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Ketogene Ernährung – die Anfänge

Auf dem LCHF-Kongress 2018 sprach Marina über ihr Spezialgebiet – die ketogene Ernährung. In vielen Punkten ist diese vergleichbar mit der LCHF-Ernährung. Das Ziel ist das Erreichen der Ketose und die daraus resultierenden positiven Wirkungen auf Leistungsfähigkeit, kognitive Fähigkeiten und eine gesunde Gewichtsregulation. Sie wirft einen Blick auf die zugrundeliegenden Änderungen, die im Stoffwechsel passieren, damit diese Wirkungen möglich werden und beleuchtet den Einsatz der ketogenen Ernährung in der Medizin.

Marina Lommel

Marina Lommel ist Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin von Foodpunk, einem Startup, das sich als Ziel gesetzt hat, gesunde Ernährung „gesellschaftsfähig und alltagstauglich“ zu machen. Sie erstellt mit ihrem Team wissenschaftsbasierte und individuelle Ernährungsprogramme, die exakt auf den Nährstoffbedarf des Kunden zugeschnitten sind und somit deren persönliche Ziele effektiv erreichen lassen. Zudem kreiert sie Rezepte, die zeigen, wie lecker, einfach und modern gesunde Ernährung sein kann. Viele davon hat sie in ihrem ersten Buch „Low Carb typgerecht“ vorgestellt. Im Februar 2018 folgt die Fortsetzung mit einem zweiten Buch.

 

Auch eigene Produkte hat sie bereits auf den Markt gebracht, die die gesunde Ernährung noch einfacher machen. Für Marina geht es um das, was dahinter steckt. Und das war bei ihr schon immer so. Wissenschaft war für Marina bereits als Kind und Jugendliche die große Leidenschaft. Sie wollte nicht wissen, WAS passiert, sondern WIE etwas passiert. Das große Interesse galt dann schnell dem menschlichen Körper und seinem Stoffwechsel. Während ihres Studiums arbeitete sie zudem in einem Labor des DZNE sowie in der neurologischen Abteilung eines Klinikums. Ihre Abschlussarbeit an der TU München hat sie über „Ketogene Stoffwechsellagen und Ketogene Diäten“ geschrieben. Marina ist leidenschaftliche Ernährungswissenschaftlerin, die stets neugierig und wissbegierig ist, um somit auch weiterhin alle neuesten Erkenntnisse aus der Ernährung ein- und umsetzen zu können. Durch ihre Erfahrungen, die sie nebenher als Wissenschafts-Journalistin sammeln konnte, ist sie in der Lage, komplexe Inhalte verständlich und auf Augenhöhe mit ihren Kunden widerzugeben.

Ketogene Ernährung – die Anfänge

Nein, die Ketogene Diät ist keine neumodische Erscheinung zum Abnehmen. Sie ist keine Crash-Diät und kein vorübergehender Trend.

Obwohl oft Atkins als Vorreiter einer fettreichen und kohlenhydratreduzierten Diät genannt wird, gab es diese Form der Ernährung bereits lange bevor Robert Atkins in den 70er Jahren sein Diätbuch auf den Markt brachte.

Zweifelsohne lässt sich mit einer solchen Ernährungsform – richtig angewandt – sehr gut Gewicht reduzieren. Ihre Ursprünge hat die Ketogene Diät allerdings nicht in der Abnehm-Szene, sondern in der Medizin.

Die Ketogene Diät wird seit nahezu einhundert Jahren zur Therapie von Epilepsie im Kindes- und Jugendalter angewandt. Bereits im Altertum stellte man fest, dass Fasten die Anfallshäufigkeit bei Epilepsieerkrankten vermindern konnte. Im 5. Jahrhundert vor Christus vermerkte der griechische Arzt Hippokrates in seinen Aufzeichnungen, dass sich der Zustand von Patienten besserte, wenn sie komplett auf Nahrung verzichteten. Dieses Wissen wurde über lange Zeit nicht genutzt.

Erst im 20. Jahrhundert fand diese Beobachtung wieder Beachtung in der Medizin.

1911 veröffentlichten die französischen Mediziner Guillaume Guelpa und Auguste Marie eine wissenschaftliche Arbeit über die Wirkung des Nahrungsverzichts bei Epilepsie: “La lutte contre l’épilepsie par la désintoxication et par la rééducation alimentaire” („Der Kampf gegen die Epilepsie durch Entgiftung/Entzug und Ernährungs-Umerziehung“).

 

Das Fasten konnte man aber nicht unendlich lange beibehalten. Sobald man es unterbrach, kamen die Anfälle zurück. Darum suchte man nach einer Methode, mit der man die biochemischen Effekte des Fastens nachahmen konnte, ohne komplett auf Nahrung verzichten zu müssen.

