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Gehirn-Akrobatik der etwas anderen Art

von Silke Schaible aus dem Low Carb – LCHF Magazin 4/2017 .

Wie Sie Ihr Gehirn durch Bewegungsübungen zu Höchstleistungen anregen

 

Unser Gehirn leistet tagtäglich Großartiges: Es erfasst und sortiert unsere Umgebungseindrücke (Wahrnehmung), speichert unsere Erfahrungen und Erinnerungen in einer wieder abrufbaren Form, ermöglicht uns das logische Denken und erleichtert uns das Miteinander durch verbale und nonverbale Kommunikation (Denk- und Sprachprozesse). Zudem ist es der Entstehungsort unserer Emotionen. Des Weiteren steuert es unsere (sowohl die überlebenswichtigen Grundfunktionen wie auch sonst alle Prozesse und Körperabläufe). Kurz gesagt: Wir hätten es ohne unsere Schaltzentrale im Oberstübchen ganz schön schwer!

 

Und nicht nur tagsüber ist es im Dauereinsatz – nein, auch nachts, wenn wir uns im Land der Träume befinden, steuert, reguliert und koordiniert es fleißig weiter. Ein kleines Wunderwerk, dessen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit wir im Alltag oftmals als selbstverständlich annehmen und wenig würdigen. In den Neurowissenschaften konnte die Hirnforschung als eine der wichtigsten Hauptfachrichtungen in den letzten Jahren dank der rasanten technischen Entwicklung der bildgebenden Verfahren tiefere Einblicke in neuronale Prozesse und Gehirnaktivitäten gewinnen. Dennoch bleibt hier auch aktuell noch Vieles unentdeckt.

 

Zum besseren Verständnis dieser Prozesse möchte ich hier kurz das Gehirnmodell nach Paul D. MacLean in stark verkürzter Form erläutern. Es ist in drei entwicklungstechnisch aufeinander aufgebaute Teile gegliedert und unterscheidet zwischen Stammhirn, Zwischenhirn und Großhirn. Das Stammhirn, auch Reptiliengehirn genannt, ist der älteste Teil unseres Gehirns. Es liegt im Übergang zum Rückenmark und steuert alle überlebenswichtigen Grundfunktionen, wie Herzfrequenz, Blutdruck, Schwitzen und Atmung. Das Zwischenhirn, auch limbisches System genannt, steuert alles Unbewusste, wie unsere Emotionen und unser Triebverhalten (Fortpflanzung sowie Entscheidung über Kampf-oder-Flucht-Reaktionen). Und das Großhirn, als evolutionsgeschichtlich jüngstes und nach Umfang größtes Hirnteil, ist für unser bewusstes Handeln und Entscheiden zuständig.

 

Letzteres filtert und analysiert alle aufgenommenen Informationsreize und gleicht sie mit vergangenen Erfahrungen ab, um dann bewusste Entscheidungen zu treffen. Das Großhirn besteht aus zwei Hälften, auch Hemisphären genannt, welche jeweils für ganz spezifische Aufgaben zuständig sind. Die linke Gehirnhälfte steuert alles Logische, Rationale und Abstrakte – ihre Sprache ist das geschriebene und gesprochene Wort. Im Gegensatz dazu ist die rechte Gehirnhälfte für Intuition und künstlerische Tätigkeiten verantwortlich – ihre Sprache sind Bilder, Farben, Symbole und Rhythmik (Musik). Im optimalen Zustand arbeiten beide Hand in Hand, allerdings präferieren wir in der Regel eine der beiden Seiten und manchmal stecken wir auch in einer Hälfte fest.

 

Haben wir Konzentrationsschwierigkeiten oder sonstige Auffassungsblockaden, ist der Informationsaustausch zwischen rechter und linker Gehirnhälfte über das Corpus Callosum als Verbindungsstück zwischen diesen beiden Hemisphären eingeschränkt. Dieser Zustand wird in der Kinesiologie (wörtlich übersetzt „Lehre der Bewegung“) als Lernblockade bezeichnet. Die von Paul E. Dennison entwickelte Lernmethodik Brain-Gym® als Herzstück der Educational Kinesiology (Edu-Kinestetik) bietet zahlreiche spezielle körperliche Übungen, mit denen diese eingeschränkte Verbindung wieder geöffnet und der Informationsaustausch zwischen rechter und linker Gehirnhälfte wieder ermöglicht wird. Zwei davon möchte ich hier kurz darstellen und zum Ausprobieren einladen. Sie sind sowohl für Erwachsene als auch für Kinder gut geeignet und können das Gleichgewicht, die Koordination sowie die mentale Konzentrationsfähigkeit verbessern.

