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Im Interview: Prof. Dr. med. Jörg Spitz

Professor Dr. med. Jörg Spitz stellte im Rahmen des 2. Low Carb – LCHF Kongress in seinem Vortrag die Frage “Vitamin D und Fett – an den Haaren herbeigezogen?“

 

Prof. Dr. med. Jörg Spitz

1979 – 2004 Leitender Arzt für Nuklearmedizin am Städtischen Klinikum (HSK) in Wiesbaden mit apl. Professur an der JoGu Universität in Mainz seit 1997.

2004/2005 Weiterbildung in Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin als Beginn einer neuen „Karriere“, deren Ziel die Entwicklung und Umsetzung praktikabler Präventions-Maßnahmen im Rahmen eines Konzeptes zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge zum Ausgleich des „Natur-Defizit-Effektes“ ist. Zur Förderung dieses Zieles wurden weitere Projekte entwickelt und umgesetzt:

2007 – 2011 Herausgabe von mehreren Büchern über Vitamin D und Beginn einer deutschlandweiten Seminar- und Vortragstätigkeit sowie Durchführung fachübergreifender Konferenzen über „Vitamin D“.

2009 Gründung der gemeinnützigen „Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention“ (www.dsgip.de) und Entwicklung der ganzheitlichen „Spitzen- Prävention“.

2013/2014 Entwicklung und Aufbau von Informationspor-talen für Patienten mit Multipler Sklerose (www.lsms.info und www.lifesms.wordpress.com). 2014 Gründung der „Akademie für menschliche Medizin und evolutionäre Gesundheit GmbH“ und jährliche Veran-staltung des „Kongresses für menschliche Medizin“ an der Universität Frankfurt.

2015/2016 Konzeptentwicklung „Betriebliches Gesundheitsmanagement“(BGM) und „Regionales Gesundheitsmanagement“ (RGM).

Interview mit Prof. Dr. med. Jörg Spitz

Lieber Herr Professor Spitz, im Anschluss an Ihre erste Karriere als Nuklearmediziner haben Sie sich der Gesundheitsvorsorge gewidmet? Was war der Auslöser dafür?

Ein Artikel in der internationalen Zeitschrift „Lancet“ im Jahr 2004, in dem darauf hingewiesen wurde, dass 2005 weltweit rund 50 Millionen Menschen sterben werden. Da-von zwei Drittel an chronischen Krankheiten, und dass man die Hälfte dieser Toten einsparen könne, wenn wir einen anderen Lebensstil hätten. Dies klang so unglaublich, dass ich begann, in den wissenschaftlichen Datenbanken zu „surfen“, um diese Aussage zu überprüfen. Dabei habe ich so eindrucksvolle Fakten gefunden, dass für mich unmittelbar feststand, dieses Wissen weiter zu verbreiten.

 

Sie haben das Konzept der „Spitzen-Gesundheit“ entwickelt, erzählen Sie uns bitte etwas darüber.

Zunächst habe ich mich schwerpunktmäßig mit der „Prävention“ beschäftigt, musste dann jedoch einsehen, dass fast alle nur davon reden, ohne wirklich etwas zu bewegen. In diese Kette von „Versagern“ möchte ich mich nicht mehr einreihen. Daher habe ich das Konzept der „Spitzen-Gesundheit“ entwickelt, das geeignet ist, sowohl die gesunden Menschen gesund zu erhalten als auch die chronisch Kranken wieder gesünder zu machen.

Das Prinzip der „Spitzen-Gesundheit“ beruht darauf, dass wir dem Körper wieder diejenigen Ressourcen zukommen lassen, die er benötigt, um seine evolutionären Potenziale zu entfalten – zu denen auch die Gesundheit gehört. Der Umwelt kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da sie dafür verantwortlich ist, dass uns während der Evolution alles zur Verfügung stand, was wir benötigten, um zu dem zu werden, was wir Menschen heute sind. Dies kann unsere heutige, technisch veränderte Umwelt nicht mehr leisten – angefangen von der industriell veränderten Nahrung über die fehlende Bewegung bis hin zu den problematischen so-zialen Beziehungen in unserer Gesellschaft.

