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Keto-Ernährung bei Epilepsie

Keto-Ernährung bei Epilepsie

Epilepsie und die Möglichkeiten einer ketogenen Ernährung waren für Margret Ache ein Thema, mit dem sie sich intensiv beschäftigt hat. In diesem Artikel beleuchtet sie die Hintergründe dieser besonderen Ernährungsform und zeigt, welche Rolle die ketogene Ernährung bei Epilepsie spielen kann:

Die ketogene Ernährung hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen, nicht nur als Diät zur Gewichtsreduktion, sondern auch als therapeutische Maßnahme zur Behandlung verschiedener gesundheitlicher Probleme. Besonders bemerkenswert ist ihr Einsatz bei Epilepsie, einer neurologischen Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass eine ketogene Diät, die reich an gesunden Fetten und arm an Kohlenhydraten ist, bei vielen Patienten mit Epilepsie signifikante Verbesserungen bewirken kann.

Was ist Epilepsie?

Unter Epilepsie versteht man Krankheitsbilder, bei denen das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle der gemeinsame Nenner ist. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung des Zentralnervensystems. Etwa 0,5-1% aller Menschen sind von epileptischen Anfällen betroffen. Am häufigsten erkranken Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zu einem Alter von 20 Jahren. In den Industrienationen erkranken jedes Jahr 50 von 100.000 Kindern neu an Epilepsie.

Was ist Keto?

Die Keto-Ernährung beschränkt die Zufuhr zucker- und stärkereicher Lebensmittel wie Süßigkeiten, Pasta, Brot usw.. Das bedeutet, dass nur noch wenige Kohlenhydrate gegessen werden, dafür aber mehr gesunde Fette. Diese Ernährungsform wird auch mit der Abkürzung LCHF (= Low Carb High/Healthy Fat) beschrieben, also eine kohlenhydratarme, fettbetonte Ernährungsweise. Keto/LCHF betont die gesunden Fette, weil durch eine Fülle neuer und älterer Studien bestätigt wurde, dass dies der Gesundheit dienlich ist.

Die Keto-Ernährung setzt an den Ursachen von Übergewicht und vielen Erkrankungen an, da sie eine hormonregulierende Ernährungsform ist. So normalisiert sie zum Beispiel das Hormon Insulin, das sowohl den Zucker- als auch den Fettstoffwechsel reguliert. Das bedeutet, der Blutzucker ist stabil bei einem niedrigen Insulinspiegel. Die Fettverbrennung erreicht dadurch ein Maximum. Nun produziert die Leber Ketonkörper als Alternative zu Glukose, als Energie für Nerven-, Herz- und Leberzellen oder auch für die Muskeln. Dieser Zustand wird Ketose genannt.

 

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Epilepsie und Keto

Schon Hippokrates stellte fest, ließ er Epilepsiepatienten fasten, verringerte sich die Häufigkeit epileptischer Anfälle stark oder sie blieben sogar ganz aus. Auch in der Bibel berichten die Bücher Markus (Kapitel 9: 14–29) und Matthäus (Kapitel 17: 14–21) von einem an Krämpfen leidenden Jungen, der „durch Beten und Fasten“ geheilt wurde.

Keto-Ernährung bei Epilepsie

Epilepsie

Dieser Gedanke wurde Anfang des 20. Jahrhunderts[1],[2] wieder aufgenommen, es zeigte sich erneut, dass mit längerem Fasten eine deutliche Anfallsreduktion zu erreichen war. Die ketogene Stoffwechsellage des Fastens wurde von Dr. Wilder[3] und seinem Kollege Dr. Peterman durch eine spezielle Diät erzeugt, die extrem fettreich und kohlenhydratarm war. Wurde diese Ernährung bei Epilepsiepatienten angewandt, konnten erstaunliche Erfolge erreicht werden[4],[5]. Ab 1940 wurden jedoch zahlreiche Medikamente gegen Epilepsie entwickelt und die ketogene Ernährung geriet in Vergessenheit.

Es dauerte etwa 50 Jahre, bis die ketogene Ernährung bei Patienten mit einer sogenannten pharmakoresisten Epilepsie wieder ins Bewusstsein rückte, zumal zahlreiche Studien die gute Wirkung dieser Ernährung bestätigte[6],[7],[8],[9].

Besondere Erwähnung findet hier der Review der Cochrane-Collaboration[10]  Cochrane ist ein globales unabhängiges Netzwerk von Ärzten und Wissenschaftlern, das strenge Kriterien für die Bewertung medizinischer Studien zugrunde legt. Der bereits 2018 veröffentlichte Review zur ketogenen Ernährung bei medikamentenresistenter Epilepsie wurde 2020 aktualisiert.

Für diesen Review wurden medizinische Datenbanken nach randomisierten kontrollierten Studien mit Erwachsenen und Kindern mit Epilepsie durchsucht, in denen eine ketogene Ernährung mit anderen Behandlungen verglichen wurde. Die aktualisierte Auswertung umfasst 13 Studien mit insgesamt 932 Teilnehmern, darunter 711 Kinder und 221 Erwachsene. Bei Kindern zeigte sich, dass eine ketogene Ernährung die Chance auf Anfallsfreiheit oder eine deutliche Verringerung der Anfallshäufigkeit erhöhen kann. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Sicherheit der Evidenz aufgrund der kleinen Studien und methodischer Einschränkungen insgesamt als niedrig bis sehr niedrig einzustufen ist. Bei Erwachsenen ist die Studienlage noch unsicherer.

