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Krebs als Umweltkrankheit

Krebs als Umweltkrankheit

Der Artikel ist im Original erschienen bei www.dietdoctor.com September 10 2017 by Dr. Jason Fung, M.D. in Cancer

 

Die vorherrschende Theorie zur Entstehung von Krebs, die in den letzten Jahren von praktisch allen Onkologen und Forschern der Welt anerkannt wurde ist, dass Krebs eine genetische Krankheit ist.

Dies wird als somatische Mutationstheorie (SMT) bezeichnet: eine Zelle entwickelt Mutationen, die es ihr ermöglichen sich zur Krebszelle zu entwickeln. Eine einzige Mutation reicht selten aus, um eine normale Zelle in eine Krebszelle mutieren zu lassen.

Zum Beispiel könnte eine normale Brustzelle eine Mutation entwickeln, die es ihr erlaubt zu wachsen. Es werden jedoch weitere Mutationen benötigt, um der Entdeckung durch das Immunsystem zu entgehen, Blutgefäße wachsen zu lassen usw. So braucht es mehrere Mutationen, um es zu dem Problem Krebs kommen zu lassen.

 

Die grundlegende Theorie von SMT ist also:
  1. Krebs wird von einer einzelnen Zelle abgeleitet, die mehrere DNA-Mutationen angesammelt hat.
  2. Normalerweise wachsen die Zellen nicht so schnell.
  3. Krebs wird durch Mutationen in den Genen verursacht, die Zellwachstum und Vermehrung kontrollieren.

Das vorherrschende Paradigma

Dies ist die grundlegende Theorie, die ich im Medizinstudium gelernt habe. Dies ist das vorherrschende Paradigma des Krebses, das im Wesentlichen beschreibt, wie alle Daten interpretiert werden. Wenn Sie das Paradigma falsch verstehen, ist alles andere, was folgt, falsch. Genauso wie bei Ernährung und Fettleibigkeit – wenn Sie dem „Kalorien“ -Paradigma folgen, dann wird alles im Hinblick auf Kalorien interpretiert. Aus diesem Missverständnis kommt die aktuelle Adipositas-Epidemie.

Im Jahr 1971 erklärte US-Präsident Richard Nixon dem Krebs den Krieg. Das war sein „Mondschuss“, auch wenn er es nicht so nannte (Joe Biden wäre expliziter und nennt es so). Die Menge an Ressourcen, die in den letzten 45 Jahren für das Verständnis von Krebs aufgewendet wurde, ist atemberaubend. Dennoch sind wir einer Heilung nicht näher als 1971. Traurig, aber wahr. Der einzige Möglichkeit, solch ein bescheidenes, bescheidenes Ergebnis zu haben, ist, vom falschen Paradigma auszugehen.

Während also auf genetischem und molekularem Ebene große Fortschritte beim Verständnis von Krebs gemacht wurden, gibt es im Klinischen Bereich, mit Ausnahme von Behandlungserfolgen bei Leukämie, wenig gute Neuigkeiten. Dies führte zu einem besonderen Status der Gene in der öffentlichen Wahrnehmung zum Thema Krebs.

Es resultierte eine Forschungsfinanzierung, die sich besonders auf die genetischen Grundlagen konzentriert, wie zum Beispiel das „Cancer Genome Project“. Dies nimmt uns den Blick auf andere Faktoren, die für die Krebsentwicklung gleichermaßen wichtig sind. In der Tat ist die relativ geringe Bedeutung genetischer Faktoren bei gewöhnlichen Krebsarten offensichtlich zu sehen.

Der deutlichste Beweis gegen eine überwiegend genetische Ursache für Krebs kommt durch Zwillingsstudien. Eineiige Zwillinge teilen identische Gene, aber auch ähnliche Umwelteinflüsse, wenn sie zusammen aufwachsen.

