Home / Gesundheit  / Fett  / Fette Wissenshäppchen: Gesättigte Fettsäuren

Fette Wissenshäppchen: Gesättigte Fettsäuren

Unser Teammitglied Ulrike Gonder ist die bewährte Expertin, wenn es um gesättigte Fettsäuren geht. Im fetten Wissenshäppchen klärt sie uns über eine gerade publizierte Studie zu diesem Thema auf, vielen Dank dafür.

Fette Wissenshäppchen

von Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

 

Ist es an der Zeit, über gesättigte Fettsäuren neu nachzudenken?

 

Was für eine Frage möchte man denken, wenn man sich schon länger mit Low-Carb und High-Fat beschäftigt. Ist dazu nicht schon alles gesagt? Keineswegs, jedenfalls nicht vonseiten jener Forscher, die über viele Jahre lang dazu beigetragen haben, gesättigte Fettsäuren bzw. die Lebensmittel, in denen sie in größeren Mengen vorkommen, zu verteufeln und sie mit trans-Fettsäuren aus industrieller Teilhärtung in einen Topf zu werfen. Insofern ist die Übersichtsarbeit zum Thema gesättigte Fette, die am 4. Juli im British Medical Journal erschien, neu, aufregend und bemerkenswert (1).

 

Die Autoren fordern nach Durchsicht der verfügbaren Literatur nun öffentlich, die gesättigten Fettsäuren vom Vorwurf, sie seien gesundheitsschädlich, freizusprechen. Mehr noch: Sie bestätigten aufgrund ihrer Analyse, dass gesättigte Fettsäuren weder Gefäße verstopfen noch Infarkte verursachen. Sie konstatierten, dass die bisherigen WHO-Empfehlungen, an denen sich weltweit viele Regierungen orientieren, gesättigte Fettsäuren auf weniger als 10 % der täglichen Kalorien zu reduzieren (und sie durch ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen), wissenschaftlich unbegründet waren. Und sie räumten ein, dass eben diese Empfehlungen (die i.d.R. zu einem Mehrkonsum an Kohlenhydraten und Omega-6-Fettsäuren führen) zur Verbreitung genau der Krankheiten und Sterbeursachen beigetragen haben könnten, die damit vermieden werden sollten.

 

Die Warnungen vor den gesättigten Fettsäuren könne zudem dazu führen, dass besonders nahrhafte Lebensmittel wie Eier, Fleisch und Milchprodukte gemieden und sich die Nährstoffversorgung dadurch verschlechtere. Schön, dass ich das noch erlebe!

 

Die britische Kollegin Zoë Harcombe (2) wies in ihrem Beitrag zu diesem neuen Übersichtsartikel unter anderem darauf hin, dass die Milch unberechtigterweise besser wegkam als das Fleisch und andere Fettquellen. Da 12 der 18 Studienautoren hier einen Interessenkonflikt angegeben hatten, mag dies nachvollziehbar sein. Es ist aber dennoch bedauerlich, denn man könnte zu den gleichen Schlussfolgerungen in Sachen Fleischfett bzw. Gesamtfett kommen (3, 4).

 

Harcombe begrüßt es jedoch ausdrücklich, dass in dieser Übersicht endlich auch einmal viele (leider nicht alle) „Non-Findings“ gewürdigt wurden, also die Tatsache, dass die meisten Studien über die angebliche Schädlichkeit gesättigter Fettsäuren zu keinem Ergebnis (Nullergebnis) gekommen waren. Dies ist ein weiterer wichtiger Grund, diese bzw. die korrespondierenden Lebensmittel nun endlich freizusprechen. Da der Übersichtsartikel in die neuen WHO-Empfehlungen einfließen soll, bleibt zu hoffen, dass er angemessen berücksichtigt wird.

 

Ich würde dem noch hinzufügen, dass dieser Artikel gerade in der heutigen Zeit von enormer Wichtigkeit ist, da kein Tag vergeht, an dem nicht versucht wird, tierische Lebensmittel mit fragwürdigen Studiendesigns zu diskreditieren (z. B. EAT-Kampagne, Lancet).

 

Quellen

  1. Astrup, A et al.: WHO draft guidelines on dietary saturated and trans fatty acids: time for a new approach? BMJ https://www.bmj.com/content/366/bmj.l4137
  2. http://www.zoeharcombe.com
  3. Harcombe, Z et al.: Evidence from randomised controlled trials does not support current dietary fat guidelines: a systematic review and meta-analysis. Open Heart 2016
  4. Harcombe, Z et al.: Evidence from randomised controlled trials did not support the introduction of dietary fat guidelines in 1977 and 1983: a systematic review and meta-analysis. Open Heart 2015

 

Neuigkeiten

Sie möchten täglich das Neueste aus dem Bereich Gesundheit und Ernährung erfahren? Sie möchten kein Rezept versäumen? Prima, dann abonnieren Sie unseren Blog hier: https://lchf-deutschland.de/service/blog-abonnieren/

 

Sie können sich ab sofort zu unserem Newsletter anmelden. Welche Infos Sie bekommen und wie oft er erscheint, erfahren Sie auf der Anmeldeseite!

 

Wir freuen uns über neue Abonnenten!
https://lchf-deutschland.de/service/newsletter/

 

www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland Akademie

 

 

Titelbild: ©-photocrew-Fotolia

Print Friendly, PDF & Email

info@lchf-deutschland.de

Review overview
1 COMMENT
  • Avatar
    Gnubbel 10. Juli 2019

    Es ist doch immer wieder interessant, zu welchen Selbstverständlichkeiten immer wieder teure Studien durchgeführt werden. Dabei sollte doch jeder, der in der Schule in Chemie nicht gerade Kreide holen war, wissen, dass gesättigte Kohlenwasserstoffe, worauf das Attribut „gesättigt“ ja schon hinweist, wesentlich stabiler sind als ungesättigte. Jede Hausfrau weiß, dass man Butterschmalz monatelang und Kokosfett sogar jahrelang bei Raumtemperatur aufbewahren kann, während Leinöl selbst im Kühlschrank schon nach wenigen Wochen ranzig ist. Warum also sollten gerade gesättigte Fettsäuren im Körper irgendwelche unerwünschten Reaktionen provozieren, vor denen ungesättigte Fettsäuren mit ihren anfälligen Doppelbindungen angeblich schützen sollen?

Kommentieren