 

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Charlie Abrahams

Eine besonders beeindruckende Fallgeschichte liefert uns Charlie Abrahams, der 11 Monaten schwer an Epilepsie erkrankte und pro Tag bis zu 100 Anfälle erlitt. Die Medikamente, die er einnahm, halfen nicht. Die verzweifelten Eltern suchten nach Möglichkeiten außerhalb der Schulmedizin, um ihrem Sohn zu helfen und stießen dabei auf die Keto-Ernährung. Sie erfuhren, dass diese Ernährungsform im John Hopkins Krankenhaus angeboten wurde. 1993 wurde Charlie dort eingeliefert und sofort auf Keto umgestellt. Innerhalb von nur zwei Tagen trat eine wesentliche Verringerung der Anfälle auf. Nach einem Monat war er völlig frei von Anfällen und benötigte auch keine Medikamente mehr.

Die Tatsache, dass Charlie Abrahams allein durch die Ernährngsumstellung anfallsfrei war, erschien den Eltern wie ein Wunder. Um das Wissen über die Behandlung zu verbreiten, damit Eltern in derselben verzweifelten Situation davon profitieren sollten, drehte Jim Abrahams den Film „First Du No Harm (deutscher Titel: Solange es noch Hoffnung gibt)“ mit Meryl Streep als Charlies Mutter.

Folgende Epilepsiesyndrome scheinen besonders gut auf ketogene Diäten anzusprechen: myoklonisch-astatische Epilepsie (Doose Syndrom), Dravet Syndrom und tuberöse Sklerose.

Weiterführende Informationen bietet die Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie zu ketogenen Ernährungstherapien. [11]

 

Spezielle Epilepsie-Formen

Doose-Syndrom

Das Doose-Syndrom ist eine seltene Form der Epilepsie im Kindesalter. Betroffen ist 1 von 10. 000 Kindern. Meist beginnt die Erkrankung im Alter von 1 bis 5 Jahren. Bei manchen Kindern verbessern Medikamente oder Hormone die Beschwerden. Wenn die Anfälle durch eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend unterdrückt werden, kann laut Expertenmeinung eine ketogene Diät infrage kommen[12].

Dravet Syndrom

Das Dravet-Syndrom ist eine seltene im Säuglingsalter (3.–12. Lebensmonat) auftretende genetisch bedingte Epilepsie mit Anfällen unterschiedlicher Ausprägung. Die Daten von aktuellen Studien[13] deuten darauf hin, dass die Keto-Ernährung eine wirksame Behandlung bietet und sollte als frühzeitige Behandlungsoption in Betracht gezogen werden.

Tuberöse Sklerose

Die Tuberöse Sklerose ist eine seltene Erbkrankheit. Damit wird eine für diese Krankheit typische Veränderung im Gehirn beschrieben, bei der an manchen Stellen Gewebe beulenartig über die Hirnoberfläche hinausragt. Die charakteristische Trias dieser Erkrankung: faziale Adenofibrome, Epilepsie und Intelligenzminderung.

Bei symptomatischer Epilepsie, wie bei der tuberösen Sklerose, scheint Keto besonders gut zu wirken. Dazu lieferte eine Studie[14] im John Hopkins Hospital gute Beweise, die eine Anfallsreduktion von 50 bis 92% zeigen konnte.

Fazit Keto-Ernährung bei Epilepsie

Eine ketogene Ernährung kann insbesondere bei pharmakoresistenten Epilepsien als therapeutische Option in Erwägung gezogen werden. Es gilt allerdings zu beachten, dass bei diesen Krankheitsbildern eine sorgfältige Planung und Überwachung unabdingbar ist und eine ketogene Ernährungstherapie ausschließlich unter fachkundiger medizinischer und ernährungstherapeutischer Begleitung durchgeführt werden sollte.

 

Text: Margret Ache und Heike Schulz

 

 

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[1] Guelpa G, Marie A. La lutte contre l‘épilepsie par la désintoxication et par la rééducation alimentaire. Revue de Thérapie MédicoChirurgicale 1911

[2] Geyelin HR. Fasting as a method for treating epilepsy. Med Rec 1921

[3] Wilder RM. The effect of ketonemia on the course of epilepsy. Bull Mayo Clin 1921

[4] Peterman MG. The ketogenic diet in epilepsy. J Am Med Assoc 1925

[5] Wilkins L. Epilepsy in childhood: III. Results with the ketogenic diet. J Pediatr 1937

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9832569

[7] Lefevre F, Anonson N. Ketogenic diet for the treatment of refractory epilepsy in children: a systematic review of efficacy. Pediatrics 2000

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11581442

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11433065

[10] Martin-McGill KJ, Bresnahan R, Levy RG, Cooper PN. Ketogenic diets for drug-resistant epilepsy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 6. Art. No.: CD001903.

[11] Gesellschaft für Neuropädiatrie: Ketogene Ernährungstherapien (KET), S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 022-021.

[12] http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/doose-syndrom-kip.pdf

[13] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25524846

[14] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1528-1167.2005.00266.x

heike.schulz@lchf-deutschland.de

Ganzheitlicher Gesundheits- und Ernährungscoach Low Carb – LCHF – Keto - Lifestyle, Physiotherapeutin, Fachlehrerin für Kindergesundheit

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