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Fette Wissenshäppchen von Ulrike Gonder

Fette Wissenshäppchen von der genialen Ulrike Gonder bringen Ihnen auf einfache Art und Weise wertvolle wissenschaftliche Informationen näher. Es ist wirklich eine beeindruckende Gabe von Ulrike Gonder verblüffend einfach Wissen zu vermitteln.

Viel Spaß beim Lesen der fetten Wissenshäppchen.

 

Fette Wissenshäppchen

Fette Wissenshäppchen von Ulrike Gonder

von Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder, Team LCHF Deutschland

 

Schützt eine fettarme Ernährung wirklich davor, an Brustkrebs zu sterben?

Quellen zu diesem Beitrag:

  1. http://abstracts.asco.org/239/AbstView_239_253759.html
  2. https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4907916
  3. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/article/988218/whi-studie-brustkrebs-schutz-durch-weniger-fette-ernaehrung.html
  4. http://www.zoeharcombe.com/2019/05/low-fat-diet-breast-cancer/
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5578391/

 

 

In den letzten Tagen sorgte eine Meldung (1) für internationale Schlagzeilen. So titelte das Medizinportal Medscape „Fettarm, Obst, Gemüse, Ballaststoffe – Studie enthüllt, welche Kost das Risiko eines Brustkrebs-Todes reduziert“ (2). Die Ärzte-Zeitung behauptet auf ihrer Webseite: „Weniger Fett im Essen – und die Brustkrebs-Inzidenz sinkt“ (3). Eine Auswertung von Daten aus der großen amerikanischen Studie Women‘s Health Initiative (WHI) nach 20 Jahren belege, so das Medizinerblatt, dass sich die Brustkrebs-Häufigkeit der Frauen (Inzidenz) und ihre Sterblichkeit insgesamt verringern, wenn sie sich fettarm ernährt hatten. Was ist dran an diesen Zahlen?

 

Als erstes fällt auf, dass die ursprüngliche Meldung (1) nicht etwa auf einer wissenschaftlichen Publikation beruht, die zuvor einer kritischen fachlichen Kontrolle (peer review) unterzogen worden ist, sondern auf der Zusammenfassung für eine kurze Poster-Präsentation auf einem Kongress, die am 2. Juni erst noch gehalten werden soll. Zudem handelte es sich um die Auswertung von Daten, die 12 Jahre nach der Diätumstellungsphase erfolgte. Niemand hat in dieser Zeit überprüft, was die Frauen gegessen haben und ob sie die seinerzeit vorgenommenen Änderungen beibehielten oder nicht. Schon das alleine hätte dazu führen müssen, die Meldung mit größter Vorsicht zu interpretieren.

 

Stattdessen wurde völlig unkritisch berichtet, unter rund 20.000 älteren Frauen, die vor 20 Jahren ihre Ernährung auf fettarm umgestellt hatten*, sei die Sterblichkeit an allen Ursachen um 15 % und die Brustkrebssterblichkeit um 21 % gesunken. Was ist von diesen Aussagen zu halten? Dankenswerterweise war die britische Kollegin Dr. Zoë Harcombe mal wieder schnell und hilft uns bei der Analyse (4). Sie fand heraus, dass die Aussage, die Gesamtsterblichkeit sinke um 15 %, schlicht falsch ist. Grund: Es wurde gar nicht die Sterblichkeit aller Frauen berechnet, sondern nur jener, die im Lauf der Studie an Brustkrebs erkrankt waren. Unter denen, die nicht erkrankten, hat es in der gleichen Zeit natürlich auch Todesfälle gegeben. Die wurden hier jedoch nicht berücksichtigt.

 

Zudem handelt es sich bei den 15 und den 21 % um relative Risiken. Das sind statistische Kennzahlen, die in die Irre führen können, wenn man die absoluten Zahlen nicht kennt. Und die zeigen in diesem Fall, dass man sich als Frau nicht wirklich sorgen muss: Das Risiko an Brustkrebs zu sterben war winzig: Es betrug in der Gruppe, die sich zwischen 20 und 12 Jahren zuvor (!) fettärmer ernährt hatte, nur 0,0362 %, in der Gruppe mit dem etwas höheren Fettverzehr betrug es 0,0438 %. Die Risiken unterschieden sich also absolut nur um 0,0076 %. Und noch einmal: Ob dieser winzige Unterschied tatsächlich irgend etwas mit der Ernährung oder gar mit dem Fettverzehr zu tun hat, darüber lassen sich keine Aussagen treffen.

 

In der eigentlichen WHI-Studie, die über gut 8 Jahre lief und deren Ergebnisse 2006 veröffentlicht wurden (5), fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Ernährungsgruppen: Egal, ob mehr oder weniger Fett im Essen war, das Risiko an Brustkrebs zu erkranken oder daran zu versterben, unterschied sich nicht. Auch nach 20 Jahren fand sich kein Unterschied im Brustkrebsrisiko. Wie um alles in der Welt soll dann die Sterblichkeit an Brustkrebs vom Fettanteil im Essen beeinflusst werden?

 

Auch Zoë Harcombe beruhigt ihre Leserinnen (4): Anhand der WHI-Studie wurden insgesamt knapp 50.000 Frauen (20. 000 in der fettarm-Gruppe, 30.000 in der Kontrollgruppe) über 20 Jahre beobachtet. Das macht rund 1 Million „Personenjahre“ (50.000 Personen x 20 Jahre), in denen insgesamt 383 (0,04 %) Frauen an Brustkrebs verstarben – das sind zum Glück nur sehr, sehr wenige.

 

Diese Arbeit belegt also keineswegs, dass eine fettarme Diät Frauen nach der Menopause davor schützt, an Brustkrebs zu erkranken oder zu sterben. Da es mit LCHF vielen Frauen während und nach der Menopause sehr gut geht, sie ihre Stimmung und ihre Symptome damit gut im Griff haben und gut schlafen, gibt es somit keinen Grund, daran etwas zu ändern!

 

 

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* die Frauen waren zu Studienbeginn (1993 – 1998) bereits in der Menopause und i. D. 50 – 75 Jahre alt, Ziel für die fettarme Diät waren max. 20 % der Kalorien in Form von Fett (zuvor wurden mindestens 32 % Fett gegessen), im Durchschnitt wurde eine Reduktion auf rund 24 % erreicht.

 

Ulrike Gonder

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Titelbild: Fotolia

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