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Die ketogene Ernährung in der Therapie

Ketogene Diät

Frau Dr. Ketose wird Julia Tulipan oft liebevoll genannt. Diesem Namen macht sie wirklich alle Ehre. Daher haben wir heute für unsere interessierten Leserinnen und Leser einen Artikel aus dem LCHF Magazin „Die ketogene Ernährung in der Therapie“, von Frau. Dr. Ketose höchstpersönlich ausgesucht. Wir wünschen viele Erkenntnisse beim Lesen.

Die ketogene Ernährung in der Therapie – etablierte Anwendungsbereiche und neue Chancen

von Mag. Julia Tulipan MSc.                www.tulipans.com

 

Tulipan

Mag. Julia Tulipan MSc. schreibt über die ketogene Ernährung in der Therapie

Die ketogene Ernährung hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Hatte vor wenigen Jahren noch kaum jemand eine Ahnung, von was man da eigentlich spricht, scheint jetzt quasi jeder eine Meinung dazu zu haben oder jemanden zu kennen, der schon mal „keto“ gemacht hat.

In diesem Artikel soll es um einen groben Überblick gehen, was die ketogene Ernährung bzw. die Ketone so besonders macht, in welchen Bereichen sie als Therapie aktuell eingesetzt wird und welche möglichen neuen Einsatzbereiche in der Zukunft noch dazu kommen könnten.

Ketogene Ernährung – was ist das eigentlich?

Die ketogene Ernährung ist eine kohlenhydratarme und fettreiche Ernährung. Diese hat zur Folge, dass der Körper beginnt, Ketonkörper in der Leber zu produzieren. Ketonkörper sind kleine, wasserlösliche Moleküle, die schnell und einfach im Blut transportiert, und in der Zelle rasch zur Energiegewinnung genutzt werden können. Die Ketose ist ein natürlicher Zustand, der auch bei längerer Nahrungskarenz (Fasten) oder durch intensiven Sport erreicht wird.  Wir verbringen sogar unsere ersten Lebensmonate in Ketose, denn Ketone versorgen das wachsende Gehirn mit wichtiger Energie und Bausteinen

Abbildung 1 Sind Blutzucker und Insulin niedrig, werden Speicherfette (Triglyzeride) im Fettgewebe abgebaut (Lipolyse). Die dabei freigesetzten Fettsäuren können von vielen Körperzellen direkt „verbrannt“ (ß-Oxidation) und in Energie umgewandelt werden oder sie werden in die Leber transportiert und dort zu Ketonkörpern umgewandelt.

Anerkannte Anwendungsgebiete in der Terapie

Epilepsie

Die ersten wissenschaftlichen Berichte über den Einsatz des Fastens bei Epilepsie erschienen 1921 in den USA. Ein bekannter New Yorker Kinderarzt, Dr. Rawle Geyelin, beschrieb, wie er bei einem 10-jährigen Kind eine Anfallsreduktion durch Fasten erreichte. In den folgenden Jahren veröffentlichte er Berichte von mehreren Patienten, die über 2-3 Jahre durch das Einhalten längerer Fastenperioden, anfallsfrei blieben. Gleichzeitig entwickelten Dr. Wilder und Dr. Peterman an der Mayo Clinic die „Fasting Mimicing Diet“, die dann später als ketogene Diät bekannt werden sollte, als einzig wirksame Therapie bei kindlicher Epilepsie[1]. Erste Erfolgsberichte wurden von der Mayo Klinik, dem Johns Hopkins Hospital und der Harvard Universität verzeichnet. Zwischen 1941 und 1980 war die ketogene Ernährung eine gängige Therapieform bei Epilepsie im Kindesalter. Erst mit der Entwicklung neuer Medikamente geriet die ketogene Diät in Vergessenheit.

Seltene Defekte des Energiestoffwechsels

Der Glukosetransporter (GLUT-1)-Defekt, Pyruvatdehydrogenase-(PDH)-Mangel und Komplex I-Defekt der Atmungskette sind drei seltene, angeborene Stoffwechselstörungen.  Diese Stoffwechselstörungen führen unerkannt und unbehandelt zu einer schweren Entwicklungsstörung und therapieresistenten Anfällen. Für diese Stoffwechselstörungen stellt die ketogene Diät heute die einzige und unverzichtbare Behandlung dar[2].

Anerkannte Indikationen Mögliche andere Indikationen
•        Glukosetransporter (GLUT-1)-Defekt

•        Pyruvatdehydrogenase-(PDH)-Mangel

•        Komplex I-Defekt der Atmungskette

 

•        West Syndrom

•        Dravet Syndrom

•        Doose Syndrom

•        FIRES (Febrile infection-related epilepsy syndrome)

•        Fokale pharmakoresistente Epilepsie zur Überbrückung vor Epilepsiechirurgie

 

Neue Anwendungsgebiete in der Therapie

In den letzten Jahren ist nicht nur das öffentliche Interesse an der ketogenen Diät gestiegen, sondern auch in der Wissenschaft. Eine Renaissance erlebt die ketogene Diät einerseits in der Behandlung von Epilepsie, aber auch nach anderen Anwendungsbereichen wird gesucht. Besonders durch die Fortschritte in der Molekularbiologie und in der Entwicklung neuer Techniken, gewisse Abläufe in der Zelle überhaupt sichtbar zu machen, konnten in den letzten Jahren Erklärungen gefunden werden, warum Ketonkörper die beobachteten Effekte haben.