 

1921 führte der amerikanische Arzt Russell M. Wilder an der Mayo Clinic in Minnesota zum ersten Mal eine Ketogene Diät an Patienten im Kindes- und Jugendalter durch. Er war es, der den Begriff „Ketogene Diät“ (engl. ketogenic diet) prägte. Diese Diät führte ebenso wie das Fasten zu einer Anfallsreduktion. Ihr Vorteil war, dass sie die Versorgung des Patienten mit Energie und Nährstoffen möglich machte.

Eine Ketogene Diät imitiert die Effekte des Fastens. Durch die starke Reduktion der Kohlenhydrate und eine nur mäßige Proteinaufnahme stellt der Körper auf eine Art Fastenstoffwechsel um.

Ketonkörper werden gebildet, die wichtige Organe und Gewebe – wie etwa Herzmuskel und Gehirn – mit Energie versorgen.

 

Nach den Erfolgen von Russel M. Wilder wurde die Ketogene Diät an der Mayo Clinic als reguläre Behandlungsmethode bei Epilepsie im Kindes- und Jugendalter angewandt und verbreitete sich über ganz Amerika. Mit der Entwicklung von Medikamenten gegen Epilepsie trat diese Diätform allerdings zunehmend in den Hintergrund und wurde jahrzehntelang nur noch als allerletzte Möglichkeit gesehen. Es galt als kompliziert und wenig schmackhaft, eine Ketogene Ernährung dauerhaft zu verfolgen. Obwohl auch an jungen Erwachsenen vielversprechende Studien vorlagen, hielt man die Diät für „nicht zumutbar“ für einen erwachsenen Menschen.

 

Damalige Ernährungspläne für eine Ketogene Diät sahen auch alles andere als appetitlich aus. Da gab es morgens beispielsweise ¼ Stück Toast mit Erdnussbutter und Margarine. Richtig gelesen – Toast! In der medizinischen Anwendung der Ketogenen Ernährung wurde nur auf die Gesamt-Kohlenhydratmenge geachtet, nicht auf eine sinnvolle Wahl der Zutaten. Um eine ausreichende Fettzufuhr zu gewährleisten wurde das Mini-Toast von einem Glas Magermilch begleitet, aufgefettet mit einem großen Schuss Rapsöl. Dieses Gemisch aus Magermilch und Rapsöl kam in vielen Studien zum Einsatz und wurde regelmäßig zu den Mahlzeiten gereicht.

 

Eine so zusammengesetzte Ketogene Ernährung fand in der Bevölkerung keinen Anklang und wurde auch in der Medizin immer weniger eingesetzt.

 

Erst Atkins brachte eine solche Ernährungsform an die breite Masse – diesmal nicht als medizinische Behandlungsmöglichkeit, sondern als Lifestyle-Diät.

 

Es folgte eine Welle verschiedenster kohlenhydratreduzierter (Low Carb) Ernährungsformen. Dadurch vermutlich mitverursacht, stieg in den 90er Jahren das Interesse der Forschung an der Ketogenen Diät wieder an. Ab etwas 1995 lässt sich bei einer Studien-Recherche eine steigende Anzahl von Publikationen zu diesem Thema finden.

 

Wie genau eine Ketogene Ernährung epileptischen Anfällen entgegenwirken kann, war lange vollends unklar und ist auch heute noch nicht bis ins letzte Detail geklärt.

 

Klar ist aber: Die Ketogene Ernährung und die dabei entstehenden Ketonkörper haben einen großen Einfluss auf den Gehirnstoffwechsel.

Es begann ein Interesse am Einfluss einer Ketogenen Ernährung an anderen Erkrankungen des Gehirns. Insbesondere bei neurodegenerativen Erkrankungen waren vielversprechende Beobachtungen gemacht worden.

 

Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose und ALS gerieten in den Fokus der Wissenschaft. Eine positive Wirkung der Ketogenen Ernährung war immer wieder auf ähnliche Wirkmechanismen zurückzuführen
» verbesserter Energiestoffwechsel (Energieversorgung durch Ketonkörper statt Glucose)
» mitochondriale Biogenese
» Verringerung oxidativen Stresses
» Einfluss auf Neurotransmittergleichgewicht
» Antiinflammatorische Effekte
» Neuroprotektion

 

Im Vortrag wollen wir uns diese Effekte im Detail ansehen und feststellen, ob sich auf der Grundlage dieser Wirkmechanismen auch positive Effekte für den gesunden Menschen ableiten lassen.

Die Vortragsfolien sind online hier zu finden.

 

Lesen Sie zum Thema ketogene Ernährung unter anderem auch den Beitrag „Ketogene Ernährung hilft bei Mangelernährung“.

 

Sie suchen den Weg in ein leichteres, gesünderes und glücklicheres Leben? Dann schauen Sie hier.

 

www.LCHF-Deutschland.de

 

Titelbild: shutterstock

 

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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