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Fertigprodukte machen dick – ein Gastbeitrag

Fertigprodukte machen dick

Iris und ich haben uns gefreut, als wir einen Gastbeitrag mit folgendem Kommentar zugesendet bekamen: „Inspiriert durch den Erfahrungsbericht zur ketogenen Ernährung bei Brustkrebs in eurem heutigen Newsletter, habe ich nun endlich einen kleinen Gastbeitrag verfasst. Es geht dabei um die Problematik,  die durch Fertigprodukte entsteht… “ Vielen herzlichen Dank lieber Herr. Dr. Dippel für diesen interessanten Gastbeitrag.

 

Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel hat Biologe studiert und in Medizin promoviert. Er hat mehr als 20 Jahre Industrieerfahrung in verschiedenen Funktionen der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselforschung. Seit 2018 ist er Gaststudent an der TU Berlin und als freiberuflicher Dozent für Gesundheit und Ernährung tätig.

Fertigprodukte machen dick!

von Dr. rer. med. Franz-Werner Dippel

 

Fertigprodukte machen dick

Fertigprodukte machen dick

Noch nie war unser Wissen über gesunde Ernährung so umfangreich wie heute. Gleichzeitig hat die Zahl der dicken Menschen in Deutschland ihren vorläufigen
Höhepunkt erreicht.

 

Nach Angaben des Robert-Koch Instituts sind mittlerweile zwei Drittel der Männer (67%) sowie die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland übergewichtig. Fast ein Viertel der Erwachsenen (23 % der Männer und 24 % der Frauen) ist sogar adipös. Das entspricht etwa 17 Mio. Menschen (1).

 

Unter Ernährungsmedizinern gilt Fettleibigkeit (Adipositas) als Ergebnis eines ungesunden Lebensstils in Verbindung mit Bewegungsmangel. Doch was genau ist ein ungesunder Lebensstil? Was stimmt nicht mit unserer Ernährung? Warum nehmen wir zu?

 

Vier wesentliche Ursachen werden von Forschung und Wissenschaft immer wieder ins Feld geführt:
Wir essen
– zu viel (energiedicht bzw. hochkalorisch),
– zu ungesund (hochverarbeitete Fertigprodukte)
– zu oft (jederzeit und zwischendurch)
– zur falschen Zeit (gegen unseren Biorhythmus)

 

Es ist leicht zu erkennen, dass zwischen den beiden ersten Punkten sowie zwischen den Punkten drei und vier ein Zusammenhang besteht. Ungesunde Nahrungsmittel haben in aller Regel gleichzeitig auch zu viele Kalorien und führen bei übermäßigem Verzehr zu einer positiven Energiebilanz. Durch ihre Zusammensetzung aus ca. 50% einfachen Kohlenhydraten (Mono- und Disaccharide) in Verbindung mit ca. 35% raffinierten und/oder gehärteten Fetten erzeugen sie in uns eine unwiderstehliche Gier, bekannt auch als die Fressformel der Lebensmittelindustrie (2). Frequenz und Timing der Mahlzeiten stehen darüber hinaus nicht im Einklang mit unserem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme hemmt die Fettverbrennung und blockiert die Autophagie, ein intrazelluläres Selbstreinigungsprogramm.

 

Schaut man zurück, so stellt man fest, dass die Adipositas-Epidemie in Deutschland ihren Ausgang nach dem Ende des zweiten Weltkriegs genommen hat (3). Mit dem Wirtschaftsförderungsprogramm der USA (Marshall-Plan) setzte ab 1950 ein unvergleichlicher Aufschwung in Deutschland ein. Der Boom erfasste alle Bereiche der Industrie, insbesondere auch den der Lebensmittelverarbeitung. In der Folge wurden herkömmliche Grundnahrungsmittel zunehmend durch stark verarbeitete Nahrungsmittel sowie industriell hergestellte Fertigprodukte ersetzt.

 

In den 70er und 80er-Jahren setzte dann eine Entwicklung ein, die in den USA schon 15- 20 Jahre früher beobachtet wurde. Mit dem zunehmenden Wohlstand nahmen auch die Deutschen an Gewicht zu (4). Sie entwickelten ebenfalls die typischen westlichen Zivilisationserkrankungen wie z.B. Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ-2 und verstarben verstärkt an Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Seit den 90er-Jahren machten Epidemiologen immer wieder darauf aufmerksam, dass es eine Beziehung zwischen dem Verzehr von hochverarbeiteten Fertigprodukten und der Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit gibt (5). Es dauerte allerdings noch bis 2019, bis der kausale Zusammenhang erstmals durch eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) wissenschaftlich belegt werden konnte.