Faktoren in der Verursachung von Krebs:

  1. heritable=vererbbar
  2. shared Environmental = geteilte Umwelt
  3. nonshared Environmental = nicht geteilte Umwelt

 

Zweieiige Zwillinge teilen im Durchschnitt nur 50% genetisches Material, genausoviel wie Geschwister.

Magen / Kolorektum / Lunge / Brust / Eierstock / Leukemie

Durch den Vergleich dieser beiden Gruppen bekommt man eine Vorstellung davon, wie wichtig genetische Faktoren für die Entwicklung von häufigen Krebsarten wie Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs usw. sind.

Glücklicherweise werden in Schweden, Dänemark und Finnland die Einträge dieser Zwillinge aufbewahrt und Daten von über 44.788 Zwillingspaare wurden überprüft. Die Auswirkungen wurden als genetische, geteilte Umwelt (z. B. Passivrauchen, ähnliche Umstände) und nicht geteilte Umwelt (z. B. berufliche Exposition, Virusinfektionen) definiert.

Umweltrisiko

Der überwiegende Teil des Risikos bei der Entstehung von Krebs ist NICHT genetisch bedingt.

Dies gilt sogar für Brustkrebs, bei dem wir oft an das BRCA1-Gen als „Brustkrebs-Todesurteil“ denken. Dieses Gen macht jedoch nur 27% des Risikos aus. Dies gilt für alle Krebsarten. Bei den meisten Krebsarten beträgt das zuordenbare Risiko nur 20-30%. Umweltrisikofaktoren sind in allen Fällen von Krebs der größte Risikofaktor.

Dies ergibt sich aus Migrationsstudien. Wie wir bereits gesehen haben, ist das Risiko für Brustkrebs bei einer Japanerin auf Hawaii viel höher

als bei einer Japanerin in Japan. Natürlich sind die Gene identisch, aber die Umwelt nicht. Das überwältigende Problem ist die Umwelt.

Im Jahr 2004, im New England Journal of Medicine, veröffentlichte Dr. Willett, aus Harvard, einen kleinen Artikel, in dem die steigende Häufigkeit von Brustkrebs in Japan erwähnt wurde. Von 1946 bis 1970 hat sich die Häufigkeit von Brustkrebs mehr als verdoppelt. Das könnte interessant sein, auch wenn man an einen Zusammenhang mit den  Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki glauben könnte. Aber was faszinierend ist, ist, dass größere Körpergröße mit einem erhöhten Risiko von Brustkrebs verbunden ist. Wo ist der Zusammenhang?

Wenn man sich die stetige Zunahme der Körpergröße bei japanischen Frauen anschaut, so verläuft diese parallel zum Anstieg des Brustkrebses. Es muss ein Umwelt-Effekt sein – meist ernährungsbezogen. Ein gemeinsamer Faktor kann der Insulin-ähnliche Wachstumsfaktor 1 sein. Eine höhere Menge an Hormonen,  die Wachstum erzeugen, führt zu erhöhter Körpergröße, jedoch ermöglicht dies auch das Wachstum anderer Zellen, zum Beispiel Brustkrebs.

Myopie – Kurzsichtigkeit

Kinder wachsen nicht nur in die Höhe. Wenn sie Augäpfel haben, die zu groß für ihre optimale Brennweite werden, dann bekommen sie Myopie (Kurzsichtigkeit). In den letzten Jahrzehnten haben wir einen enormen Anstieg der Anzahl von Myopie-Fällen gesehen.

Wenn man sich umsieht gibt es heute eine Menge Kinder, die eine Brille tragen. Früher waren es so wenige, dass die Gefahr bestand, deswegen in der Schule gehänselt zu werden.

Warum hat Myopie so stark zugenommen? Es ist offensichtlich nicht genetisch, da es innerhalb einer Generation passiert ist.

