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Ist die Ketogene Ernährung ein Jungbrunnen?

Ist die Ketogene Ernährung ein Jungbrunnen?

von Mag. Julia Tulipan aus dem  Low Carb – LCHF Magazin 4 / 2017

 

Altern ist ein hochinteressanter Vorgang: Man denkt und denkt und denkt – plötzlich kann man sich an nichts mehr erinnern. – Ephraim Kishon –

 

Immer wenn es um Anti-Aging und den Alterungsprozess generell geht, dann müssen wir uns fragen, was ist Altern überhaupt? Das Altern ist selbstverständlich ein natürlicher Vorgang und obwohl es etwas Banales zu sein scheint, alle Mechanismen rund um das Älterwerden sind noch lange nicht gelöst. Fakt ist, dass es einen Unterschied zwischen dem faktischen Alter und dem biologischen Alter einer Person geben kann. Das heißt eine Person kann auch in jungen Jahren, bereits auf organischer und zellulärer Ebene fortgeschritten gealtert sein. Ein solches Beispiel wäre Typ-2-Diabetes. Typ-2-Diabetes lässt Betroffene vorzeitig altern und gilt daher als Modell für Altern im Generellen1.

 

Allein dieser Umstand lässt schon erste Vermutungen zu, nämlich  dass Altern etwas mit der Menge an Insulin und der Menge an Zucker im Blut zu tun hat.

 

Was sind Mitochondrien und warum sind sie so wichtig?

 

So wie wir verschiedene Organe in unserem Körper haben, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen, finden wir auch kleine „Organe“ in jeder Zelle. Weil diese „Organe“ so klein sind, heißen sie Organellen. In jeder Zelle gibt es sehr viel verschiedene Organellen, die die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen. Manche sind für die Eiweißsynthese zuständig, manche verdauen unbrauchbare Zellbestandteile und wieder andere sind für die Energiegewinnung verantwortlich. Jene Organellen, die den Großteil der Energie erzeugen, heißen Mitochondrien. Mitochondrien werden daher auch oft gerne als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichnet.

 

Wir können uns also gut vorstellen, dass die Gesunderhaltung der Kraftwerke besonders wichtig ist, denn ohne ausreichend Energie kann der Körper nicht mehr richtig funktionieren. Außerdem kontrollieren Mitochondrien auch Prozesse wie die Apoptose, das ist der kontrollierte Zelltod. Das ist wichtig, denn wenn eine Zelle nicht mehr so gut funktioniert, muss sie quasi Selbstmord begehen, denn sonst könnte es sein, dass sie zu einer Krebszelle wird. Mitochondrien weisen noch eine Besonderheit auf, sie haben ihre eigene DNA (Erbinformation).

 

Fasten

 

Wir wissen bereits seit mehreren Jahrzehnten, dass sich Fasten nicht nur positiv auf den Alterungsprozess auswirkt, sondern auch direkt die Mitochondrien positiv beeinflusst. Zahlreiche Tierstudien von den einfachsten Organismen wie Würmer, über Fliegen und Mäuse haben gezeigt, dass Fasten und eine starke Kalorienrestriktion einen deutlichen Effekt auf die Lebenserwartung und das Auftreten von Krankheiten zeigt2. Fasten reduziert die Bildung von freien Radikalen in den Mitochondrien. Freie Radikale schädigen die empfindlichen Mitochondrien und ihre Erbinformation. Außerdem können freie Radikale noch andere Moleküle beschädigen, wie zum Beispiel Eiweiße und Fette. Auch diese Schäden werden durch das Fasten reduziert3.

 

Viele Signalwege, die durch das Fasten aktiviert werden, werden auch durch eine ketogene Ernährung aktiviert. Schließlich wurde die ketogene Diät bei ihrer Einführung in den 1920er Jahren als „Fasting Mimicking Diet“ bezeichnet. Die Ketose stellt eine perfekte Alternative zum Fasten dar. Da durch die Ketose der gleiche Stoffwechselzustand erreicht wird, allerdings OHNE eines kalorischen Defizits.