 

Kevin D. Hall vom amerikanischen National Institute of Health (NIH) teilte 20 übergewichtige Probanden (10 Frauen und 10 Männer) nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein (6). Gruppe 1 erhielt für einen Zeitraum von 2 Wochen morgens, mittags und abends ein Menü aus Fertigprodukten. Gruppe 2 bekam ausschließlich frische, unverarbeitete Lebensmittel. Um die beiden Menüs vergleichbar zu machen, stellten die Wissenschaftler sicher, dass der Anteil an Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß) vergleichbar war. Während des Experiments durften beide Gruppen von ihren jeweiligen Menüs so viel essen, wie sie wollten.

 

Probanden, die ausschließlich hoch verarbeitete Fertiglebensmittel konsumierten, aßen im Durchschnitt 500 Kilokalorien mehr pro Tag (Abb. 1 + 2) und nahmen im
Vergleich zur Kontrollgruppe in nur zwei Wochen etwa ein Kilogramm an Gewicht zu (Abb. 3).

Fertigprodukte machen dick

 

Nach 2 Wochen wurden die Menüs der beiden Gruppen getauscht (Cross-OverDesign). Gruppe 1 bekam nun frische, unverarbeitete Lebensmittel während Gruppe 2 Fertigprodukte aß. Das führte dazu, dass das zuvor aufgenommene Gewicht in Gruppe 1 nach weiteren zwei Wochen wieder abgebaut wurde, während die zuvor mit unverarbeiteten Lebensmitteln versorgte Gruppe nach dem Wechsel auf Fertiggerichte an Gewicht zunahm.

Fertigprodukte machen dick
Kommen wir nun zu unserer Ausgangsfrage zurück: Was ist eigentlich eine gesunde Lebensweise? Mit Sicherheit kann man heute sagen, dass eine Ernährung, die vorwiegend auf stark verarbeiteten Nahrungsmitteln und industriell hergestellten Fertigprodukten basiert, nicht dazu gehört. Was also dann?

 

Eine gute Evidenzlage gibt es heute für eine Ernährung, die vorwiegend aus frischen, naturbelassenen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln besteht (7). Evolutionsbiologen empfehlen darüber hinaus den Verzicht bzw. sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln, die erst mit der Etablierung von Ackerbau und Viehzucht vor etwa 8 bis 10.000 Jahren Einzug in die menschliche Ernährung gefunden haben. Dazu gehören insbesondere stark kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sowie Milch und Milchprodukte (8, 9). Kohlenhydratarme Ernährungsweisen wie z.B. LCHF, Paläo- oder ketogene Diät erfüllen diese Anforderungen.

 

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Quellenangaben zum Artikel „Fertigprodukte machen dick“:
1. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Uebergewicht_
Adipositas/Uebergewicht_Adipositas_node.html
2. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-91346600.html
3. S. Klein, S. Krupka, S. Behrendt et al. Weißbuch Adipositas –
Versorgungssituation in Deutschland. Medizinisch Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft 2016: 33-38
4. U. Helmert, H. Strube. Die Entwicklung der Adipositas in Deutschland im
Zeitraum von 1985 bis 2002. Gesundheitswesen 2004; 66: 409–415
5. G. Pagliai, M. Dinu, M. P. Madarena et al. Consumption of ultra-processed
foods and health status: a systematic review and meta-analysis. British
Journal of Nutrition 2021; 125: 308–318
6. K. D. Hall, A. Ayuketah, R. Brychta et al. Ultra-Processed Diets Cause Excess
Calorie Intake and Weight Gain: An Inpatient Randomized Controlled Trial of
Ad Libitum Food Intake. Cell Metabolism 2019; 30: 67–77
7. A. Papadaki, E. Nolen-Doerr, C. Mantzoros. The Eect of the Mediterranean
Diet on Metabolic Health: A Systematic Review and Meta-Analysis of
Controlled Trials in Adults. Nutrients 2020; 12: 3342
8. U. Gonder, J. Tulipan, M. Lommel et al. Der Keto Kompass. Systemed Verlag
2019
9. N. Worm. Natürlich Low-Carb. Riva-Verlag 2016

 

 

Titelbild: ThamKC / https://elements.envato.com/

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