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Mein Leben mit Migräne – Die Fortsetzung

Leben mit Migräne

Wie einschneidend eine Migräne für das Leben ist, können Betroffene am besten schildern. Daher vielen Dank, liebe Sabine Teschner, dass du deine Erfahrungen in dem Artikel „Mein Leben mit Migräne“ mit unseren Lesern teilst.

Mein Leben mit Migräne – Die Fortsetzung

von Sabine Teschner

 

Leben mit Migräne

Leben mit Migräne

In der Ausgabe 01/2019 des LCHF Magazins durfte ich erstmalig über meine 45-jährige Lebensgeschichte mit Migräne und meine bis dahin erzielten Fortschritte durch eine kohlenhydratreduzierte bis ketogene Ernährungsweise berichten. Heute nun lade ich Sie herzlich ein, die Fortsetzung meiner Reise zu erfahren.
Ein Jahr ist seitdem verstrichen und gleich vorweg: Die Migräne begleitet mich nach wie vor. Aber Ihre Besuche geschehen seltener – nicht weniger heftig, doch in erträglicherem Maße. Die Qualität meiner Lebenszeit zwischen den Anfällen verbessert sich aber zunehmend – und das allein zählt!

 

Seit der Anfrage von Margret Ache und Iris Jansen von LCHF Deutschland, eine Fortsetzung zu schreiben, sind nun rund drei Wochen vergangen. Gleich drauflosschreiben konnte ich nicht, die Wörter wollten einfach nicht aufs Papier. Es brodelte in meinen Gedanken, was denn so unbedingt erzählt werden will. Von: „Eigentlich gibt es ja nicht viel Weltbewegendes zu berichten“ bis hin zu: „Doch, genau das könnte eine Migränikerin da draußen im Moment gut gebrauchen“ wirbelte alles in meinem Kopf herum. Als der Abgabetermin näher rückte, stand der erste Entwurf. Alle Verbesserungen durch LCHF und Keto waren aufgeführt und so einige kleine Episoden hatten ihren Platz gefunden. Nicht viel Weltbewegendes eben.
Am Ende verwarf ich alles doch wieder. Der Grund: eine kürzlich überstandene Migräneattacke. Bei dieser möchte ich ansetzen: Drei Tage „durchlebte Hölle“ verdienen einfach mehr Aufmerksamkeit und sollen zur Bewusstseinsschärfung beitragen.

 

Einen direkten Auslöser konnte ich nicht identifizieren. Lag es an meiner Gartenarbeit oder vielleicht dem sonnigen Wetter mit ordentlich Wind und unterschätzter Sonneneinstrahlung? An einer minimalen Überschreitung meiner Kohlenhydratzufuhr für diesen Tag? Oder aber der sonntäglichen Entspannung? Die letzten „Krisenwochen“ bedeuteten eine Menge mehr Stress und Überstunden in meiner Arbeit im Steuerbüro – und jeder Betroffene kennt ja den Umstand, dass eine darauffolgende Entlastung triggern kann.
Wie auch immer, in der Nacht zum Montag verspürte ich diesen einseitig pochenden Schmerz. Okay, ich checkte innerlich kurz alle Optionen und entschloss mich, die Arztpraxis aufzusuchen. Früher dauerten meine Arztbesuche bei einem Anfall – von der Annahme bei der Schwester bis zum Krankenschein – höchstens 20 Minuten.
Seit diesem Jahr aber gehe ich zu einer neuen Hausärztin. Anlässlich der Aufnahme in ihre Patientenriege besprachen wir auch meine „Wunschvorgehensweise“ im Anfall: also bitte ohne lange Wartezeiten. Bisher, alte Praxis, setzte man mich gleich in ein abgedunkeltes Zimmer und meist kam ich auch zügig dran, ohne große Anamnese, einfach Krankenschein und fertig. Mehr braucht es nicht, oder?

