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Leben mit Stress – Ihr steinzeitlicher Körper in der Moderne (Teil 1)

Leben mit Stress von Nadja Polzin aus dem Low Carb – LCHF Magazin 3 / 2016

 

Nadja Polzin

Nadja Polzin ist ganzheitliche Ernährungsberaterin aus Hamburg und bloggt über natürliche Gesundheit. Sie trinkt gern Kaffee, kauft auf jedem Flohmarkt ein Kochbuch und vergisst den Tag schon mal über wissenschaftlichen Studien. Für das LCHF Magazin schreibt sie in den nächsten Ausgaben über Stress und seine gesundheitlichen Folgen. Ein Thema, das sie selbst wesentlich beeinflusst hat. Mehr von Nadja finden Sie auf www.foodlinx.de .

Leben mit Stress – Ihr steinzeitlicher Körper in der Moderne (Teil 1)

In verschiedenen Ausgaben des Magazins möchte Sie sie ein wenig für das Thema Stress sensibilisieren. Stress wird zu Recht als eines der größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit wahrgenommen. Wir leben in einer überwiegend künstlichen Welt, die für unseren steinzeitlichen Körper immer häufiger zum Problem wird. Dabei lässt sich mit einfachen Mitteln und einem Bewusstsein für das Thema gut damit umgehen. Begleiten Sie mich also in den nächsten Heften auf eine Reise durch unseren Körper und lassen Sie sich zu kleinen Veränderungen in Ihrem Alltag inspirieren.

Was ist Stress?

 

Stress in der Form, in der wir ihn heute vers tehen, ist keine neue Erscheinung. Stress gehört zum Mensch sein, wie unsere Nase oder unsere Ohren. In der Wissenschaft hat sich die Definition durchgesetzt, dass unter Stress jede Anforderung an den Organismus zu verstehen ist, die von innen oder außen an ihn gerichtet wird und in der Folge eine Anpassung des Organismus erfordert. Das ist zunächst sehr abstrakt, aber kann ganz praktisch dargestellt werden. Angenommen Sie lassen sich einen Hammer auf den großen Zeh fallen. Das erscheint Ihnen sicher zunächst nicht besonders stressig, für Ihren Körper ist es das allerdings. Denn die Verletzung, die Sie Ihrem Fuß zufügen, muss geheilt werden. Das ruft eine Kaskade von biochemischen Entzündungsreaktionen hervor, die dafür sorgen, dass Ihr dicker, blauer Zeh schnell wieder heilt. Ihr Organismus passt sich also an und stellt gegebenenfalls andere Prozesse zurück, damit Ihr Zeh bald wieder einsatzbereit ist. Um in Stress zu geraten, brauchen wir, wie Sie wissen, aber keinen unglücklichen Unfall.

 

Ein Stressor, also ein Reiz, der Stress auslöst, kann so ziemlich alles sein. Ein negatives Gedankenmuster oder ein Glaubenssatz, den wir seit unserer Jugend täglich wie ein Mantra vor uns hindenken, ebenso wie Chemikalien, Lärm, künstliches Licht und unsere Mitmenschen – egal, wie nahe sie uns stehen. Viele Stressoren, denen wir täglich begegnen, nehmen wir überhaupt nicht mehr als solche wahr. Neulich stand ich beispielsweise in einer Apotheke neben einem Mann, der auf der Suche nach einer Einschlafhilfe war. Die Apothekerin fragte ihn, ob er Stress habe, was er sofort verneinte. Ein Mensch, der in einer Millionenstadt lebt, hat Stress. Er nimmt es vielleicht nicht als solchen wahr, aber der Stress ist in der Stadt Tag und Nacht präsent. Die Lebensumfelder sind so künstlich, wie sie nur sein können – das ist auch Stress. Wenn Sie sich dann am Abend noch mit ihrer Partnerin streiten, dann ist der Alarmzustand perfekt. Sie sind in Gefahr und Ihr Körper reagiert.

