Home / Gesundheit  / Cholesterin  / Wie verändern sich LDL, HDL und Triglyceride beim Fasten?

Wie verändern sich LDL, HDL und Triglyceride beim Fasten?

Dr. Jason Fung

Dies ist eine Übersetzung des Artikels Fasting and cholesterol (Fasten und Cholesterin) November 6 2016 by in Cholesterol, Intermittent fasting Das intermittierende Fasten hat einen großen Einfluss auf das HDL, LDL und die Triglyceride. Die dahinterstehenden Mechanismen erklärt Jason Fung. Er ist ein kanadischer Nierenspezialist und einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Intermittierenden Fastens und der Low Carb High Fat-Ernährung.

 

Teil 1 der Übersetzung lesen Sie hier. Nun wünsche ich Ihnen viele Erkenntnisse mit dem 2. Teil.

 

HDL-Cholesterin

 

Das „gute“ HDL-Cholesterin wirkt schützend, ein niedrigeres HDL ist mit einem größeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen gekoppelt. Dieser Zusammenhang ist viel entscheidender, als das LDL-Cholesterin. Daher lassen Sie uns mit dem HDL beginnen.

 

Wir können nur einen Zusammenhang herstellen und das HDL als Marker für Erkrankungen betrachten. Medikamente, die das HDL erhöhen schützen nicht automatisch vor Herzerkrankungen, genau so wenig, wie uns Haare färben jünger macht.

 

Vor einigen Jahren ließ es sich Pfizer einige Milliarden Dollar kosten, ein Medikament namens „Torcetrapib“ (Lesen Sie dazu auch: Das Torcetrapib-Debakel. Anm. der Übersetzerin) zu entwickeln. Dieses Medikament hatte die Eigenschaft, den HDL-Spiegel signifikant zu erhöhen. Wenn ein niedriges HDL Herzattacken verursacht, so müsste dieses Medikament Leben retten. Mit dieser Logik war sich Pfizer absolut sicher und investierte Millionen Dollar, um die Effektivität des Medikamentes zu beweisen.

 

Die Studien (5) wurden durchgeführt. Und die Resultate waren höchst erstaunlich. Aber erstaunlich schlecht, muss ich sagen. Denn das Medikament erhöhte die Todesrate um 25%. Ja, es tötete die Menschen um sich herum, wie Ted Bundy (ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen 1974 und 1978 mindestens 28 junge Frauen und Mädchen tötete. Anm. der Übersetzerin). Mehrere Medikamente derselben Kategorie wurden getestet und wiesen denselben tödlichen Effekt auf. Eine weiterer Beweis, dass Korrelation nicht Kausalität ist.

 

Nichts desto trotz ist das HDL wichtig und dient als Anhaltspunkt für Herzerkrankungen. Ebenso, wie Fieber ein sichtbares Zeichen einer zugrunde liegenden Infektion ist. Sinkt das HDL, kann es ein Zeichen sein, dass sich die dahinter liegende Situation verschlechtert hat. Was passiert denn nun mit dem HDL beim Fasten? Sie können in der Grafik sehen, dass das Fasten ein über den anderen Tag in einem Zeitraum von 70 Tagen einen minimalen Effekt auf den HDL-Spiegel hatte. HDL verringerte sich minimal.

 

Triglyceride

 

Die Geschichte der Triglyceride ist ähnlich. Sie sind ein Marker von Krankheiten, jedoch nicht Verursacher. Niacin ist ein Medikament, welches das HDL erhöht und die Triglyceride senkt ohne eine große Auswirkung auf das LDL zu haben.

 

Die AIM-Studie (6) untersuchte, ob Niacin bei kardiovaskulären Erkrankungen von Nutzen sein könnte. Das Ergebnis war fantastisch. Fantastische schlecht, muss ich wieder sagen. Es tötete zwar keine Menschen, es half ihnen aber auch nicht. Und dann traten eine Menge Nebenwirkungen auf.  Das bedeutet, die Triglyceride sind genau wie das HDL, nur ein Krankheitsmarker, nicht die Ursache einer Krankheit.

 

Und was passiert mit den Triglyceriden beim Fasten? Es gab eine große Reduzierung während des ein über den anderen Tag Fastens von 30%. Triglyceride reagieren tatsächlich sehr sensibel auf die Ernährung. Doch das bedeutet nicht, dass die Fett- oder Cholesterinreduktion in der Nahrung erforderlich ist. Stattdessen sieht es so aus, dass sich eine verringerte Zufuhr von Kohlenhydraten positiv auf eine Reduzierung der Triglyceride ausübt.

 

LDL-Cholesterin

 

LDL ist weit mehr umstritten. Statine können das LDL sehr effektiv senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Hochrisikopatienten senken. Allerdings haben Statine auch andere Wirkungen, die sogenannten pleiotropen Effekte (Als pleiotrop bezeichnet man die Eigenschaft eines Arzneimittels oder Hormons durch seine Wirkung auf verschiedene Zielstrukturen unterschiedliche Wirkungen hervorzurufen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von pleiotropen Effekten. Anm. der Übersetzerin) Zum Beispiel reduzieren Statine auch Entzündungen, die an der Reduktion von CRP, einem Entzündungsmarker gesehen werden kann. Ist nun die Senkung des Cholesterinspiegels oder sind die pleiotropen Effekte für diesen Nutzen verantwortlich?