Abbildung 2 Eric Kosoff (2018) Vortrag: Emerging Science of Carbohydrate Restriction and Nutritional Ketosis, Scientific Sessions at The Ohio State University.

Migräne

Der Schritt von der Epilepsie zur Migräne scheint nun recht naheliegend. Hat doch beides irgendwie mit dem Kopf zu tun. Außerdem finden Medikamente aus der Epilepsie auch Anwendung in der Behandlung von Migräne. Die Arbeiten der Neurowissenschaftlerin Frau Dr. Elena Groß lassen vermuten, dass es sich bei Migräne um ein Energiedefizit und erhöhten oxidativen Stress im Gehirn handeln könnte. Es gibt erste vielversprechende Studien, die zeigen, dass durch die Gabe von Ketonen eine Reduktion der Migränehäufigkeit erreicht werden kann[3].

Diabetes Typ 1 und Typ 2

Die Bedeutung der Reduktion von Kohlenhydraten bei Typ-2-Diabetes kann eigentlich nicht mehr geleugnet werden[4]. Daher haben nun auch internationale Fachgesellschaften wie die American Diabetes Association und die European Society for the Study of Diabetes die Low-Carb-Ernährung als offizielle Ernährungsintervention anerkannt. Dass nicht nur Low-Carb sondern auch Keto eine vielversprechende Option darstellt, zeigte Sarah Hallberg in ihrer Studie mit insgesamt 262 Patienten.

Bei Typ-1-Diabetes ist die Situation etwas anders gelagert, da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der der Körper die eigene Bauchspeicheldrüse angreift und diese dann nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin zu produzieren. Der Vorteil einer ketogenen Ernährung bei Typ-1- Diabetes zeigt sich in der wesentlich besseren Blutzuckerkontrolle, deutlich reduziertem Insulinbedarf sowie verminderten Unterzuckerepisoden.

Psychische Erkrankungen

Viele psychische Erkrankungen wie Depressionen und Schizophrenie sprechen überraschend gut auf eine ketogene Diät an. Hierzu gibt es erste publizierte Fallbeschreibungen. Besonders die nachweislich entzündungshemmenden Eigenschaften von Ketonen werden in diesem Zusammenhang diskutiert.

Demenz und Alzheimer

Alzheimer wird in der Literatur auch mittlerweile als „Typ-3-Diabetes“ bezeichnet. Dieser Vergleich leitete sich daraus ab, dass bei Alzheimer und auch anderen Formen der Demenz die Zuckeraufnahme in die Gehirnzellen selbst eingeschränkt ist. Dies hat zu Folge, dass die Gehirnzellen nicht ausreichend mit Energie versorgt werden und somit einfach verhungern. Spannend ist, dass diese Gehirnzellen aber problemlos Ketone aufnehmen können[5] [6] [7].

 

Julia Tulipan

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Die ketogene Ernährung in der Therapie

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Ketose – wie geht´s?
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Die Keto-Adaption
Wie kann man “Ketose” messen?

 

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Margret Ache und Iris Jansen www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland AkademieLCHF KongressLCHF MagazinFacebook,  Instagram und YouTube

 

 

[1] Peterman, M. G. „The ketogenic diet in epilepsy.“ Journal of the American Medical Association 84.26 (1925): 1979-1983.

[2] Kossoff, Eric H., and Adam L. Hartman. „Ketogenic diets: new advances for metabolism-based therapies.“ Current opinion in neurology 25.2 (2012): 173.

[3] Gross, Elena C., et al. „Potential Protective Mechanisms of Ketone Bodies in Migraine Prevention.“ Nutrients 11.4 (2019): 811.

[4] Accurso, Anthony, et al. „Dietary carbohydrate restriction in type 2 diabetes mellitus and metabolic syndrome: time for a critical appraisal.“ Nutrition & metabolism 5.1 (2008): 9.

[5] Henderson, Samuel T. „Ketone bodies as a therapeutic for Alzheimer’s disease.“ Neurotherapeutics 5.3 (2008): 470-480.

[6] Hertz, Leif, Ye Chen, and Helle S. Waagepetersen. „Effects of ketone bodies in Alzheimer’s disease in relation to neural hypometabolism, β‐amyloid toxicity, and astrocyte function.“ Journal of neurochemistry 134.1 (2015): 7-20.

[7] Cunnane, Stephen C., et al. „Can ketones compensate for deteriorating brain glucose uptake during aging? Implications for the risk and treatment of Alzheimer’s disease.“ Annals of the New York Academy of Sciences 1367.1 (2016): 12-20.

 

Titelbild: Envato.com

 

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