 

Der Körper im Stress – so reagieren wir

Ob bewusst wahrnehmbar oder auch völlig unbewusst: Stressoren versetzen uns in einen Zustand, der als Stressreaktion bezeichnet wird. So unterschiedlich die Stressoren, so verschieden sind auch die Stressreaktionen, die unser Körper ablaufen lässt, um sich anzupassen. Wie wir oben gesehen haben, kann eine Entzündungsreaktion eine solche Stressreaktion sein, die in unserer heutigen Welt auf eine Vielzahl von Stressoren abläuft. Eine zucker- und stärkereiche Ernährung kann so ein Stressor sein, der Entzündungen begünstigt. Ihr Körper tut also nichts anderes, als sich anzupassen und mit dem Stressor umzugehen. Andere Stressoren, wie beispielsweise der Straßenverkehr, Lärm, Licht, der Streit mit Ihrer Frau/Ihrem Mann oder mit Wildfremden in einer Facebook-Gruppe, haben viel weitreichendere Folgen. Denn diese unspezifischen Stressoren wirken direkt auf Ihr zentrales Nervensystem und versetzen Ihren gesamten Körper in Alarmbereitschaft.

 

Im Stress, also in der Vorbereitung auf Flucht oder Kampf, reduziert der Körper unter anderem das Schmerzempfinden. Die Rechnung präsentiert er, wenn der Bär erlegt ist. (Heinz Prokop, dt. Psychologe)

Das Signalsystem, das diesen Alarmzustand an sämtliche Organe unseres Körpers kommuniziert, ist der Sympathikus. Er ist der „Stress-Teil“ unseres vegetativen Nervensystems, das sich gänzlich unserem Willen und unserem Zugriff durch unser Bewusstsein entzieht. Die Evolution hat das clever eingerichtet. Stellen Sie sich vor, Sie müssten erst überlegen, welche Körperfunktionen Sie jetzt brauchen, wenn der berühmte Säbelzahntiger vor Ihnen steht. Sie würden niemals richtig entscheiden. Das macht alles Ihr Sympathikus für Sie. Er ist ein Geflecht aus Nerven, das sich entlang unserer Wirbelsäule zieht und die Signale, die das Gehirn über die Sinne aufnimmt, an alle Organe verteilt. Erhalten sie das Stresssignal, werden sie in einen Zustand versetzt, der uns bei der Bewältigung der Stresssituation behilflich ist. So vergrößert sich unser Sichtfeld beispielsweise und wir werden wachsamer für alle Signale, die unsere Sinne aus unserer Umgebung aufnehmen können. Unser Blutdruck steigt, um den zusätzlichen Sauerstoff aus den Bronchien und die Glucose aus der Leber schnell in die Zellen zu bringen. Die Nebennieren schütten das Stresshormon Cortisol aus, das unser Immunsystem dämpft und uns so vorübergehend ignoranter gegenüber Keimen und Bakterien macht. Das ist auch der Grund, warum wir oft bis zum Urlaubsbeginn mopsfidel sind und uns am ersten Urlaubstag direkt mit Fieber ins Bett legen können. Wir geben dann dem Immunsystem endlich Zeit und Ruhe, um sich mit den Erregern aus unserer Umwelt, die wir in uns tragen, zu befassen.

 

Auf lange Sicht, also dann, wenn der Stress chronisch wird, ist die Gefahr für unseren Körper groß. Anhaltender Stress, wie wir ihn heute oft erleben, überfordert unsere körperlichen Kapazitäten, auf den Stress angemessen zu reagieren. Wir nehmen zu, obwohl wir nicht mehr essen; wir werden anfälliger für Infekte, Allergien werden begünstigt und unsere Toleranz gegenüber Kohlenhydraten sinkt. Letztlich stellt sich eine anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung ein, die auf ausgelaugte Nebennieren und eine eingeschränkte Fähigkeit, ausreichend Energie in den Zellen zu produzieren, hindeutet. Der Burn-Out, wie dieser Zustand heute oft genannt wird, ist leider kein seltenes Phänomen mehr, sondern trifft viele Menschen, die nicht ausreichend auf sich achten und die Signale des Körpers ignorieren.

 

Welche Stressoren heute besonders oft übersehen werden und welche Methoden sich eignen, um mit den Anforderungen unseres modernen Lebens geschickt umzugehen, erfahren Sie in den nächsten Magazinen.

 

Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Die Macht der Gedanken für ein Leben mit weniger Stress“ .

 

www.LCHF-Deutschland.de

 

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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