 

Neue Besen …, oh ich meinte neue Praxis:  der Annahmetresen leider inmitten des Wartezimmers, wo jeder von jedem alles hört und mitbekommt. Ja, das ist der Wermutstropfen bei dem ganzen Wechsel. Diese Ärztin wählte ich übrigens aufgrund der Empfehlung meiner Freundin – ich wusste immer, wenn ich mal eine neue Hausarztpraxis suchen müsste, würde diese meine erste Wahl sein. Hat ja auch geklappt – allerdings konnte sich die Ärztin außer einer Krankschreibung bisher an mir nicht wirklich beweisen – also noch keinerlei Grund, welcher dagegensprechen könnte.
Doch zurück zu meiner Wunschvorgehensweise … mein „erstes Mal“ bei ihr Anfang Januar diesen Jahres: Ich konnte mein Anliegen nur telefonisch vermitteln, ein Besuch vor Ort in dem Moment undenkbar – das ging echt unkompliziert über die Bühne.
Diesen Montag erschien ich persönlich in der Praxis. Offenbar war nicht viel los, ich traf als eine der Ersten ein. Das beruhigte mich zunächst. Ich gab auch kurz Bescheid, dass es bitte nicht so lange dauern möge. Schlichtweg ging ich davon aus, dass man mir meinen Zustand einfach ansehen musste und verkniff mir, extra darauf hinzuweisen – immer diese Aufmerksamkeit erheischen zu wollen, liegt mir eben nicht.
Grober Fehler! Ich saß gute anderthalb Stunden in dem sich zunehmend füllenden Wartebereich. Mehr oder weniger laute Gespräche, neue Gerüche mit jedem hinzu gekommenen Patienten, durch die Fenster blendende Sonnenstrahlen, Druckergeräusche, mit den Füßen wippende Sitznachbarn … zwischendurch Blutdruckmessung, Wiegen (braucht kein Migräniker!!!). Mittendrin hat mich die Ärztin schon kurz gesehen, es folgte ein knappes zweites Aufnahmegespräch mit einer anderen Schwester, danach wieder hinsetzen und warten. Der pochende einseitige Schmerz nahm zu, so langsam aktivierte sich auch mein Brechzentrum und mir stiegen schon vor lauter Verzweiflung die Tränen hoch. Vielleicht finden Sie: Ja, warum ist sie denn nicht aufgestanden und hat was gesagt? Genau. Hinterher fragte ich mich das auch! In dem betreffenden Moment aber war daran einfach nicht zu denken – jedes Wort, jede Bewegung, jede kleinste Anstrengung zu viel. Der Zeitpunkt, sich äußern zu können, war bereits verstrichen.  Als die Ärztin mich dann schließlich zu sich hineinbat, konnte ich mit ihr schon kein Wort mehr wechseln. Sie sah mir das an und stellte kommentarlos den Krankenschein aus.

 

Dieses Szenario – ich kann das rückblickend gar nicht anders benennen – bedarf eines dringenden Aufklärungsgespräches mit ihr. So etwas will ich ganz sicher nicht noch einmal erleben müssen. Der Termin hierfür steht bereits. Und damit komme ich nun zu dem Punkt, warum ich das in solcher Ausführlichkeit geschildert habe:

Wir Migräniker dürfen und müssen über unsere Anfälle kommunizieren! Das ist kein Jammern und auch kein Erhaschen von Mitleid – das dient einfach nur der Aufklärung, Sensibilisierung für die Thematik und Bewusstseinsschärfung über die Auswirkungen während eines Anfalls!  Die Symptome sieht man uns zu Beginn einer Attacke eben nicht an. Das immer stärkere Pochen über dem linken Auge (setzen Sie hier Ihre persönlichen Symptome ein) und die zunehmende Übelkeit offenbaren sich eben nicht wie eine große klaffende Wunde. Gutes Bild. Da würden die Leute von allein den Weg freimachen und die Schwester uns schleunigst durchwinken – ein Traum!
Nein, wir müssen uns bemerkbar machen! Durch ein Gespräch beim Hausarzt über den Umgang mit uns im akuten Anfall – oder, nicht weniger wichtig, mit Kollegen und Vorgesetzten.  Hier hatte ich allerdings bisher am wenigsten auszustehen. Wer mich einmal im akuten Anfall erleben durfte, reagiert beim nächsten Mal automatisch sensibler. In meinem früheren Job im Autohaus saß ich oft entweder regungslos im abgedunkelten Büro, weil ich vor lauter Übelkeit keinen Schritt mehr tun konnte. Oder ich wartete draußen in meinem Auto, dauernd in Gefahr, mich zu übergeben – bis mein Mann mich nach Dienstschluss mit nach Hause nehmen konnte (wir arbeiteten zwanzig Jahre in der gleichen Firma).
Im Steuerbüro hatte ich anfangs auch Begebenheiten dieser Art, passte dann aber meine Vorgehensweise an. Schon wenn ich das Nahen eines Anfalls spüre, was meistens aus der Nacht heraus geschieht, entscheide ich schon morgens konsequent, zu Hause zu bleiben.

