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„Süßes Blut“ – Diabetes, eine mitochondriale Funktionsstörung

„Süßes Blut“ – Die Diabetes-Kolumne von Frank Linnhoff

Diabetes, eine mitochondriale Funktionsstörung

 

Täglich erhalten etwa 1000 Deutsche die niederschmetternde Nachricht, dass sie Typ-2-Diabetes haben. Noch vor 50 Jahren waren es weniger als 100 pro Tag. Wie konnte dies nur geschehen?

 

Weil unsere Schulmedizin, welche sich selbst als evidenzbasiert bezeichnet, die Ursache von Diabetes, eine beschränkte Glukosetoleranz, kaum zur Kenntnis nimmt und stattdessen Symptome behandelt. Dr. Bodo Kuklinski gehört zu den Ärzten, welche sich damit nicht zufriedengeben. Er schreibt:

 

„Der Typ-II-Diabetes mellitus ist eine Multisystemerkrankung. Sie beruht auf einer mitochondrialen Zytopathie (eine krankhafte Störung in der Funktion der Mitochondrien) mit Laktatazidose Typ II (metabolische Übersäuerung infolge eines Überschusses an Wasserstoffionen aus Milchsäure) und geht mit nitrosativem Stress (Belastung durch eine überschießende Produktion von Stickstoffmonoxid-Ionen) einher. Diese Funktionsstörung ist verantwortlich für die Multi- bzw. Komorbiditäten wie Adipositas, Hypertonie, Fettleber und -hepatitis mit Lipid- und Triglyceridämie, erhöhtes Risiko für Krebs, chronisch-ischämische Herzkrankheiten, Angiopathie mit Retina- und Nierenschäden, Demenz, Depression, periphere und vegetative Polyneuropathien. Die Senkung erhöhter Blutzuckerwerte durch orale Antidiabetika oder Insulin kann initial erforderlich sein, eine Dauerlösung ist sie nicht. Sie stellt die Behandlung des Surrogatparameters (des Messwertes) Glykämie dar. Die mitochondriale Zytopathie und die Komorbiditäten werden nicht beeinflusst.

 

Schon bei normgewichtigen Kindern von Eltern mit Typ-II-Diabetes sind mitochondriale Funktionsstörungen nachweisbar. Nach Glukoseinfusion zeigten sie gegenüber gleichaltrigen Kindern gesunder Eltern eine um 60 % reduzierte Glukoseaufnahme in die Muskulatur, stattdessen eine muskuläre Triglyceridakkumulation um + 80 % und eine Hemmung der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung um – 30 %. Das heißt, Kohlenhydrate hemmen die Mitochondrien. Statt energetisch utilisiert zu werden, bilden sie Fettdepots. Die ATP- Synthese sinkt.“

Mitochondrien

Mitochondrien sind winzige Organellen in unseren Körperzellen. In einer Nervenzelle befinden sich beispielsweise ca. 5000 aktive Mitochondrien, in Muskelzellen mehrere Tausend. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, chemische Energie für alle Lebensprozesse unseres Körpers herzustellen. Mitochondrien spalten aus der Glukose und den Fettsäuren aus unserer Nahrung Wasserstoffatome mit überschüssigen Elektroden ab. Die freien Elektronen verwandeln sich schrittweise von dem sehr energiereichen Ausgangszustand zu immer energieärmeren Zuständen. Während dieser äußerst komplexen Prozesse, welche in einem optimalen Zusammenspiel von Vitaminen, Enzymen und Spurenelementen ablaufen, entsteht energiereiches ATP (Adenosin-Triphosphat).

 

ATP ist der universelle Treibstoff für alle Lebensreaktionen, für Nervenimpulse, Sinneswahrnehmungen, Muskelkontraktionen, Hormonproduktion und auch für die Zellteilung. 60–80 kg ATP produzieren die Mitochondrien eines gesunden Erwachsenen täglich.

 

Nimmt die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien ab, dann betrifft dies direkt die Leistungsfähigkeit des Organs, dem diese Zelle angehört. Durch Funktionsstörungen der Mitochondrien entstehen krankmachende Prozesse in allen Bereichen unseres Körpers. Versiegt die ATP-Produktion in einer Zelle, stirbt sie ab oder entartet. Ein gesunder Körper zerstört Zellen, die zu entarten drohen, indem er ihre Mitochondrien lahmlegt.

 

Gut funktionierende, vitale Mitochondrien sind die Grundlage für Gesundheit und Vitalität. Funktionsgestörte, geschwächte Mitchondrien führen zu chronischen Erkrankungen. Die Ausbeute von ATP aus einem Molekül Glukose beträgt 31 Moleküle ATP. Die Ausbeute von ATP aus einem Molekül Palmitin-Fettsäure beträgt 104 Moleküle ATP. Welch ein Unterschied!

 

Mitochondrienmedizin und Diabetes

Was sagt die Mitochondrienmedizin zu Typ-2-Diabetes? Sie sagt, dass nicht alle Menschen gleichermaßen Kohlenhydrate tolerieren. Die Mitochondrien des Einen können mit einem hohen Kohlehydratanteil in der Ernährung leistungsfähig bleiben, wogegen schon ein moderater Konsum von Kohlenhydraten bei einem anderen die ATP-Produktion stark verringert. Funktionsstörungen der Mitochondrien treten auf, wenn jemand ständig mehr Kohlenhydrate zu sich nimmt, als er toleriert. Dann entwickeln sich chronische Krankheiten wie Insulinresistenz und Hyperinsulinämie, ein gestörtes Zusammenspiel der Hormone, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Fettleber, Gefäßerkrankungen und schließlich Typ-2-Diabetes.

