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Soja – Supereiweiß oder nicht zum Verzehr geeignet?

In unserer zweiten Online-Ausgabe des Low Carb – LCHF Magazins, hat Ruth Kritzer diesen Artikel geschrieben. Am 26.07.2016 ist sie von uns gegangen. Mit diesem Artikel wollen wir ihrer gedenken. Einer Frau, für die Ernährung und Gesundheit stets eine Rolle gespielt hat und die besonders auf  die LOGI-Ernährung spezialisiert war. RIP

Soja – Supereiweiß oder nicht zum Verzehr geeignet?

von Ruth Kritzer († 26.07.2016)

Der Mensch braucht zum Überleben Eiweiß. Das wird höchstens von den Frutariern oder den Anhängern der sogenannten Lichtkost bestritten. Aber welches Eiweiß ist das Beste? Hier gehen nun die Meinungen schon erheblich auseinander. In der traditionellen Küche fast jeden Landes finden sich Gerichte, die sowohl pflanzliches als auch tierisches Eiweiß beinhalten.

In jüngster Zeit jedoch finden sich vermehrt Stimmen, die vom Verzehr tierischen Eiweißes – oder gleich ganz vom Verzehr tierischer Produkte – abraten und empfehlen, sich nur von
Pflanzen zu ernähren. Nun bieten Hülsenfrüchte aller Art eine gute Eiweißquelle, aber keine Pflanze vermag – so wie tierische Produkte – das vollständige Aminosäurenprofil anzubieten. Es gilt, clever zu kombinieren. Aber auch Milch und Milchprodukte von Kuh, Ziege oder Schaf werden von einigen Ernährungsrichtungen abgelehnt.

Andererseits erfordert die Zubereitung vieler Gerichte Milch oder Sahne, man isst gerne Joghurt oder Quark in verschiedenen Zubereitungen – und es gibt Menschen, die Milch und
Milchprodukte aufgrund einer ererbten oder erworbenen Laktoseunverträglichkeit nicht vertragen können.

All diesen Menschen wird die Sojabohne und die daraus hergestellten Produkte gerne als idealer Ersatz angeboten. Die Sojabohne, so lesen und hören wir, biete bestes Eiweiß und enthalte überdies kein Cholesterin. Soja findet man außer in Sojamilch, Sojajoghurt etc. inzwischen auch in Kindernahrung und in sehr vielen verarbeiteten Produkten – selbst in Brot, sowie in den Fleischersatzprodukten wie Sojageschnetzeltes, Tofuwürstchen und so weiter. Soja schütze die Gesundheit und würde in Asien sehr viel verzehrt, so sagt man uns. Was ist davon zu halten? In Asien verzehrt man in der Tat Soja. Aber: eher als fermentierte Produkte und das aus gutem Grund.

Unfermentiertes Soja, dazu zählt auch Tofu, enthält viel Phytinsäure, die zu Eisen- und Zinkmangel führen kann und die nur durch langes Fermentieren unschädlich gemacht werden kann – und nicht durch Kochen oder andere Zubereitungsarten, auch der Bio-Anbau hilft dagegen nicht.

SojasauceUnd welche Sojaprodukte sind fermentiert? Sojasauce, Tempeh, Natto, Miso. Von denen hat es in der westlichen Ernährung nur die Sojasauce und bis zu einem gewissen Grad Miso zu einiger Beliebtheit gebracht, die anderen sind für den westlich geprägten Gaumen weniger geeignet.

Soja und Sojaprodukte enthalten Phytoöstrogene. Diese sollen, so hört und liest man oft, vor Brustkrebs schützen. Die Datenlage hierzu ist uneinheitlich. Aber es gibt Hinweise darauf, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit der Menge der aufgenommenen Phytoöstrogene eher steigt als sinkt: Genistin und Genistein können das Wachstum von Brustkrebszellen fördern.

In Kindernahrung gehört die Sojabohne nicht: Bei Kindern, die Sojaformula bekamen und große Mengen an Phytoöstrogenen aufnahmen, setzte die Pubertät früher ein—die Langzeitfolgen für Fertilität (Fruchtbarkeit) und Brustkrebs sind noch nicht bekannt. Soja enthält Goitrogene. Das sind Stoffe, die die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen. In geringen Mengen sind Goitrogene auch in Kreuzblütlern wie Broccoli enthalten. Wer hin und wieder einen Schluck Sojamilch trinkt, hat sicher kein höheres Risiko als derjenige, der einmal pro Woche Brokkoli isst. Wer aber sein Eiweiß hauptsächlich aus Sojaprodukten bezieht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er damit seiner Schilddrüse wohl keinen Gefallen tut.

Mein persönlicher Schluss aus den mir zugänglichen Informationen lautet: ich esse kein Soja und verwende auch keine Sojaprodukte. Ich lese mir beim Kauf verarbeiteter Produkte immer die Zutatenliste durch.

Ich verwende so weit wie möglich Grundprodukte zum Bereiten der Mahlzeiten – und wenn es Fleisch sein soll, achte ich so gut wie möglich darauf, dass es von artgerecht gehaltenen
Tieren kommt. Und die fressen kein Soja – denn die Sojapflanze ist eine Giftpflanze, die sich durch ihre Abwehrstoffe vor dem Gefressenwerden schützen will – und durch ihre Phytoöstrogene die Tiere, die sie fressen, unfruchtbar machen will.

Und ganz zum Schluss zwei kleine Gedanken: wie lange gilt Soja schon als „gesund“? Meine Eltern und Großeltern wussten das noch nicht…

Und der zweite: wenn ein Produkt als besonders „gesund“ beworben wird, werde ich erst mal misstrauisch. Wer weiterlesen will, dem empfehle ich:
http://www.euleev.de/images/EULENSPIEGEL/2008/2008-4_i_web_EULE.pdf

Seit 2014 erscheinen die Low Carb – LCHF Magazine als Printausgaben.

Iris Jansen und Margret Ache/www.LCHF-Deutschland.de

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