 

Ich erwähnte weiter oben, dass wir über unsere Anfälle sprechen sollten. Das meine ich einerseits genau so und andererseits brauchen wir ein Standing! Migräne ist eine schwere neurologische Erkrankung, Punkt! Das dürfen wir auch genau so vermitteln. Aus unserem Umfeld legt sich für uns kein Mensch diese Tage ins Bett und hält aus, was wir aushalten! Oft wissen die aber auch schlichtweg nichts von den Ausmaßen. Können nicht nachvollziehen, dass gefühlt jedes noch so winzige Geräusch der Lautstärke einer Explosion gleichkommt und der kleinste Lichtstrahl Dimensionen eines Flutlichtstrahlers annimmt. Kein Außenstehender sieht unser lädiertes schwaches Ich nach überstandener Attacke aus dem Schlafzimmer krauchen und sich vorsichtig wieder dem Alltag nähernd. Meist erscheint man tags darauf sogar ein bisschen aufgedrehter als sonst, die kollabierte Hormonlage muss sich erst wieder sortieren, deswegen zieht dann die Außenwelt wahrscheinlich den Schluss, dass ja alles gar nicht so schlimm gewesen sein kann.
Wenn mein bisheriger Beitrag vielleicht etwas dramatisch und beklemmend klingen mag, ist das jedoch beabsichtigt und soll bei Bedarf zur Untermauerung Ihres eigenen Feldzuges in Ihrer persönlichen Umgebung dienen.

 

Jetzt schalte ich zu meinem zweiten Anliegen: allen Migränegeplagten Mut zu machen, die LCHF- oder ketogene Ernährung auszutesten. Es gibt sehr viele Frauen und natürlich auch Männer, die auf diese Weise die Migräne vollständig hinter sich lassen konnten. Sogenannte Glückspilze. Mein persönliches Resultat besteht in der Reduzierung der Quote von vier bis sechs Anfällen monatlich auf noch einen aller vier bis acht Wochen. Der vergangene heiße, trockene Sommer triggerte mich sehr. Seit Oktober 2019 bis heute bin ich stabil mit nur einem Anfall pro Quartal, Reduktion der Medikamente eingeschlossen.  Somit sehe ich mich auf jeden Fall auch als Glückspilz. Ein Glück, welches ich sehr gern weitergebe.

 

In meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Ernährungscoach für Low Carb – LCHF und Keto Lifestyle bei der LCHF Deutschland Akademie lernte ich viel über weitere Zusammenhänge in unserem Körper. Zum Beispiel lässt mich das Wissen über die Rolle des Darmes für unsere Gesundheit viele Dinge besser verstehen. Der Verzicht auf einige Lebensmittel kann hier nur die logische Konsequenz sein und bei der Notwendigkeit der Einnahme wichtiger Mikronähstoffe und Spurenelemente stellt sich nicht mehr die Frage, ob ja oder nein, es geht nur noch um die Auswahl der besten Qualität. Die Stärkung unseres Immunsystems ist elementar und gerade zu diesen Zeiten wieder aktueller denn je.