 

Mitochondriale Dysfunktionen erklären, weswegen Diabetiker zusätzlich zu ihrem erhöhten Blutzucker oft mit weiteren Krankheiten geschlagen sind, gegen Übergewicht ankämpfen
müssen, an mangelnder Vitalität und an Depressionen leiden.

Evidenzbasierte Medizin und Diabetes

Was sagt die evidenzbasierte Medizin? Sie nennt ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel als Ursache von Diabetes. Der Diabetesinformationsdienst München, eine Abteilung der Helmholtzgesellschaft mit Forschungsschwerpunkt Diabetes, schreibt: „nach den in Abstimmung mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft erstellten Ernährungsempfehlungen soll die Kohlenhydrataufnahme zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtmenge liegen. Die Aufnahme von reinem Zucker ist nicht völlig verboten, vielmehr sind bis zu 10% der Gesamtkalorien in Form von Zucker erlaubt (bis zu 50 g/Tag).“

 

Was heißt das? Ein staatliches Forschungsinstitut rät allen Diabetikern, welche gerade keine Hungerkur machen, etwa 300 g/Tag Kohlenhydrate zu essen, welche sich im Darm zu Glukose aufspalten und in den Blutkreislauf einfließen. Dies sind etwa 300 Gramm reiner Traubenzucker pro Tag, welche in die Zellen gezwungen werden müssen! Kann dies dauerhaft gutgehen? Nein. Die fortschreitende Entwicklung der diabetischen Stoffwechselstörung bei den allermeisten Patienten, die diesem Rat folgen, spricht für sich. Wahrscheinlich hat keiner dieser Wissenschaftler, wenn er selbst von Diabetes betroffen ist, anhand eines Blutzucker-Messgerätes die Auswirkungen dieser Ernährungsweise an sich selbst überprüft.

 

Würde ich dieser Empfehlung folgen, müsste ich mehrmals täglich Insulin spritzen, um nicht in ein diabetisches Koma zu fallen. Zusätzlich würden mir Metformin, sehr wahrscheinlich Cholesterinsenker (Statine) und Blutdrucksenker verschrieben, eventuell noch andere Medikamente. Meine Blutzuckerwerte würden stark zwischen Über- und Unterzuckerung schwanken. Meine Insulinwerte wären dauerhaft stark erhöht, welches bekannterweise die Insulinresistenz und das Risiko für Herzinfarkt und Gehirnschlag erhöht. Dadurch müssten im Laufe der Zeit immer mehr Insulineinheiten gespritzt werden, welche wiederum die Insulinresistenz erhöhen. Ein Teufelskreis.

 

Ich hatte das Glück, dass ich an dem Tag, als ich gemeinsam mit rund 1000 anderen Deutschen als Diabetiker diagnostiziert wurde, auf das Buch „Leben ohne Brot“ (Wer das Buch nicht kennt kann es hier lesen: [PDF]Leben ohne Brot) des Internisten Dr. Wolfgang Lutz stieß, welches er bereits vor etwa 50 Jahren veröffentlichte. Seinen Ratschlägen folgend, habe ich meinen Kohlenhydratkonsum auf unter 50 Gramm täglich reduziert, den Fettkonsum stark erhöht und den Eiweißkonsum moderat gehalten. Seitdem ist mein Blutzucker im Tagesverlauf sehr stabil und der Langzeitwert im nicht-diabetischen Bereich. Mein Insulinspiegel ist niedrig, mein Blutdruck und meine Blutfettwerte haben sich normalisiert, obwohl ich keine Medikamente einnehme und immer noch stark übergewichtig bin.

 

Selbstverständlich beschränkt sich die Mitochondrienmedizin nicht nur auf den einen Ratschlag, sich kohlenhydratarm und fettreich zu ernähren. Ihr geht es darum, keine Nährstoffmängel und keinen chemischen Stress zu erzeugen, Funktionsstörungen der Mitochondrien zu erkennen und zu korrigieren. Dafür bedarf es als Basis einer nährstoffreichen Ernährung aus qualitativ hochwertigen, naturbelassenen Lebensmitteln. Dies sind Lebensmittel ohne Strichcode. Grünes Gemüse, Salate, frische Kräuter, Eier aus Freilandhaltung, Butter und Sahne von Weidetieren, fetter Rohmilchkäse, fettes Fleisch und Innereien von Weidetieren, sowie fetter Fisch gehören hierzu. Zucker, Getreide, Reis und Kartoffeln zählen eindeutig nicht dazu.

Eine entspannte, heitere Lebensweise, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, guter Schlaf, intermittierendes Fasten, moderat Alkohol, kein Tabak sind eine Wohltat für unsere Mitochondrien, Ärger und Stress dagegen Gift. Der frisch diagnostizierte Diabetiker steht vor einem Dilemma. Soll er seinem Arzt vertrauen, der den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft folgt und ihm zu einer Ernährungsweise mit ca. 50% Kohlenhydraten rät?

 

Oder soll er den Aussagen der Mitochondrienmedizin vertrauen? Da hilft im Grunde nur ein Selbstversuch: Blutzucker-Messgerät kaufen, eine strikt kohlenhydratarme, fettreiche Diät beginnen und messen.
Frank Linnhoff

 

Bildrechte: Frank Linnhoff, Pixabay

 

Lesen Sie dazu auch die Kolumne „Süßes Blut“ – Die Diabetes-Kolumne von Frank Linnhoff – Insulinresistenz im Kindesalter„.

 

Mehr von Frank Linnhoff finden Sie auf www.LCHF-Deutschland.de

 

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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