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Wirkt Low Carb, High Fat gegen Krebs? Robert Schönauer

Leider muss man feststellen, dass die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten in der Krebsbehandlung keine großen Fortschritte gemacht hat. Gewiss, die Überlebenszeit hat sich im Schnitt um 5 Jahre verlängert. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Möglichkeiten zur Früherkennung deutlich verbessert wurden. Doch nicht jeder Tumor, der mit den modernen bildgebenden Verfahren entdeckt wird, würde auch eine lebensbedrohliche Form annehmen.

Wirkt Low Carb, High Fat gegen Krebs?

 

Robert Schönauer über die Wirksamkeit von LCHF gegen Krebs

Robert Schönauer über die Wirksamkeit von LCHF gegen Krebs

Die Frage, die wir hier stellen, ist, ob eine kohlenhydratarme Ernährung eine vorhandene Krebstherapie unterstützen oder im besten Fall dieser Krankheit vorbeugen kann. Für die Behandlung von Diabetes, Übergewicht, Rheumatismus, Allergien, Magen-Darm- Erkrankungen gibt es tausende Fallschilderungen, die berichten, dass durch Verzicht oder Einschränkung von Kohlenhydraten Erleichterung, Medikamentenreduktion, ja sogar völlige Beschwerdefreiheit erzielt werden können. Bezüglich Krebs haben wir hingegen nicht so viele Erfolgsgeschichten. Das ist absolut verständlich, da bei einer Krebsdiagnose das Vertrauen in die Kunst der Ärzte an erster Stelle steht, bevor Bereitschaft für Ernährungsexperimente gegeben ist.

Die Forschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf Viren und Genvarianten konzentriert. Jetzt rückt wieder die Grundlagenforschung bei Ernährung und Umwelt in den Vordergrund. Am Universitätsklinikum Würzburg ist die Gruppe um Frau Prof. Ulrike Kämmerer sowohl in Tierversuchen als auch in klinischen Versuchen mit Patienten auf wegweisende Zusammenhänge gestoßen. Es bedarf noch weiterer Forschung in größeren Studien, um den Zusammenhang zwischen Krebswachstum und Ernährung darzustellen. (Näheres im Artikel von Frau Prof. Kämmerer in diesem Heft.)

Ein schwedischer Pionier

Der schwedische Urologe Jan Hammarsten aus Ludvika (Mittelschweden) betreibt seit 20 Jahren Forschung und macht die besten Erfahrungen mit Kohlenhydratentzug bei Prostatakarzinomen: „Ein hohes Insulinniveau ist ein großer Risikofaktor bei der Entstehung von Prostatakrebs“, ist die wichtigste Schlussfolgerung, auf die dieser Arzt hinweisen kann. Seine Erkenntnisse sorgten 2011 für große Beachtung. (1) Inzwischen haben sich weltweit zahlreiche kleinere und größere Forschungsprojekte etabliert, deren Ergebnisse mit Spannung erwartet werden.

Welche Ernährung kann gesundheitsschädlich sein?

Wenn man nicht auf den großen Durchbruch in der Krebsforschung warten will, ist es sicher kein Fehler, die Ursachen der Krebserkrankung auch in der modernen Ernährung zu suchen. Wo die westliche Ernährungsweise Fuß fasste, hat sich die Krankheit festgesetzt. Und sie tut es weiter überall dort, wo die globalisierte Wirtschaft die Nahrungsproduktion übernimmt.  Kennzeichen sind:

  • Wir nehmen Mengen von vorverarbeiteter Nahrung auf, die reich an schnell verdaulichen Kohlenhydraten und raffiniertem Zucker ist. Jene Nahrung, von der die Krebszellen bestens leben.
  • Wir haben die traditionellen, gesunden Fette durch pflanzliche Öle ersetzt, die wegen ihres hohen Gehalts an Omega-6- und geringen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem schwächen.
  • Die geschürte Angst vor gesättigten tierischen Fetten hat es der chemischen Industrie erleichtert, mit Gesundheitsargumenten billige Pflanzenfette zu vertreiben. Wir behandeln unsere Lebensmittel mit einer großen Menge von chemischen Umweltgiften, von denen viele in Verdacht stehen, krebserregend zu sein.Welche Ernährung kann uns schützen?
  • Wir müssen zurück zur Kochkunst unserer Großeltern.
  • Wir müssen natürliche Lebensmittel aufspüren oder selbst anbauen.
  • Wir müssen Kohlenhydrate durch natürlich hergestellte Fette ersetzen, zum Großteil gesättigte Fette, die von Tieren stammen, die artgerecht gefüttert wurden und gut gelebt haben.
  • Wir sollten darauf achten, die Menge von Protein nicht zu erhöhen, d.h. regelmäßige Fleischportionen eher klein halten.

Auffällig: Ein Zusammenhang mit Übergewicht Zahlreiche Studien bestätigen einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs.

Eine davon, die EPIC-Studie, ansonsten ohne statistisch signifikante Aussagen, liefert zumindest auf diesem Gebiet einen klaren Hinweis: „Insbesondere für Übergewicht sind die Nachweise überzeugend“, so Prof. Dr. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum, und weiter, „Tumoren an Kolon, Brust, Bauchspeicheldrüse, Gebärmutterschleimhaut, Niere und Speiseröhre treten bei adipösen Menschen (ab BMI 30) gehäuft auf.“ Besonders betont Kaaks die Unterschiede in Industrie- und Entwicklungsländern: „in den weniger entwickelten Ländern sind die Fälle zehnfach niedriger“. (2) Dieses Ergebnis stimmt wieder mit der genannten Problematik der industriell gefertigten Nahrung überein, die uns einen Überschuss an Zucker und Stärke beschert. Im Bemühen, den Krebs durch eine bestimmte Ernährung weitgehend zu vermeiden oder die Behandlung zu unterstützen, sind wir gerade erst am Anfang. Neue Denk- und Forschungsansätze sind unterwegs, wie auch in diesem Magazin gezeigt wird.

Robert Schönauer
robertspost@hotmail.com

(1): in: Nature Reviews Urology 08/2011; 8( 9):483-94, Urological aspects of the metabolic syndrome
 (2): http://www.medscapemedizin.de/artikel/4901958? src=wnl_medpl_04002014,
3.3.2014 LCHF Magazin 2/2014

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