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Krebs durch Fleisch? Eine statistische Akrobatik

Krebs durch Fleisch?

Krebs durch Fleisch? Eine statistische Akrobatik.

Von Zeit zu Zeit geistert die Warnung vor Fleisch, insbesondere vor rotem Fleisch durch den Medienwald. Rotes Fleisch würde die Entstehung von Krebs fördern, mitgeliefert wird meist eine aktuelle Studie (siehe EPIC–Studie).

Dieser Beitrag ist in der Juli-Ausgabe vom LCHF Magzin 2/2014 erschienen.

Nur leider sind alle diese großen Studien, was auch immer sie aussagen, statistische Akrobatik, die nur geringe Aussagekraft hat. Beobachtungs-studien allein sind nicht geeignet einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Krebs und einer Ernährungsform festzustellen. Diese müssen durch sorgfältige Interventionsstudien, in denen mindestens zwei Versuchsgruppen über einen längeren Zeitraum eine kontrollierte Ernährung erhalten, ergänzt werden. Dass dies sehr problematisch und extrem kostspielig ist, versteht sich von selbst.

Die EPIC Studie

Wieder zurück zur Panikmache vor rotem Fleisch (Krebs durch Fleisch). Derzeit werden häufig Daten aus der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) verwertet, die bereits seit 1994 läuft. 23 Zentren in 10 Ländern beobachten dabei insgesamt 520 000 Versuchspersonen. Verglichen werden dabei unter anderem die Ernährungsgewohnheiten  und die Häufigkeit von Krankheiten. Was dabei herauskommt ist nicht gerade eindeutig, denn die Ergebnisse beruhen auf Befragungen und Selbstangaben (Ernährungsfragebögen) von nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Personen. Zu Beginn der Untersuchung einer Testperson wird ein standardisiertes, PC-gestütztes Erinnerungs-protokoll erhoben, sowie eine Blutprobe abgenommen. Alle 3 bis 5 Jahre findet eine Nachbeobachtung mittels Fragebogen oder Telefoninterview statt. Die so  gewonnenen Daten werden mit dem staatlichen Krebsregister (oder Daten der Krankenversicherungen) abgeglichen und die Ernährung mit der Krebsrate in Relation gestellt. (1)
Die meisten Ergebnisse sind bei näherer Betrachtung keineswegs eindeutig und kaum statistisch relevant. Die Unsicherheit bei der Datenerhebung, die vielen Ereignisse in den langen Jahren zwischen den Befragungen, und die Erinnerungsbereitschaft der  Probanden, sind nur einige Aspekte der Problematik dieser epidemiologischen Untersuchung. Was man herauslesen kann, ist einzig und allein der Hinweis, auf welchen Gebieten intensiv geforscht werden muss. Dass sich Massenmedien daraus Schlagzeilen erhoffen ist verständlich. Nicht verständlich ist, dass sich auch Ärzte hin und wieder dazu
hergebe.

Freispruch für Fleisch

In der Studie weisen die Daten für die Gefährlichkeit des roten Fleisches nur geringe signifikante Unterschiede auf, die keinesfalls in allen Ländern festgestellt werden konnten. Billigfleisch aus Massentierhaltung mit seinen ungesunden Fettsäuren, kann sich auch auf die Statistik auswirken. Fleisch wird zumeist in Verbindung mit billigen Sättigungsbeilagen, wie Nudeln, Kartoffeln, Pommes, Reis, verzehrt. Was wäre, wenn sich Menschen mehr Gemüse aus biologischem Anbau leisten und auf Bauernmärkten einkaufen würden? Fleisch aus artgerechter Tierhaltung ohne „Medizinalfutter“ steht auf keinem Fragebogen zur Auswahl. Warum werden diese wichtigen Aspekte in Bezug auf Gesundheit, Umweltschutz und Ressourcenschonung nicht erhoben?

Wenn Interpretationen dieser Studie von verantwortungsbewussten Ärzten kommen, sind sie sehr vage und unverbindlich gehalten, wie Prof. Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam feststellt: „eine vermehrte Aufnahme von Obst und Gemüse senkt wahrscheinlich das Krebsrisiko, aber nicht in dem Maße, wie früher vermutet“. (2)

Das Geschäft mit dem Übergewicht

Aus zahlreichen Beobachtungsstudien, nicht nur aus der genannten EPIC-Studie, geht ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und zahlreichen Zivilisationskrankheiten hervor. Die weltweite Fettepidemie verbreitet sich Hand in Hand mit der industriell gefertigten Nahrung, also einem Überschuss an Zucker und Stärke. Die Schlussfolgerung drängt sich direkt auf, dass hier die Ursachen für die Entstehung von Diabetes, Krebs oder Alzheimer zu suchen sind. Ich möchte die EPIC-Studie nicht zuerst kritisieren und dann wieder als Beweis für eine Hypothese heranziehen. Wenn aber mehr und mehr Studien darauf hinweisen, dass unsere industrialisierte Ernährung zu einer Entgleisung des Stoffwechsels führt, ist Handlungsbedarf dringend geboten. Bis auf weiteres profitieren zahlreiche Wirtschaftszweige gewollt oder ungewollt von Fehlernährung und Übergewicht. Sie haben kein Interesse an Aufklärung und leben bestens mit der Verunsicherung der Menschen. Bis die Mehrheit der Menschen dies erkennt und auch den Lebensstil ändern kann, wird noch einige Zeit vergehen. Wir erleben, wie immer mehr finanzielle Mittel in die Erforschung neuer Medikamente fließen, die die Folgen von Übergewicht, Krebs oder Diabetes, zu einer chronischen Krankheit machen, wobei die Patienten nicht geheilt, sondern zu lebenslangen Konsumenten der Pharmaprodukte gemacht werden. Somit erklärt sich auch die Häufigkeit von oben genannten unwissenschaftlichen Schlagzeilen.

Wenig Hilfe durch Beobachtungsstudien

Was also kann man tatsächlich tun? Einmal eine ganze Woche die Lebensmittelindustrie boykottieren. Alles verpackte, verarbeitete, gedüngte und gespritzte, importierte, gemästete und gequälte meiden. Was bleibt dann noch? Eine Vielzahl von selbst zubereiteten, regionalen, unbehandelten Lebensmitteln und neue Kontakte zu jenen Menschen, die noch unsere Lebensmittel mit Hilfe der Natur und von Hand produzieren. Keine Institution hat Interesse, dieses Leben in einer großen Beobachtungsstudie zu analysieren. Das ist gut so. Wir gehen diesen Weg ohnehin in Eigenverantwortung und erzählen weiter, wie es uns dabei geht.

Krebs durch Fleisch? Eine statistische Akkrobatik von Robert Schönauer
robertspost@hotmail.com

 

Quellen zu Krebs durch Fleisch?
1 Deutsche Gesellschaft für Ernährung, http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=420
2 http://www.medscapemedizin.de/artikel/4901958?src=wnl_medpl_04002014, 3.3.2014
Fleisch aus artgerechter Tierhaltung ohne „Medizinalfutter“ steht auf keinem Fragebogen zur Auswahl. Warum werden diese wichtigen Aspekte in Bezug auf Gesundheit, Umweltschutz und Ressourcenschonung nicht erhoben?

Dieser Beitrag erscheint in der Oktoberausgabe des LCHF Magzin 3/2014

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