 

Die praktische Umsetzung einer LCHF- bzw. ketogenen Ernährungsweise ist nicht sonderlich schwer. Mittlerweile findet man tausende schmackhafte Rezepte, auch ohne kompliziert zu beschaffende Extra-Zutaten. Einschränkungen gibt es natürlich trotzdem. Was die einen Ketarier problemlos vertragen, kann bei uns Migränikern Anfälle hervorrufen. Milchprodukte in Maßen bekommen mir zum Beispiel ganz gut – übersteigen die aber ein gewisses Maß, löst das Kopfschmerzen aus, genauso geht es mir auch bei Tomaten. Viele gönnen sich trockene Weine, ein No-go für mich, will ich anfallsfrei bleiben. All das kristallisierte sich im Laufe der Zeit heraus. Ich akzeptiere das einfach – und gut!

 

Die Ernährung ist eine der wichtigsten Stellschrauben unserer Gesundheit, das ist meine tiefste Überzeugung. Diese Erkenntnis weiterzugeben und damit vielen weiteren Migränegeplagten die Chance auf ein anfallsfreies Leben aufzuzeigen, liegt mir sehr am Herzen. Dieses Standbein auszubauen wird die Aufgabe meiner zweiten Lebenshälfte sein. Dabei lade ich natürlich jeden ein, sich ebenfalls auf eine so inspirierende Reise zu begeben, egal mit welchem Hintergrund. Natürliche Lebensmittel, Prävention, Achtsamkeit, Bewegung und Stressmanagement sowie Persönlichkeitsentwicklung bringen ausgeglichene, gesunde und glückliche Wesen hervor, die wir doch alle irgendwie sein wollen, oder? Die derzeitigen Entwicklungen kann man sehen, wie man will – wollen wir Veränderung, müssen wir bei uns selbst anfangen. Für diese Erkenntnis hab ich auch etwas Zeit gebraucht, nun muss ich zusehen, endlich aktiv meine Träume wahr werden zu lassen.

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Ausbildung zum Gesundheits- und Ernährungscoach mit Margret Ache, Iris Jansen, Romina Scalco und Mag. Julia Tulipan MSc

Gesundheits- und Ernährungscoach

Die Ausbildung zum Gesundheits- und Ernährungscoach Low Carb – LCHF – Keto Lifestyle erfreut sich großer Beliebtheit, sie umfasst die Bereiche Ernährung, Mentales Training, Stressmanagement, Bewegung und Entspannung.

Sie beinhaltet, neben über zwanzig Lehrbriefen zum Selbststudium, zwei Webinare und Informationsbriefe. Die Lehrbriefe werden wöchentlich als PDF verschickt. Zu Beginn der Ausbildung erhalten Sie zusätzlich einen Ordner mit ersten Handouts, die laufend ergänzt werden.

Während der Ausbildungszeit werden Sie fachlich und persönlich von uns begleitet.

Elena Löffler, vom Zentrum für ganzheitliche Medizin Freiburg – Dr. Karner, berichtet über die Ausbildung

Ich habe die Ausbildung zum Gesundheits- und Ernährungscoach gemacht und bin einfach nur begeistert. So viel fundiertes und wertvolles Wissen gebündelt und dazu umfangreiche Tipps und Unterstützung für eine gute Umsetzung in der Praxis. Dank der Ausbildung kann ich viele Menschen über einen gesunden Lebensstil aufklären und merke, wie das Wissen, welches ich von Margret Ache und Iris Jansen übermittelt bekam, auf viel Dankbarkeit stößt. Ich kann die Ausbildung wirklich jedem empfehlen, der einen Teil dazu beitragen möchte, vielen Menschen zu einem gesünderen Leben zu verhelfen. Außerdem habe ich durch die Ausbildung liebe Menschen kennengelernt, die in die gleiche Richtung wie ich blicken. Daraus sind enge Freundschaften entstanden. Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Ausbildung machen konnte.

 

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Margret Ache und Iris Jansen / www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland Akademie und LCHF Kongress und LCHF Magazin

 

 

Titelbild: Gerd Altmann

 

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