 

Das ist eine gute Frage, auf die ich jetzt leider auch keine Antwort habe. Es gäbe die Möglichkeit, das LDL mit einem anderen Medikament zu senken, um zu sehen, ob es auch ähnliche Vorteile für Herzerkrankungen bieten würde. Das Medikament Ezetimib in der IMPROVE-IT-Studie (7) zeigte auch einen positiven, wenn auch sehr geringen Effekt bei kardiovaskulären Erkrankungen. Allerdings war auch die Senkung des LDL äußerst moderat.

 

Eine neue Klasse von Medikamenten, den sogenannten PCSK9-Inhibitoren haben die Fähigkeit, das LDL drastisch zu senken. Die Frage ist trotzdem, ob es eine positive Wirkung auf Herz-Kreislauf- Erkrankungen haben wird. Frühe Anzeichen sprechen dafür (8). Aber es ist bei weitem nicht gesichert. So bleibt die Möglichkeit, dass LDL die Ursache sein kann. Dies ist der Grund, warum viele Ärzte ein großes Augenmerk auf das LDL-Cholesterin haben.

 

Was passiert mit dem LDL-Spiegel beim Fasten? Nun, er sinkt. Sogar sehr. Das ein über den anderen Tag Fasten in einem Zeitraum von 70 Tagen reduzierte das LDL um etwa 25%, was sehr gut ist. Medikamente führen sogar zu einer Senkung von 50 % und mehr, doch diese einfache Ernährungsstrategie ist fast halb so wirksam wie die effektivsten Medikamente, die heute verabreicht werden.

 

In der Kombination mit einer Reduzierung des Körpergewichtes, der Erhaltung fettfreier Körpermasse und der Reduzierung des Bauchumfangs ist deutlich, dass das Fasten deutlich Risiken reduziert. Um nicht zu vergessen, dass die Senkung des LDL, die Reduzierung der Triglyceride und ein gutes HDL auch dazugehören.

 

Doch warum funktioniert das Fasten, während normale Diäten versagen? Ganz einfach! Weil beim Fasten der Energieanbieter gewechselt wird. Satt Energie aus der Zuckerverbrennung zu holen, wird während des Fastens Energie aus der Fettverbrennung bereitgestellt. Freie Fettsäuren (9)  werden nun zu Energie verbrannt, der Körper verbrennt also gelagertes Fett statt neues zu produzieren. Das Absinken der Synthese von Triglyceriden  führt zu einer Senkung der Ausschüttung von VLDL (Very Low Density Lipoprotein) in der Leber, was ein niedrigeres LDL nach sich zieht.

 

Sie senken Ihr LDL also dadurch, dass Sie Ihren Körper dazu bringen, es zu verbrennen. Der Fehler der fettarmen Ernährung ist, dem Körper Zucker statt Fett zum Verbrennen für Energie zu geben – denn so kann er auch nur Zucker verbrennen. Ein Fehler der LCHF-Ernährung kann sein, dem Körper zu viel Fett zu geben, sodass er nur das zugeführte und nicht das eingelagerte Fett verbrennt. Das bedeutet, zu viel Fett über die Nahrung schließt eine Verbrennung der Fettpolster aus.

 

Hier nun eine Zusammenfassung für alle, die einen vollständigen Überblick ohne viele Fakten haben möchten. Fasten hat folgende Wirkungen:

 

  1. Gewichtsreduktion
  2. Erhaltung der Muskelmasse
  3. Verringerung des Bauchumfangs
  4. Geringe Veränderung auf das HDL-Cholesterin
  5. Dramatische Reduktion der Triglyzeride
  6. Dramatische Reduktion des LDL-Cholesterins

 

Das ist einfach toll. Ich weiß nicht, ob all dies zu einer verbesserten Gesundheit des Herzens führen. Ich vermute, das tut es. Wenn es um das Fasten geht, landen wir immer an diesem Punkt. Es bietet alle diese Vorteile. Es gibt nur ein ganz kleines Risiko. Was haben Sie, mit Ausnahme einiger Kilo, zu verlieren?

 

Für Menschen, die sich Sorgen über einen Herzinfarkt oder Schlaganfall machen, lautet die Frage nicht „Warum fasten Sie?“ sondern „Warum fasten Sie NICHT?“

 

Margret Ache / www.LCHF-Deutschland.de und  Low Carb – LCHF Kongress

 

(5) http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa0706628

(6) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22085343

(7) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26039521

(8) http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1501031

(9) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14513069

 

Bildnachweise:

Alle Bilder des Artikels: http://www.kostdoktorn.se/

Titelbild: Pixabay

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

info@lchf-deutschland.de

Bewertung
KEINE KOMMENTARE

Schreibe einen Kommentar