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Die gesundheitlichen Benefits einer ketogenen Ernährung

Die gesundheitlichen Benefits einer ketogenen Ernährung

 

von Dr. med. univ. Vilmos Fux aus dem Low Carb – LCHF Magazin 1/2018.

 

Dr. med. univ. Vilmos Fux hat im  Low Carb – LCHF Magazin 4 / 2017 über die Ketogene Ernährung, ja oder nein geschrieben. Er ist Fachmann auf diesem Gebiet und seine Ausführungen dazu sind interessant. Ketogene Ernährung, ja oder nein?

 

Im letzten Gastbeitrag haben wir uns auf die positiven Auswirkungen einer ketogenen Ernährung, vor allem auf Erkrankungen des neurodegenerativen Formenkreises, fokussiert.

 

Diesmal werden wir auf weitere gesundheitliche Vorteile der ketogenen Diät eingehen und die biochemischen Hintergründe genauer betrachten.

 

Zunächst eine kurze Wiederholung zum Begriff Ketogenese: Diese ist ein Stoffwechselzustand, bei dem unser Körper seine Energie auf natürliche Art und Weise aus Fettsäuren, statt aus Kohlenhydraten bezieht, wie es bei längeren Fastenperioden, intensivem Sport oder längerer Kohlenhydratabstinenz der Fall ist.

 

Unter kohlenhydratbetonter Kost wird jegliche Energie aus Kohlenhydraten in Form von Glykogen in den Muskeln und in der Leber gespeichert. Unser Gehirn benötigt täglich circa 100g Kohlenhydrate in Form von Glukose. Wenn die Glykogenspeicher von einem Individuum aufgebraucht sind, fangen die Leber und die Niere an Ketonkörper zu synthetisieren, welche als alternative Energiequelle dienen. Tatsächlich kann das menschliche Gehirn seinen Energiebedarf täglich auch aus ca. 70% Ketonkörpern gewinnen. Die restlichen 30%, die essentiell für die Nervenzellen sind, können über einen biochemischen Prozess namens Glukoneogenese, aus Aminosäuren, den Bausteinen von Eiweißen, synthetisiert werden.

 

Die Umstellungsphase dauert circa drei Wochen. In diesen drei Wochen durchläuft der Körper eine Adaptationsphase und produziert dann weniger Ketonkörper, da er lernt, aus ihnen effektiver Energie zu gewinnen. Wie schnell der Körper effektiv auf Ketonkörpersynthese und -verwertung umstellt, hängt von multiplen Faktoren ab: Schlaf, geistige Gesundheit, Zusammensetzung der Nahrung, Menge an täglicher Flüssigkeitszufuhr, Vitamin- und Mineralhaushalt, Stress, Leber- und Pankreasgesundheit und Insulinsensitivität.

 

Ernährt man sich überwiegend kohlenhydratreich, bringt das Hormon Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird die Glukose aus der Blutbahn in die Zellen, wo die Glukose zu Pyruvat und dann weiter über den Zitratzyklus verstoffwechselt wird. Die daraus am Ende resultierende Energie wird biochemisch in Form von ATP (Adenosintriphosphat) dem Körper zur Verfügung gestellt. Ketonkörper liefern deutlich mehr ATP als Kohlenhydrate.

 

Werden dem Körper keine weiteren verwertbaren Kohlenhydrate zugeführt (Ballaststoffe sind z.B. nicht verwertbare Kohlenhydrate) und sind die Glykogenspeicher leer, sinkt beim Gesunden der Insulinspiegel und der Körper kann mit der Ketonkörperbildung beginnen. Ein niedriger Insulinspiegel bedeutet somit eine optimale Fettverbrennung. Hohe Insulinspiegel hemmen die Fettverbrennung. Jegliche Ernährungsformen, die eine effektive Fettverbrennung anstreben (wie low carb, keto, slow carb, LOGI, Diäten mit niedrigem glykämischen Index) peilen dies über eine Senkung des Insulinspiegels an indem man die Kohlenhydratzufuhr reduziert. Die erhöhte Eiweißzufuhr dieser Diäten führt zu einem längeren Sättigungsgefühl und die Betroffenen essen indirekt weniger, was sehr motivierend wirken kann, um die Ernährungsumstellung einzuhalten.

