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Die Woche der demenziellen Erkrankungen

demenziellen Erkrankungen

Diese Woche steht im Zeichen der demenziellen Erkrankungen. Diese Erkrankungen üben einen großen Schrecken auf viele Menschen aus und sind häufig mit viel Angst verbunden.

Die demenziellen Erkrankungen

Demenz

Die demenziellen Erkrankungen stehen diese Woche im Fokus

„Weg vom Geist“ oder „ohne Geist“ ist die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Damit ist bereits das Hauptsymptom von Demenzerkrankungen beschrieben, nämlich die Verschlechterung bis hin zum völligen Verlust der geistigen Leistung.

Die Schulmedizin definiert Demenz wie folgt: Chronisch-pro­gredien­te Störung der kogniti­ven, sozialen und emotiona­len Gehirn­funktionen, die ü­ber mindestens 6 Mona­te be­steht. Die Leitsymptome sind Gedächt­nis­verlust und chronische Ver­wirrt­heit. Die häu­figs­te Ur­sache ist die Alz­hei­mer-Demenz. Diagnosti­ziert wird klinisch-neurologisch, psychiatrisch, mit­tels krania­ler Bild­gebung so­wie Demenz-Tests. The­rapiert wird symptomatisch, u. a. mit Anti­dementi­va und kognitiv-aktivie­ren­den Ver­fahren.

Seit vielen Jahren versucht die Forschung einen entscheidenden Durchbruch in der Alzheimer-Forschung zu erlangen. Doch die Ergebnisse sind bisher niederschmetternd.

Die aktuelle Situation

Derzeit gibt es weltweit schätzungsweise 50 Millionen Fälle von Alzheimer und Demenz, davon 7,5 Millionen in Westeuropa und 5 Millionen in Nordamerika. Es wird erwartet, dass diese Zahlen in den nächsten 30 Jahren um mehr als 200% steigen und bis 2050 weltweit 150 Millionen Fälle erreichen werden.[1]

 

Zu den veränderbaren Risikofaktoren für Alzheimer gehören Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit, metabolisches Syndrom und Bluthochdruck.[2] [3]

Alzheimer: Ein weiterer Rückschlag für die Amyloid-Hypothese

Erst Anfang des Jahres gab es einen weiteren herben Rückschlag: Die Anti-Amyloid-Therapie, die bei familiärem Alzheimer den Durchbruch bringen sollte, wurde als gescheitert erklärt. „Die Anti-Amyloid-Antikörper Gantenerumab (Roche) und Solanezumab (Eli Lilly) haben in einer Phase-II/III-Studie gegen familiäre Alzheimer-Demenz den primären Endpunkt verfehlt“, meldeten die Pharmaunternehmen Roche und Lilly. Es ist also klar, die Alzheimer- bzw. die komplette Demenzforschung muss einen anderen Weg gehen. Stellt sich für uns die Frage: Wann endlich kommt die Ernährung ins Spiel? Schließlich sind Fehlschläge stets eine Chance für neue Pfade. Dürfen wir auf eine neue Richtung hoffen? Denn die Forschung außerhalb der üblichen Schulmedizin hat gezeigt, dass die Risikofaktoren für demenzielle Erkrankungen durch einen kohlenhydratarmen oder ketogenen Lebensstil kontrolliert oder verbessert werden können.[4] [5] [6]

Hoher Blutzucker sorgt für eine schnellere Verschlechterung bei demenziellen Erkrankungen

Am 25. Januar 2018[7] wurde eine Studie publiziert, die den engen Zusammenhang zwischen einem hohen Blutzuckerspiegel und frühen Demenzsymptomen bestätigt:

Die Studie folgte 5189 Menschen über 10 Jahre und ergab, dass Menschen mit hohem Blutzucker eine schnellere Verschlechterung ihrer kognitiven Fähigkeiten aufwiesen, als Patienten mit normalem Blutzucker – unabhängig davon, ob es sich um Diabetiker handelte oder nicht. Mit anderen Worten, je höher der Blutzucker war, desto schneller verschlechterten sich die kognitiven Fähigkeiten.