 

Nebenbei bedeutet alleine die reduzierte Zuckerbelastung auch eine Entlastung der Mitochondrien, weniger Insulin und IGF-1 (Insulin-like Growth Factor). Denken wir an Diabetes als Modell für einen beschleunigten Alterungsprozess, dann macht diese Strategie auf jeden Fall Sinn.

 

Alle bis jetzt erforschten Signalwege zu beschreiben würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Aus diesem Grund möchte ich nur den vielleicht bekanntesten hervorheben, nämlich mTOR.

 

Mechanistic Target Of Rapamycin (mTOR)

 

mTOR reguliert Zellstoffwechsel, Zellwachstum und Zellteilung. Aus Studien ist bekannt, dass dieser Signalweg zum Beispiel in Tumorzellen hochreguliert ist. Eine Hemmung dieses Signalweges hemmt auch das Wachstum bei vielen verschiedenen Tumortypen. Eine Möglichkeit, um mTOR zu hemmen, ist das Fasten. Neben dem Fasten, wirken auch Ketonkörper hemmend auf bestimmte Signalwege in Tumorzellen, die auf das Wachstum, aber auch auf die Reparatur von Zellschäden wirken. So erhöht eine ketogene Ernährung AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase). Sobald AMPK ansteigt, wird mTOR gehemmt. Die Rolle von mTOR im Tumorwachstum und eine Hemmung dieses Faktors ist Gegenstand intensiver Forschung4.

 

Mitochondrien – je mehr desto besser!

 

Ein weiterer schöner Effekt der ketogenen Diät ist, dass sie die Neubildung von Mitochondrien fördert. Das Ganze nennt man die mitochondriale Biogenese5. Also viele Mitochondrien bedeutet, dem Körper steht mehr Energie zur Verfügung. Der einzige Mechanismus, der sonst noch bekannt ist, ist intensiver Sport.

 

Bildrechte: Mag. Julia Tulipan, Louisa Howard

 

Ausbildung zum Keto-Coach

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Aktuell schreibt Julia Tulipan zusammen mit Ulrike Gonder und Marina Lommel ein Buch über die Ketogene Ernährung. Und Daniela Pfeifer hat mit ihrem 2016 erschienenen Buch Keto Basics sogar den Ritterschlag vom Fitness-Papst Dr. med. Ulrich Strunz erhalten, lesen Sie hier:

Ketose – wie geht´s?
Ketogene Ernährung
Ketonkörper
Die Keto-Adaption
Wie kann man “Ketose” messen?

 

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www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland Akademie

 

LITERATURVERZEICHNIS zum Interview:
1 Ahima, Rexford S. „Connecting obesity, aging and diabetes.“ Nature medicine 15.9 (2009): 996-997. //
2 Fontana L, Partridge L, Longo VD. Extending healthy life span–from yeast to humans. Science.
2010;328:321–326. // 3 Sorensen, M., et al. „Effects of fasting on oxidative stress in rat liver mitochondria.“
Free radical research 40.4 (2006): 339-347. // 4 Zhou, Hongyu, Yan Luo, and Shile Huang. „Updates
of mTOR inhibitors.“ Anti-cancer agents in medicinal chemistry 10.7 (2010): 571./ // 5 S. Srivastava, Y.
Kashiwaya, M. T. King et al., “Mitochondrial biogenesis and increased uncoupling protein 1 in brown
adipose tissue of mice fed a ketone ester diet,” FASEB Journal, vol. 26, no. 6, pp. 2351–2362, 2012

 

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2 COMMENTS
  • Andreas 6. August 2018

    Also ich fühle mich wesentlich fitter und grundsätzlich besser, seit ich mich ketogen ernähre. Meine Blutwerte sind super, meine grauen Haare wurden etwas weniger und ich sehe viel gesünder aus. Ich würde definitiv sagen, dass diese Ernährungsweise eine Art Jungbrunnen ist.

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