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Die Paläo Therapie von Sarah Ballantyne

Dieses Rezension erschien zuerst im LCHF Magazin 02/2017. Hier geht es zur Leseprobe des Bücherbummels zum Buch „Die Paläo Therapie“ von Sarah Ballantyne.

Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein. Hippokrates von Kos (460 bis etwa 377 v. Chr.), griechischer Arzt

Autoimmunkrankheiten und ihre Auslöser

Ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes Mellitus Typ 2, Adipositas, Leaky Gut und ähnliche sind auf dem Vormarsch – die Zahlen erschreckend. Allein für Diabetes Mellitus Typ 2 stieg zwischen 2000 und 2009 um 49% (Quelle: diabetes-deutschland.de). 

Autoimmunkrankheiten wie Diabetes Mellitus Typ 1, Morbus Crohn oder Multiple Sklerose waren vor 100 Jahren noch nahezu unbekannt, heute werden rund 80 verschiedene beschrieben. Ein regulär funktionierendes Immunsystem schützt vor Viren, Bakterien, Parasiten oder sonstige Fremdstoffen. Bei Autoimmunerkrankungen nicht mehr zwischen „fremd“ und „eigen“ (auto) unterscheiden. In Folge dessen greift das Immunsystem gesundes, körpereigenes Gewebe an. So unterschiedlich sich diese Erkrankungen äußern, fast allen liegen chronisch entzündliche Prozesse zugrunde. Die Auslöser von Autoimmunkrankheiten sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Kombination von mehreren Faktoren verantwortlich ist:

  • Erblich: Bei gehäuftem Auftreten innerhalb einer Familie liegt oftmals eine Vererbung der Erkrankung vor.
  • Hormonell: Frauen sind öfter von Autoimmunkrankheiten betroffen als Männer, hier beeinflussen hormonelle Faktoren den Ausbruch
  • Umwelt und Viren: Umwelteinflüsse, die das Abwehrsystem beeinträchtigen (z. B. Stress, Ernährung, vermehrter Einsatz von Chemie), sorgen für eine Entgleisung des Immunsystems.

Autoimmunkrankheiten gelten als chronisch und somit unheilbar. Das Buch „Die Palao-Therapie“ von Sarah Ballantyne schreibt im Untertitel „Stoppen Sie Autoimmunkrankheiten mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund“. Reißerisch? Vielleicht. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wie groß der Einfluss auf die Gesundheit ist – auch wenn ich zum Glück an keiner Autoimmunkrankheit leide. 

390 Seiten geballtes Wissen und Tipps

Als das Buch geliefert wurde, hab ich nicht schlecht gestaunt: Fast DIN A4 groß, zwei Finger dick und schwer. Auffällig auf dem Cover und im Inhaltsverzeichnis sind die abgebildeten Puzzleteilen. Die Verwendung wird gleich im Vorwort durch die Autorin erklärt. Autoimmunkrankheiten und deren Heilung muss verschiedenste Aspekte – also Puzzleteile beachten. Und das hat sich die Autorin vorgenommen: Verständnis für die Ursachen und Zusammenhänge aufzuzeigen, um dann mit diesem Wissen sich selbst gezielt helfen können. Da sie selbst an der Autoimmunkrankheit Licher ruber planus, Knötchenflechte, leidet und damit zusammenhängenden weiteren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, machte sie sich auf die Suche nach Ursachen und Lösungen. Ihr umfangreiches Wissen stellt sie in neun Kapitel umfassend dar. 

Das Buch ist dreigeteilt:  Eine umfassende Einleitung mit einem Vorwort von Robb Wolf, anerkannter Paläo-Experte, einer Botschaft der Autorin, sowie der Einleitung zu Autoimmunkrankheiten. Es folgen vier Kapitel, die den Ursachen von Autoimmunerkrankungen auf den Grund gehen, weitere fünf zeigen den Weg zur Heilung. 

Unter dem sehr ausführlichem Inhaltsverzeichnis gibt es noch einen Überblick zu den wichtigsten Lebensmitteln, die zu vermeiden sind und Nährstofftabellen. Sehr praktisch, vor allem in der späteren Umsetzung. 