Hohe Blutzuckerwerte im Gehirn

Schon im Jahr 2017 bestätigte eine  Studie, dass in Gehirnen von Verstorbenen mit der Alzheimer-Erkrankung hohe Blutzucker zu finden waren. Was entdeckten die Forscher bei ihren Untersuchungen?

  • Je höher der Blutzucker im Gehirn, desto ausgeprägter waren die Alzheimer-Symptome, bevor die Person starb.
  • Die Zellen im Gehirn hatten Schwierigkeiten, Energie aus Glukose zu verwerten.
  • Ein hoher Blutzucker im Gehirn korrelierte mit den Personen, die schon viele Jahre vor ihrem Tod einen hohen Blutzucker hatten.

Insulinresistenz im Gehirn

Die Insulinresistenz im Gehirn fördert den Gedächtnisverlust, dies bestätigten Forscher der Universität Tel Aviv in einer Studie.[8] Fast 500 Patienten beendeten die Studie, die mehr als 20 Jahre dauerte. Allerdings waren überwiegend Männer an der Studie beteiligt, sodass nicht sicher ist, ob die Ergebnisse auf Frauen zu übertragen sind.

 

Die Insulinresistenz führt zu einer Verwertungsstörung von Glukose im Gehirn, das wurde 2015 mit dieser Studie[9] bestätigt. Kann Glukose nicht mehr zur Energieversorgung herangezogen werden, muss ein alternativer Brennstoff her. Zum Beispiel Ketonkörper und somit sind wir bei einer strikten LCHF- bzw. Keto-Ernährung angelangt. Ketonkörper können das Gehirn mit Energie versorgen und damit wäre das Problem gelöst!

 

Passend zu diesem Thema der demenziellen Erkrankungen ist dieser Beitrag von unserer Kollegin und Mitarbeiterin Ulrike Gonder:

Fette Wissenshäppchen

Ulrike Gondervon Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

 

Richtig essen, statt vergessen: Eine ketogen modifizierte mediterrane Ernährung verbessert bei Patienten mit milden kognitiven Beeinträchtigungen das Mikrobiom und Demenz-relevante Biomarker

 

Quelle: Nagpal, R et al.: Modified Mediterranean-ketogenic diet modulates gut microbiome and short-chain fatty acids in association with Alzheimer’s disease markers in subjects with mild cognitive impairment. EBioMedicine. 2019;47:529-542, online publiziert am 30.8.2019

 

Eine mediterrane Ernährung hat sich mehrfach als günstig für die Gehirngesundheit erwiesen. Allerdings gibt es verschiedene Ansichten und „Definitionen“ einer mediterranen Kost. So gehen Fleisch und Milchprodukte oft überaus negativ, Getreide und Hülsenfrüchte dagegen äußerst positiv in die Bewertung der Ernährungsweise ein. Die Demenzforscherin Martha Morris vom Rush Universitätsklinikum in Chicago modifizierte daher die Scores, anhand derer in Studien beurteilt wird, ob sich jemand mediterran ernährt. Sie gestaltete den Score für Ihre Studien unter anderem getreide- und kohlenhydratärmer. Und fand, dass das Einhalten dieser modifizierten mediterranen Ernährungsform noch besser mit einem geringeren Alzheimerrisiko korrelierte als andere Varianten (Morris, M et al.: Alzheimers Dement 2015;11:1007-1014). Amerikanische Forscher gingen nun noch einen Schritt weiter und untersuchten den Einfluss einer ketogenen Variante der mediterranen Ernährung und zwar auf Marker der Hirngesundheit und auf das Mikrobiom.

 

Was wurde gemacht?

In ihrer randomisierten, doppeltblinden Pilotstudie aßen 17 ältere Probanden, von denen 6 kognitiv unauffällig waren und 11 milde kognitive Einschränkungen aufwiesen (MCI, Mild Cognitive Impairment, einer Vorstufe der Alzheimer-Demenz) jeweils sechs Wochen lang nach den Vorschriften der amerikanischen Herzgesellschaft (AHA-Diät, max. 40 g Fett/Tag) sowie eine relativ proteinreiche, ketogene mediterrane Kost (KMed-Diät), die maximal 20 g Carbs enthalten und deren Kalorien zu 60-65 Prozent aus gesunden Fetten stammen sollten. Die Teilnehmer erhielten Pläne und Rezepte sowie in der KMed-Gruppe zusätzlich natives Olivenöl. Zwischen den beiden Diätphasen lag eine sechswöchige Pause.

