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Richtig essen – statt vergessen

Essen

Heute haben wir aus der Serie „Fette Wissenshäppchen“ einen weiteren Beitrag von Ulrike Gonder für Sie. Auf verständliche Art und Weise bringt sie Ihnen wertvolle wissenschaftliche Informationen näher und heute geht es um eine aktuelle Studie über milde kognitive Einschränkungen und wie wichtig es ist, richtig zu essen.

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Fette Wissenshäppchen

Ulrike Gondervon Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

 

Richtig essen, statt vergessen: Eine ketogen modifizierte mediterrane Ernährung verbessert bei Patienten mit milden kognitiven Beeinträchtigungen das Mikrobiom und Demenz-relevante Biomarker

 

Quelle: Nagpal, R et al.: Modified Mediterranean-ketogenic diet modulates gut microbiome and short-chain fatty acids in association with Alzheimer’s disease markers in subjects with mild cognitive impairment. EBioMedicine. 2019;47:529-542, online publiziert am 30.8.2019

 

Eine mediterrane Ernährung hat sich mehrfach als günstig für die Gehirngesundheit erwiesen. Allerdings gibt es verschiedene Ansichten und „Definitionen“ einer mediterranen Kost. So gehen Fleisch und Milchprodukte oft überaus negativ, Getreide und Hülsenfrüchte dagegen äußerst positiv in die Bewertung der Ernährungsweise ein. Die Demenzforscherin Martha Morris vom Rush Universitätsklinikum in Chicago modifizierte daher die Scores, anhand derer in Studien beurteilt wird, ob sich jemand mediterran ernährt. Sie gestaltete den Score für Ihre Studien unter anderem getreide- und kohlenhydratärmer. Und fand, dass das Einhalten dieser modifizierten mediterranen Ernährungsform noch besser mit einem geringeren Alzheimerrisiko korrelierte als andere Varianten (Morris, M et al.: Alzheimers Dement 2015;11:1007-1014). Amerikanische Forscher gingen nun noch einen Schritt weiter und untersuchten den Einfluss einer ketogenen Variante der mediterranen Ernährung und zwar auf Marker der Hirngesundheit und auf das Mikrobiom.

 

Was wurde gemacht?

In ihrer randomisierten, doppeltblinden Pilotstudie aßen 17 ältere Probanden, von denen 6 kognitiv unauffällig waren und 11 milde kognitive Einschränkungen aufwiesen (MCI, Mild Cognitive Impairment, einer Vorstufe der Alzheimer-Demenz) jeweils sechs Wochen lang nach den Vorschriften der amerikanischen Herzgesellschaft (AHA-Diät, max. 40 g Fett/Tag) sowie eine relativ proteinreiche, ketogene mediterrane Kost (KMed-Diät), die maximal 20 g Carbs enthalten und deren Kalorien zu 60-65 Prozent aus gesunden Fetten stammen sollten. Die Teilnehmer erhielten Pläne und Rezepte sowie in der KMed-Gruppe zusätzlich natives Olivenöl. Zwischen den beiden Diätphasen lag eine sechswöchige Pause.

 

Was kam heraus?

  • In Stuhluntersuchungen zeigte sich zu Beginn kein Unterschied in der Vielfalt der Darmbewohner. Allerdings unterschied sich deren Zusammensetzung. So beherbergten Probanden mit MCI mehr Firmicuten, dafür aber weniger Bacteroideten, was auf eine Dysbiose hinweist.
  • Die Verteilungen im Stuhl-Mikrobiom korrelierten mit verschiedenen Biomarkern für eine Alzheimer-Erkrankung in der Rückenmarksflüssigkeit (CSF) der Probanden.
  • Beide Diäten beeinflussten das Mikrobiom, und zwar unterschiedlich und unterschiedlich intensiv bei kognitiv normalen und eingeschränkten Personen.
  • Beide Diäten beeinflussten die Menge an Milchsäure (Laktat) und kurzkettigen Fettsäuren (Acetat, Propionat und Butyrat) im Stuhl unterschiedlich. Beispielsweise stieg der Butyratgehalt im Stuhl unter der KMed-Diät an, bei AHA-Diät sank er. Butyrat ist u. a. für seine nerven- und darmzellschützenden Effekte bekannt. Es entsteht im Darm aus fermentierbaren Ballaststoffen.
  • Veränderungen im Mikrobiom korrelierten mit der Menge an unerwünschten Amyloid- und Tau-Proteinen in der Rückenmarksflüssigkeit der Probanden.

 

Es handelt sich um eine kleine Pilotstudie, die nicht überbewertet werden darf. Sie deutet aber an, dass die Zusammensetzung sowie Veränderungen des Mikrobioms und deren Korrelation mit Biomarkern in der Rückenmarksflüssigkeit zur Früherkennung, Diagnostik oder Verlaufskontrolle einer Alzheimer-Demenz nützlich sein können. Sie deutet auch darauf hin, dass eine ketogene mediterrane Ernährung hirnschützender wirken könnte als eine fettarme Ernährung, unter anderem via Mikrobiom. Mit einer wohl formulierten LCHF-Ernährung scheint man daher auch bei ersten kognitiven Auffälligkeiten auf dem richtigen Weg zu sein.

 

Bücherbummel: Essen! Nicht! Vergessen!

Wie kann man vergessen, zu essen? Manch einer mag sich das Fragen bei dem Buchtitel. Aber wenn man etwas länger drüber nachdenkt, ist einem selbst das bestimmt auch schon passiert. Mir geht es durchaus so, wenn ich viel zu tun habe. Dann vergesse ich zu essen. Was nicht schlimm ist, denn zum einen passiert das nur selten, und zum anderen fällt es dann abends um so stärker auf. Völlig normal und gesund. Was aber, wenn ein Mensch regelmäßig vergisst, zu essen? Spätestens dann wird klar, dass etwas nicht stimmt.

