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Die Angst vor Fett – Wie kam es dazu?

Ancel Keys ist eng mit dem Thema Angst vor Fett verknüpft. Er hatte in den 1950er Jahren das Problem der extremen Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Ihm waren die Experimente des Mediziners und Professors Anitschow (St. Petersburg) bekannt. Dieser verfütterte 1913 mindestens 2 Monate lang nur Eidotter und cholesterinreiches Gehirn an Kaninchen. Bei den Tieren führte das zu einer beschleunigten Infiltration von Cholesterin in die Wände der Arterien bei erhöhtem Serumcholesterin. Dieser Effekt konnte jedoch nicht bei anderen Tieren bewiesen werden. Die Ablagerungen in den Gefäßen der Kaninchen unterschieden sich auch von der Arterienverkalkung beim Menschen. Doch das war der Beginn der „Lipid-Hypothese“, die Ancel Keys nur zu gerne aufgriff und die Angst vor Fett schürte.

Die Sieben-Länder-Studie und deren Folgen

In der berühmten Sieben-Länder-Studie zeigte Ancel Keys die Zusammenhänge zwischen gesättigten Fettsäuren, einem hohen Cholesterinspiegel und Sterblichkeit auf. Allerdings verheimlichte er, dass ihm Material von 22 Ländern vorlag. Es fanden jedoch nur die Länder Einzug in die Studie, die der Theorie von Keys entsprachen. Doch er nutze seinen Einfluss und sein Charisma, die Studie wurde weltberühmt. Der Mythos vom bösen Fett war geboren und die Angst davor breitete sich aus.

Die Lebensmittelindustrie war von der Studie begeistert, eröffnete sie doch einen neuen Markt. Fachgesellschaften für Ernährung übernahmen die Ergebnisse der Studie und passten ihre Empfehlungen entsprechend an. Die Hysterie um das Cholesterin verbreitete sich schnell weltweit.

Fett wurde verteufelt, als Ersatz für die Energiezufuhr dienten nun die Kohlenhydrate. Doch leider wurden die Menschen dadurch nicht gesünder. Das Gegenteil war der Fall, die metabolischen Erkrankungen schossen in die Höhe.

„In einem Interview im Jahr 1997 gab Ancel Keys unumwunden zu:

„Es gibt absolut keine Verbindung zwischen Cholesterin in der Nahrung und Cholesterin im Blut. Keine. Und das haben wir schon immer gewusst. Cholesterin in der Nahrung macht überhaupt nichts …“

Aber da war seine Theorie bereits fest in den Köpfen verankert.“ (1)

Cholesterin ist wichtig

Cholesterin befindet sich in allen Zellen des menschlichen Körpers und ist somit ein wichtiger, sogar lebenswichtiger Bestandteil für uns. Die Einführung von Richtwerten in der modernen Medizin eröffnete für clevere Geschäftsmänner ein Milliardengeschäft.

Cholesterin ist ein kleines Lipid, das in jeder Zellmembran und im Blutplasma zu finden ist. Es erfüllt lebensnotwendige Aufgaben. So ist es die Grundsubstanz von

  1. Steroidhormonen (z.B. Cortisol),
  2. Geschlechtshormonen (wie Testosteron und Östrogen),
  3. Mitochondrien (Zellkraftwerke), und von
  4. Vitamin D (unentbehrlich für unsere Gesundheit)

Für das Gesamtcholesterin sehen Experten heute Werte bis 200 mg/dl als Obergrenze an. Die Deutschen liegen im Durchschnitt vielfach über diesem Zielwert, ihr Gesamtcholesterin liegt im Mittel bei 231 mg/dl. (2)

Der schlechte Ruf der Butter ist überholt

„Immer mehr Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die generelle Empfehlung, auf gesättigte Fettsäuren, wie sie auch in Butter und Eiern enthalten sind, zu verzichten, nicht mehr haltbar ist. Das ist jedoch kein Appell zur Völlerei.“ Schreibt Ulrike Gonder in einem Artikel in der Saarbrücker Zeitung. (3)

Butter hatte einen schlechten Ruf, vor allem wegen der gesättigten Fettsäuren. Völlig zu Unrecht, wie diese Studie (4) bestätigt. Denn gesättigte Fettsäuren haben den Vorteil, dass sie hitzestabiler als andere Fette sind. Butter eignet sich in geklärter Form wie Ghee oder Butterschmalz gut zum Anbraten. Für unseren Körper sind gesättigte Fettsäuren wertvoll, weil sie unseren Zellmembranen Stabilität verleihen und dadurch einen Schutz gegen die freien Radikale bieten.

Was sind freie Radikale? Sie entstehen im Körper durch Überlastung des Verbrennungsprozesses in den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen. Diese freien Radikalen werden für viele Krankheiten verantwortlich gemacht, u.a. für MS, Krebs, Alzheimer, Rheuma und Arterienverkalkung.

Die Grenzwerte für Cholesterin

Im Pschyrem­bel, der Bibel der Medi­ziner, wird im Jahre 1986 der Norm­bereich von 150-330mg/dl angegeben. In einem medi­zinis­chen Fach­buch von 1994 lag die Grenze zu erhöhten Cho­les­terin­spiegeln schon bei 250mg/dl. Es scheint so zu sein, dass jün­gere Men­schen niedrigere Cho­les­terin­spiegel aufweisen und mit zunehmen­dem Alter die Werte ansteigen. 20-jährige weisen im Durch­schnitt einen Spiegel von 200mg/dl auf, während er bei 60-jährigen Män­nern etwa 245 mg/dl und bei Frauen gle­ichen Alters 265 mg/dl beträgt. Durch das Her­ab­set­zen der Normw­erte im Bere­ich um die 200mg/dl wird prak­tisch jeder über 20 Jahren zum Risikopa­tient und damit auch über Jahrzehnte zum Dauerkun­den für Lipidsenker.

Es klingt also so, als sei der Grenzwert die Krankheit, in den wenigsten Fällen wirklich das Cholesterin. Um 1950 galt ein Cholesterinwert von 260 mg/dl als normal. Als der Spiegel von 240 auf 200 mg/dl gesenkt wurde, hatte die USA über 42.000.000 (!!!) neue Patienten über Nacht, schreibt Dr. med. Gunter Frank in seinem Buch „Schlechte Medizin – Ein Wutbuch“.

Lipitor (USA) bzw. Sortis (EU), jeweils mit dem Wirkstoff Atorvastatin, war das weltweit am Markt erfolgreichste Statin. Es erreichte im Jahr 2004 Umsätze von 10,7 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2007 wurde (laut Forbes.com) ein weltweiter Verkaufserlös von 12,8 Milliarden US-Dollar erzielt. (5) Lesen Sie auch den Artikel Mehr Patienten, mehr Geld und fragwürdige Studien.

 

Zum Thema Cholesterin empfehle ich die Bücher „Mythos Cholesterin“ und „Die Cholesterinlüge

 

Margret Ache / www.LCHF-Deutschland.de

 

 

 

(1) http://www.deutschlandradiokultur.de/studie-zum-herzinfarkt-risiko-cholesterin-schadet-alles.993.de.html?dram:article_id=321789

(2)  http://www.apotheken-umschau.de/Erhoehte-Bluttfettwerte-Cholesterin/Cholesterinwerte-In-Ordnung-oder-zu-hoch–57728_3.html

(3) http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-spezial/wohlfuehlen/Cholesterin-Eier-und-Butter-sind-gar-nicht-so-boese;art371533,6364291

(4) http://journals.plos.org/plosone/article?id=info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0158118

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Statin

 

Titelbild: Fotolia_43192266

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