Die Ursachen

Die Kapitel zu den Ursachen haben es in sich:

Kapitel 1: Die Ursachen von Autoimmunkrankheiten

Kapitel 2: Ernährungsbedingte Faktoren, die zu einer Autoimmunerkrankung beitragen

Kapitel 3: Lebensstilfaktoren, die Autoimmunkrankheiten begünstigen

Kapitel 4: Der Weg nach vorn

Die Kapitel jeden auf 180 Seiten teilweise tief ins Detail. So werden die Aufgaben und Funktionsweisen von Proteinen, Antikörpern und des Immunsystems erklärt, inklusive der wichtigsten Fachbegriffe. Es wird eine gut verständliche Sprache genutzt, Infografiken lockern das Ganze auf. Dennoch kann es auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken, aber es lohnt sich. Denn bei der Komplexität von Immunkrankheiten ist ein gewisses Grundverständnis aus meiner Sicht wirklich notwendig, um gezielt an der Heilung zu arbeiten – und um zu verstehen, warum welche Schritte gemacht werden, teilweise auch nur in einer bestimmten Reihenfolge. Der Spruch „Wissen ist Macht“ kommt hier voll zum Zuge. Je besser wir unseren Körper und seine Reaktionen kennen, desto besser können wir ihn bei der Heilung unterstützen.

Die Heilung

Im zweiten Teil des Buches, das sich der Heilung widmet, geht es ebenso detailliert weiter, die Fachbegriffe weniger dominant:

Kapitel 5: Die Paläo-Methode

Kapitel 6: Die Paläo-Lebensweise

Kapitel 7: Umsetzung der Paläo-Methode

Kapitel 8: Troubleshooting

Kapitel 9: wie geht es weiter?

Drei Kapitel zum Thema Paläo zeigen, dass es um mehr als Ernährung und kurzzeitige Therapie geht. Neben detaillierten Einblicken in die Lebensmittel, die zur Verfügung stehen, der Makronährstoffverteilung, wird auch den Themen Mahlzeiten- & Stressmanagement und der zirkadiane (innere Rhythmen, ua der Schlaf-Wach-Rhythmus) viel Augenmerk gewidmet. Auch viele wichtige Tipps zum Einstieg, durchhalten des ersten Monats und weitere Fragen werden beantwortet. Sehr informativ ist auch Kapitel 8, das sich verschiedensten Problemstellen wie dem Darm, Allergien, Blutzucker und Co vornimmt. Checklisten zum Troubleshooting helfen zu gucken, wo der Betroffene schon auf dem richtigen Weg ist, und wo noch Optimierungspotential zu finden ist.

Das letzte Kapitel zeigt auf, das Paläo keine zeitlich befristete Therapie ist, sondern ein Leben lang eingehalten werden sollte. Allerdings gibt es die Möglichkeit, manche Lebensmittel unter gewissen Umständen wieder einzuführen, damit das anfangs sehr strikte Protokoll etwas mehr Freiheiten zulässt. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der Körper hier mitspielt und man mit Achtsamkeit dabei ist.

Die Lebensmitteltabellen am Ende des Buches zeigen auf, dass eine Paläoernährung nicht langweilig sein muss. Die Vielfalt der Nahrungsmittel ist beachtlich, wobei durchaus auch einige nicht unbedingt im Supermarkt oder beim Bauern um die Ecke zu bekommen sind. Sehr spannend sind auch die Nährstofftabellen, die z. B. die Verteilung der Aminosäuren in den verschiedenen Fleischsorten zu finden sind. So kann man gezielt gucken, über möglichst natürliche Nahrungsmittel die benötigten Vitamine und Mineralien zu erhalten. Ein extra Unterkapitel zum Thema Nahrungsergänzungsmittel zeigt auf, worauf Betroffene achten müssen. Sowohl bei den Zusatzstoffen, als auch bei den Bezugsquellen und Wirkweisen.

Fazit

Diese umfangreiche Buch mag auf den ersten und zweiten Blick erschlagend wirken. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Umstellung der Ernährung und des Lebensstils ein entscheidender Faktor ist, Autoimmunkrankheiten und ihre Auswirkungen zu lindern. Ob eine Heilung wirklich möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Aber Linderung und wesentliche Besprungen sind definitiv machbar. In meinen Augen ist dieses Buch eine Pflichtlektüre für all diejenigen, die über Ernährung ihre Gesundheit wesentlich beeinflussen wollen. Auch Krankheiten, die nicht auf autoimmune Reaktionen zurückzuführen sind, könnten hierdurch bestimmt positiv beeinflusst werden.

Einkaufstipp:

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miriam@ketovida.de

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