Die Antwort ist nicht wirklich bekannt, aber vermutlich spielen übermäßige Wachstumsfaktoren, einschließlich Insulin, hier eine große Rolle. Zu viel Wachstum ist im Allgemeinen nicht immer gut. Ja, die Leute sind größer geworden. Aber sie haben auch vermehrt Kurzsichtigkeit und Brustkrebs.

Dass jedoch die Umwelt der größte Risikofaktor ist und nicht die Genetik, ist keine Neuigkeit.

Ernährung als Risikofaktor

Sir Richard Doll und Sir Richard Peto von der Universität Oxford, die bereits 1981 die Ursachen von Krebs untersuchten, deuteten an, dass 30% auf das Rauchen zurückzuführen seien, 35% jedoch auf die Ernährung. Im Jahr 2015 blickten Forscher auf diese Arbeit zurück und legten nahe, dass diese Schätzungen „seit 35 Jahren allgemein gültig“ seien. Dieser Bericht wurde von einem Büro des US-Kongresses in Auftrag gegeben, um die Rolle des Arbeitsrisikos (Asbest) zu untersuchen.

Das Rauchen war der wichtigste Risikofaktor, aber die Ernährung lag sehr nahe bei 35%. Was genau das Problem mit der Ernährung war, konnte der Forscher damals nicht feststellen. Das andere Hauptrisiko war die berufliche Exposition (20%) einschließlich Asbest, Staub und Strahlung.

Infektionen spielten eine kleinere Rolle mit 10% einschließlich Bakterien (H. Pylori) und Viren (Human Papilloma Virus, Hepatitis B und C, Epstein Barr Virus).

Das lässt einen minimalen Anteil von 5% der Bevölkerung für alles andere zu, einschließlich Genetik, Pech, Zufall und dergleichen.

Es bleiben über 90% des Krebsrisikos umweltbedingt, aber vor allem vermeidbar. Dies widerspricht direkt

der vorherrschenden Meinung, dass Krebs vor allem eine genetische Lotterie ist und dass man nichts tun kann, um die zweithäufigste Todesursache in Amerika zu vermeiden.

 

Es ist klar, dass jede sich präventive Anstrengung auf diese Faktoren konzentrieren muss. Es gibt wenig Kontroversen, dass:

 

  1. Wir sollten aufhören zu Rauchen
  2. Wir sollten schädliche berufliche Expositionen (z.B. Asbest) vermeiden.
  3. Wir sollten versuchen Infektionen mit schädlichen Viren / Bakterien zu vermeiden und Impfungen kritisch hinterfragen

 

Daher müssen sich alle Bemühungen direkt auf die Ernährung konzentrieren, denn alles andere, einschließlich des Versuchs, seine eigenen Gene zu „hacken“, wird nur minimale Vorteile haben. Die Verbindung zwischen Ernährung und Krebs ist eine besonders wichtige, wurde jedoch ignoriert, als man in der Eile Krebs als genetisch bedingte Krankheit gehäufter zufälliger Mutationen proklamiert hat.

 

Dr. Jason Fung

Vielen Dank für die Übersetzung des Artikels, liebe Claudia Heine.

Der Low Carb – LCHF Kongress

Am 17. und 18. Februar 2018 treffen sich namhafte Experten und Gesundheitsinteressierte zum Low Carb – LCHF Kongress in Düsseldorf.

Der Kongress ist eine attraktive Plattform für alle Low Carb – Ernährungsformen. Diese Ernährung stellt eine wesentliche Voraussetzung dar, um mit Leichtigkeit gesund durchs Leben gehen zu können.

Themen des Kongresses sind Demenz, Diabetes, Ketogene Ernährung, Krebs, Rheuma, Sport und Vitamin D. Hier erfahren Sie mehr.

 

www.LCHF-Deutschland.de und  Low Carb – LCHF Kongress 2018

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Schlagworte:

info@lchf-paleo.de

Bewertung
1KOMMENTAR
  • Susanne 29. Januar 2018

    Sehr interessanter Artikel.!

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