 

Was kam heraus?

  • In Stuhluntersuchungen zeigte sich zu Beginn kein Unterschied in der Vielfalt der Darmbewohner. Allerdings unterschied sich deren Zusammensetzung. So beherbergten Probanden mit MCI mehr Firmicuten, dafür aber weniger Bacteroideten, was auf eine Dysbiose hinweist.
  • Die Verteilungen im Stuhl-Mikrobiom korrelierten mit verschiedenen Biomarkern für eine Alzheimer-Erkrankung in der Rückenmarksflüssigkeit (CSF) der Probanden.
  • Beide Diäten beeinflussten das Mikrobiom, und zwar unterschiedlich und unterschiedlich intensiv bei kognitiv normalen und eingeschränkten Personen.
  • Beide Diäten beeinflussten die Menge an Milchsäure (Laktat) und kurzkettigen Fettsäuren (Acetat, Propionat und Butyrat) im Stuhl unterschiedlich. Beispielsweise stieg der Butyratgehalt im Stuhl unter der KMed-Diät an, bei AHA-Diät sank er. Butyrat ist u. a. für seine nerven- und darmzellschützenden Effekte bekannt. Es entsteht im Darm aus fermentierbaren Ballaststoffen.
  • Veränderungen im Mikrobiom korrelierten mit der Menge an unerwünschten Amyloid- und Tau-Proteinen in der Rückenmarksflüssigkeit der Probanden.

 

Es handelt sich um eine kleine Pilotstudie, die nicht überbewertet werden darf. Sie deutet aber an, dass die Zusammensetzung sowie Veränderungen des Mikrobioms und deren Korrelation mit Biomarkern in der Rückenmarksflüssigkeit zur Früherkennung, Diagnostik oder Verlaufskontrolle einer Alzheimer-Demenz nützlich sein können. Sie deutet auch darauf hin, dass eine ketogene mediterrane Ernährung hirnschützender wirken könnte als eine fettarme Ernährung, unter anderem via Mikrobiom. Mit einer wohl formulierten LCHF-Ernährung scheint man daher auch bei ersten kognitiven Auffälligkeiten auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Bei demenziellen Erkrankungen: Essen! Nicht! Vergessen!

Wie kann man vergessen, zu essen? Manch einer mag sich das Fragen bei dem Buchtitel. Aber wenn man etwas länger drüber nachdenkt, ist einem selbst das bestimmt auch schon passiert. Mir geht es durchaus so, wenn ich viel zu tun habe. Dann vergesse ich zu essen. Was nicht schlimm ist, denn zum einen passiert das nur selten, und zum anderen fällt es dann abends um so stärker auf. Völlig normal und gesund. Was aber, wenn ein Mensch regelmäßig vergisst, zu essen? Spätestens dann wird klar, dass etwas nicht stimmt.

Demenz, vom lateinischen dementia, ohne Verstand, Denkkraft bzw. Besonnenheit seiend‘, oder auch übersetzbar mit „Nachlassen der Verstandeskraft“ ist ein Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt. Das neue Buch von Ulrike Gonder und Dr. Peter Heilmeyer zeigt laut Untertitel Wege auf, wie man das „Demenzrisiko einfach wegessen – oder: Wie die Ernährung vor Alzheimer & Co schützen kann“. Der Gedanke, dass man sich selbst davor schützen kann, bzw. zumindest das Risiko senken kann, sich selbst und andere zu vergessen, weckt Hoffnung. In vier Teilen zeigt das Buch auf, wie das geht. Hier können Sie das Buch bestellen.

Neuigkeiten

 

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Margret Ache und Iris Jansen www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland AkademieLCHF KongressLCHF MagazinFacebook und YouTube

 

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21255744/

[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25084549/

[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32025250/

[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29522789/

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27059106/

[6] https://drc.bmj.com/content/5/1/e000354

[7] https://link.springer.com/article/10.1007/s00125-017-4541-7

[8] https://content.iospress.com/articles/journal-of-alzheimers-disease/jad161016

[9] https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2398420

 

Titelbild: ©-Osterland – Fotolia.com

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