Demenz, vom lateinischen dementia, ohne Verstand, Denkkraft bzw. Besonnenheit seiend‘, oder auch übersetzbar mit „Nachlassen der Verstandeskraft“ ist ein Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt. Das neue Buch von Ulrike Gonder und Dr. Peter Heilmeyer zeigt laut Untertitel Wege auf, wie man das „Demenzrisiko einfach wegessen – oder: Wie die Ernährung vor Alzheimer & Co schützen kann“. Der Gedanke, dass man sich selbst davor schützen kann, bzw. zumindest das Risiko senken kann, sich selbst und andere zu vergessen, weckt Hoffnung. In vier Teilen zeigt das Buch auf, wie das geht.

Teil 1: Alzheimer: auch eine Frage des Lebensstils

Dieser erste Teil des Buches stellt auf 15 Seiten sehr gut verständlich dar, was Alzheimer ist, wie die Krankheit im Gehirn wirkt und was die Auslöser dafür sind. Des Weiteren werden Risikofaktoren aufgezeigt, ebenso, dass im Moment keine Medikamente gegen den Fortschritt der Krankheit wirklich Erfolg haben.

Teil 2: Raus aus der Alzheimer-Falle: richtig essen, statt vergessen

Die Kapitel in Teil 2 des Buches gehen darauf ein, wie unsere Nahrung im Gehirn wirkt. Und es räumt mit alten Vorurteilen auf. Oder wussten Sie, dass Cholesterin für das Gehirn nicht nur wichtig ist, sondern es auch unter anderem aus Cholesterin aufgebaut ist? Das ist nur ein Grund, warum ein Verzicht auf (gutes) Fett eine schlechte Idee ist. Ebenso heißt es immer, dass unsere Schaltzentrale Kohlenhydrate benötigt. Das stimmt so nur bedingt. Und erst recht nicht in der Form, wie sie heutzutage meist zugeführt werden. Die Autoren zeigen auf, warum Demenz auch als Hirn-Diabetes bezeichnet wird, was Insulinresistenz ist und warum sie das Risiko für die Degeneration des Gehirns erhöht. Auch wenn hier und da Fachbegriffe verwendet werden, so sind sie doch immer sehr gut erklärt.

Teil 3: Hirngerecht essen

Aus den ersten beiden Teilen des Buches ergeben sich umfangreiche Anforderungen an die Nahrungsmittel, die uns helfen sollen, das Demenzrisiko zu senken. Sie sollen das Gehirn nicht nur mit allen benötigten Makro- und Mikronährstoffen versorgen, sondern auch entzündungshemmend wirken, sie sollen vor Oixdation unterstützen Weiterhin sollten die Lebensmittel ein möglichst geringes „Verzuckerungspotential“ aufweisen und Blutzucker- sowie Insulinspitzen vermeiden. Das klingt erst einmal sehr viel und aufwändig. Aber mit der LOGI-Methode, einer kohlenhydratreduzierten Ernährung, sind die Punkte sehr gut umsetzbar. Da in dem Buch auch die positiven Wirkungen der Ketonkörper aufzeigt, wird in dem Kapitel auch aufgezeigt, wie der Körper darin unterstützt werden kann, diese produzieren. In der einfachsten und umaufwändigsten Version geschieht dies schon jede Nacht im Schlaf. Vorausgesetzt, das letzte Essen findet nicht zu spät statt. Eine weitere Option ist die sogenannte ketogene Ernährung, die ebenfalls noch einmal vorgestellt wird.

Es sind zusätzlich viele Tipps und Tricks für den Alltag enthalten und auch Fragen wie „was ist mit den Schadstoffen in Fisch“ werden beantwortet. Kurze Listen zum Kohlenhydratgehalt der gängigsten Lebensmittel erleichtern den Einstieg, ebenso eine Übersicht, welche Blutwerte sinnvollerweise bestimmt werden sollten. Denn dann können Defizite bei Vitaminen und Mineralien gezielt aufgefüllt werden und so das Risiko für Demenz (und weitere Krankheiten) weiter gesenkt werden. Sogar ein paar Anregungen für verschiedene Mahlzeiten sind enthalten. Da das Buch aber kein Kochbuch ist, sind diese nur kurz und ohne genaue Zutaten aufgelistet und sollen eher der Inspiration dienen.

Teil 4: Wir haben nichts zu verlieren – aber viel zu gewinnen

In dem kürzesten Abschnitt des Buches geht es darum, das auf den vorherigen Seiten erworbene Wissen zu vertiefen. Es werden Quellen und Leseempfehlungen gegeben zu Büchern, Fachartikeln, Internetseiten, Blogs sowie Bezugsquellen für einige Nahrungsmittel.

Fazit: Lesen nicht vergessen!

Das Buch ist sehr lesenswert für jeden, der seine Gesundheit verbessern oder erhalten möchte. Hier wird Fachwissen leicht verständlich vermittelt und bei den Empfehlungen ist klar, warum diese so rum und nicht anders erfolgen. Die Verbindung zwischen Lebensmitteln und Wirkweisen auf das Gehirn ist sehr gut verständlich. Der Lesefluss ist sehr angenehm, die eingebundenen Grafiken einfach gehalten, so dass sie nachvollziehbar sind. Für das Buch gilt eindeutig: Lesen nicht vergessen!

 

Einkaufstipp:

Die Rezension war überzeugend? Dann kaufen Sie das Buch direkt beim Verlag.

 

Vielen Dank für diesen Bücherbummel, liebe Miriam Hoffbauer.

 

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