 

Die ketogene Kost senkt Blutfettwerte wie Triglyceride und das kleine dichte atherogene LDL, erhöht das HDL und das große weniger atherogene LDL. Gegen die konventionelle Meinung erhöhen Kohlenhydrate, vor allem in Form von Fruktose, Triglyceride und das kleine dichte atherogene LDL. Auch der Blutdruck optimiert sich unter einer Kohlenhydratrestrikition.

 

Daneben wird die ketogene Diät oft auch bei Erkrankungen, bei denen eine chronische Entzündung im Vordergrund steht, angewandt. Dazu zählen Krankheitsbilder wie Psoriasis, Arthritis und chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie chronische Schmerzen. Der Ketonkörper Beta-Hydroxybutyrat vermag es Eiweißkomplexe, wie das NLRP3 Inflammasom, zu hemmen und somit die Synthese von Entzündungsbotenstoffe zu reduzieren.

 

Vielleicht ist es auch überraschend für manchen Leser, dass die ketogene Ernährung sogar die Symptome der Gicht verbessert: Die erhöhte Eiweißzufuhr vermag es mehr Harnsäure über die Niere zu eliminieren. Was man nicht machen kann, ist besonders purinreiche Lebensmittel (wie Hülsenfrüchte, Alkohol, Fleisch, Innereien, Geräuchertes) zugleich mit vielen Kohlenhydraten zu kombinieren. Dies ist nämlich die perfekte Kombination für einen Gichtanfall. In den ersten Wochen steigt die Harnsäure zunächst an, dann sinkt sie wieder.

 

Viele Umsteiger auf die ketogene Diät berichten nach nur wenigen Tagen, allgemein mehr Energie und weniger Heißhunger auf Süßes zu haben, da sich die Insulinsensitivität verbessert. Das körpereigene Insulin wirkt besser. Auch der Schlaf verbessert sich, die Mechanismen diesbezüglich sind allerdings noch unklar. Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden berichten über weniger Blähungen, weniger Sodbrennen und besseren Stuhlgang. In der Umstellungsphase sollte allerdings nicht zu viel Rohkost, sondern eher gekochtes Gemüse konsumiert werden. Viele Menschen haben sich oft sehr lange ballaststoffarm ernährt, sodass die plötzlich erhöhte Ballaststoffzufuhr den Darm irritieren kann. Als kleiner Nebeneffekt der fettreicheren Kost ist das Risiko für Gallensteine geringer, da die Gallenflüssigkeit als Konsequenz öfter durch die Gallenwege gespült wird.

 

Niedrige Blutzuckerspiegel verbessern die Sicht, senken das Risiko für Katarakt und optimieren die Stoffwechsellage bei Diabetes- Typ-1 und Typ-2 sowie bei Adipositas. Weitere Anwendung findet die ketogene Ernährung bei der Schlafkrankheit Narkolepsie, beim Rett-Syndrom (eine Form von Entwicklungsstörung), beim McArdle Syndrom (hier kann Muskelglykogen nicht abgebaut werden), bei Stoffwechselenzymdefekten wie bei Pyruvatdehydrogenasemangel und bei einer ganz schweren Form der Epilepsie, dem Lennox-Gastaut-Syndrom.

 

Vor einer Ernährungsumstellung muss allerdings unbedingt mit dem behandelnden Arzt über mögliche Kontraindikationen und/oder Adaptierung der medikamentösen Therapie gesprochen werden.

 

Mehr über die therapeutischen Möglichkeiten der ketogenen Ernährung lesen Sie im Buch Keto Info von Dr. Vilmos Fux und Daniela Pfeifer.

 

Bildrechte: Dr. Vilmos Fux

 

Begleitend zum Thema empfehlen wir Ihnen die Buchrezension „Keto Info – Glutenfrei. Sojafrei. Simple!zum Buch „Keto Info – Glutenfrei. Sojafrei. Simple!“ von Daniela Pfeifer und Dr. med. univ. Vilmos Fux. Dieses Rezension erschien zuerst im LCHF Magazin 01/2017. Hier geht es zur Leseprobe des Bücherbummels.

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