. Die Gruppe mit dem höheren Fettgehalt im Essen hatte einen kaum veränderten Wert. Auch nach 50 Tagen mit einer fettreichen Ernährung war der Wert mit 4,6 mmol/l nur unwesentlich gestiegen.

 

Millionen Menschen versuchen sich an eine fettarme oder cholesterinarme Ernährung zu halten, ohne zu begreifen, dass sie sich als wirkungslos erwiesen hat. Immer wieder muss ich mir das anhören. Sobald jemand erfährt, dass sein Cholesterin zu hoch ist, höre ich „Das verstehe ich nicht. Ich habe doch alle fettreichen Speisen gemieden“. Schade aber auch, denn die Minimierung von Fett in der Nahrung zieht eben keine Minimierung des Cholesterinspiegels nach sich. Wir wissen das schon seit vielen Jahren. Im besten Fall kommt es zu einer minimalen Verbesserung. Tja, was kann man also sonst noch machen? Statine verabreichen?

 

Fragen wir den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain.

 

„Ein bisschen zu hungern kann für den durchschnittlichen Kranken mehr bewirken, als die besten Medikamente und Ärzte es vermögen“, sagt Mark Twain.

 

Die Studien (4) beweisen, dass Fasten eine einfachere Möglichkeit ist, den Cholesterinspiegel deutlich zu senken.

 

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen über das Fett, in die ich nicht verwickelt werden möchte. Zum Beispiel finden Sie viele Details über die Größe der Partikel und Berechnungen über die gesamte Partikelgröße, über neue Partikel usw., die den Rahmen der Diskussion sprengen. Ich werde mich in dieser Diskussion auf die klassischen Begriffe LDL, HDL und Triglyceride beschränken.

 

Lesen Sie Morgen den 2. Teil: Wie verändern sich HDL, LDL und Triglyceride beim Fasten?

 

Margret Ache / www.LCHF-Deutschland.de und  Low Carb – LCHF Kongress

 

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info@lchf-deutschland.de

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1 COMMENT
  • snowstorm 16. März 2018

    Dankeschön Frau Ache für die Übersetzung und ein Einstellung des interessanten Artikels.

    Im Zusammenhang bei steigenden LDL-Werten vermisse ich Aussagen über die Palmitinsäure (die scheinbar am häufigsten vorkommende gesättigte Fettsäure), die scheinbar den LDL-Spiegel ansteigen lässt. Zumindest wird dies im nachfolgend verlinkten Beitrag so dargestellt:
    http://edubily.de/2014/10/fette-das-der-n3n6n9-fettsaeuren-teil-iv/
    Zitat: „Palmitinsäure reguliert die LDL-Rezeptoren herab und somit „staut“ sich das LDL im Blut. Natürlich kann man noch weiter diskutieren und fragen, ob Palmitinsäure auch HDL ansteigen lässt (was es wohl tut), aber Punkt ist: LDL steigt an.“

    Das Problem für mich als „nicht-studierter“ Leser: jeder Wissenschaftler findet Studien, die seine Thesen belegen und die der anderen widerlegen. Ich tue mir deshalb sehr schwer herauszufinden, was man glauben soll und was nicht. 🙁

    PS: In einem 2. Artikel führt derselbe Autor weitere Punkte auf, die weitere negative Folgewirkungen beim Konsum der Palmitinsäure andeuten: http://edubily.de/2014/09/palmitinsaure/

    Gerade bei der Ketogenen Ernährung spielt die Palmitinsäure eine Hauptrolle als Energielieferant. Sollte man sich davor möglichst fernhalten?
    Es wäre toll, wenn man hier in einem zukünftigen Beitrag auf die im 2. verlinkten Artikel erwähnten Kritikpunkte näher eingehen könnte, Dankeschön.

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