Zusätzlich muss die Schadstoff-Exposition reduziert werden und dazu gehören – ob man es glaubt oder nicht – zahlreiche industriell gefertigte Nahrungsmittel – von der Kohlenhydrat- Intoxikation ganz zu schweigen. Verfügt das „System-Mensch“ wieder über die nötigen Ressourcen, kann es seine Steuerung wieder koordinieren und sich selbst regenerieren. Dieses Prinzip habe nicht ich erfunden, vielmehr hat man es im Altertum schon erkannt und den „inneren Arzt“ genannt – übrigens, der einzige Arzt, der wirklich heilen kann.

Sie haben sicher noch viele Visionen, welche sind das?

Ja, sicherlich mehr als ich in meinem Leben noch umset-zen kann. Ein besonderes Anliegen ist mir die zukünftige Anwendung der Prinzipien der „Spitzen-Gesundheit“ auf die Zeit zu Beginn des Lebens, d. h. die Schwangerschaft und die ersten Kinderjahre. Die neuesten Forschungen zeigen, dass die Basis für einen großen Teil der Krankheiten, die uns im Alter quälen, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gelegt wird – und umgekehrt auch verhindert werden kann.

 

Sie sind einer der führenden Vitamin-D-Spezialisten. Kann ein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel verhindern, dass wir krank werden?

Vitamin D ist eine der wesentlichen evolutionären Ressourcen, von denen ich gesprochen habe. Niemand fällt gleich tot um, wenn er über zu wenig Vitamin D verfügt. Aber das ganze „System-Mensch“ funktioniert deutlich schlechter und wird auf Dauer krank, wenn ein Mangel an Vitamin D vorliegt. Leider ist der größte Teil der Bevölkerung von diesem Mangel betroffen. Eine aktuelle Studie an 11– bis 13-jährigen Wiener Schulkindern zeigt, dass selbst am Ende des Sommers lediglich 10 % dieser Kinder über einen normalen Vitamin-D-Spiegel >30ng/ml verfügen. In den folgenden Wintermonaten sinkt dieser Anteil auf unter 1%: Was dieser Umstand für die Gesundheit der Bevölkerung auf Dauer bedeutet, vermögen wir derzeit nicht abzuschätzen, da es so etwas früher nicht gegeben hat.

 

Wie lautet Ihre Dosierungsempfehlung für die Supplementierung von Vitamin D?

Die Basisformel lautet: 4000 IE Vitamin D täglich bei 70 kg Körpergewicht. Wer aus seiner Schulzeit noch den Dreisatz beherrscht, kann auf dieser Basis alle erforderlichen Do-sierungen für junge und alte, dicke und dünne Menschen berechnen. Da die Ursache für den Mangel unser ganzjährig falscher Lebensstil ist, kann man diese Dosierung auch ganzjährig beibehalten.

 

Welchen guten Rat möchten Sie unseren Kongressteilnehmern mit auf den Weg geben?

Versuchen Sie, Ihrem Körper wieder möglichst viele dieser evolutionären Ressourcen zu bieten. Dies gelingt in einer gesunden Umwelt eher, denn wer in einer gesunden Umwelt lebt, lebt automatisch gesund, da sie die Ressourcen automatisch zur Verfügung stellt. Während wir auf die „große Umwelt“ als Einzelperson kaum Einfluss nehmen können, gelingt dies im unmittelbaren Umfeld schon eher. Die Menschen dabei zu unterstützen ist der Gegenstand einer weiteren Vision von mir: das regionale Gesundheitsmanagement, in dem mehrere Personen und Institutionen gemeinsam Einfluss auf die Gesundheitsparameter ihrer Region nehmen.

 

Was macht der Privatmensch Jörg Spitz gerne?

Im Wald spazieren gehen und staunen, was die Natur so alles kann.

 

Lesen Sie dazu auch dazu auch den Beitrag Vitamin D – Wieder nur ein Hype? Die Bücher von Professor Dr. Jörg Spitz können Sie bequem hier bestellen.

 

www.LCHF-Deutschland.de

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britta.wingartz@dvs-hg.de

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