 

Liegende Acht

 

Strecken Sie den rechten Arm mittig nach vorne aus und halten Sie ihren Daumen als Fixpunkt für die Augen nach oben. Zeichnen Sie nun mit diesem eine liegende Acht (Unendlichkeitssymbol) in die Luft vor Ihnen und folgen dabei der Bewegung mit ihren Augen, wobei der Kopf gerade bleibt. Wechseln Sie dann die Seite und zeichnen Sie die liegende Acht mit dem linken Daumen. Zum Schluss üben Sie die Bewegung mit beiden Armen und gekreuzten Händen gleichzeitig aus. Wiederholen Sie in jeder Variante die liegende Acht dreimal.

 

Überkreuzbewegung

Stellen Sie sich aufrecht hin und führen Sie den rechten Ellbogen und das linke Knie langsam und bewusst vor dem Körper zusammen. Im Anschluss wechseln Sie die Seite und bewegen dann den linken Ellenbogen und das rechte Knie aufeinander zu. Wiederholen Sie die Bewegung mindestens zehnmal.

 

Bei einer weiteren Überkreuz-Variante strecken Sie im aufrechten Stand den rechten gestreckten Arm seitwärts nach oben aus und bewegen gleichzeitig das linke Bein zur Seite, dann den linken Arm und das rechte Bein. Die Körpermitte bleibt dabei möglichst stabil zentriert. Wiederholen Sie die Bewegung ebenfalls mindestens zehnmal. Der eine oder andere mag jetzt vielleicht kritisch hinterfragen, ob solch einfache Übungen tatsächlich Wirkung zeigen können.

 

Hier möchte ich auf die anerkannte Psychotherapieform EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) nach Dr. Francine Shapiro verweisen, deren Wirksamkeit bei Traumafolgestörungen mit zahlreichen kontrollierten Studien belegt wurde. Hierbei ist die Stimulation der beiden Gehirnhälften über die Hin- und Her-Bewegung der Augen essentieller Bestandteil der Behandlung. Und auch das bekannte wingwave-Coaching nach Cora Besser-Siegmund kombiniert die bilaterale Hemisphärenstimulation u.a. durch gezielte Augenbewegungen mit Elementen des NLP (Neuro-Linguistische Programmierung) und weiteren Teilaspekten der Kinesiologie. Insofern möchte ich zum mutigen Ausprobieren und Selbsterfahren anregen: Je einfacher die Übungen, desto unkomplizierter ist die Anwendung im Alltag!

 

Unterstützen Sie aktiv ihr Gehirn und ermöglichen Sie insofern die Optimierung seiner Leistungsfähigkeit! NLP ist eine auf Kommunikationstechniken und Prozessen zur Veränderung psychischer Abläufe basierte Methodensammlung. Neuro-Linguistisches Programmieren geht der Frage nach, wie Sprache und Kommunikation unser Denken und Handeln beeinflussen. Immer wieder begegnen mir hier im Alltag kritische Äußerungen, NLP sei eine unseriöse und gefährliche Manipulationstechnik. Die wenigsten wissen, dass wir Teilaspekte des NLPs tagtäglich intuitiv einsetzen und automatisch nutzen. Wäre es da nicht viel effektiver, diese unbewussten Prozesse aktiv zur Verbesserung unserer Kommunikation mit anderen, aber auch mit uns selbst, zu verwenden? Mit meinem nächsten Artikel möchte ich daher gerne etwas Licht ins Dunkel der Vorurteile bringen und Hilfe beim Abbau von Berührungsängsten gegen NLP leisten.

 

Bis dahin wünsche ich jedoch viel Erfolg und Spaß mit den Übungen der vorgestellten Gehirn-Akrobatik!
Silke Schaible

 

Bildrechte: Silke Schaible

 

Wie Sie auch den Kopf mal frei bekommen lesen Sie hier: Entspannung ist gut für das Gehirn .

 

Oder möchten Sie durch gezielte Atemübungen Ihre  Sauerstoffzufuhr ankurbeln? Dann finden Sie mehr dazu im Beitrag Atem – Treuer Lebensbegleiter und verkanntes Powertool .

 

Mehr zum Thema Entspannung, Atem und Meditation finden Sie auf www.lchf-deutschland.de

 

 

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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