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Warum Oma Ernährungslehre egal sein konnte

Oma

Kennen Sie den Spruch: Früher war alles viel besser? Manchmal trifft er zu und manchmal nicht. Für die Ernährung ist er richtig, denn früher war es normal regional und saisonal zu essen. Und es war normal nur zu den Mahlzeiten zu essen. Gehen wir mit unserem Teammitglied Melanie Ryan auf die Reise zu ihrer Oma und das (Ernährungs)Leben dieser Zeit.

 

Warum Oma Ernährungslehre egal sein konnte

 

Wir haben Zugang zu so viel Informationen über gesunde Ernährung: Zeitungen, Bücher, Fernsehen und natürlich das Internet sind voll davon. Oft widersprechen sich die Empfehlungen, und manchmal sind sie verwirrend. Es ist schwer, da noch durchzusteigen und zu wissen, was man denn nun essen soll. Da fragt man sich, wozu man das überhaupt wissen muss. Jahrtausende lang wussten die Menschen überhaupt nichts – naja, wenig – über Ernährung, haben halt einfach gegessen, was es so gab. Zu manchen Zeiten waren sie froh, wenn es überhaupt etwas gab. Sogar unsere eigenen Großeltern wussten nicht allzuviel über Ernährung, aber es scheint ihnen nicht geschadet zu haben. Wieso müssen wir das alles wissen?

 

Meine Oma – zum Beispiel – war nie dick, hatte keinen Diabetes, keine Herzkrankheit und keine Demenz. Sie ist 92 Jahre alt geworden, und bis kurz vor ihrem Tod ging es ihr gut. Ich weiß nicht, wie viel sie über Ernährung wusste. Sie riet mir, meine Möhrchen aufzuessen „für die Augen“ (stimmt!) und den Teller leer zu machen, „dann gibt’s morgen schönes Wetter“ (stimmt nicht!).

 

Oma wurde 1908 geboren und wuchs auf dem Land auf. Ihrem Vater gehörte der Lebensmittelladen („Kolonialwaren“) im Dorf, den Oma später weiterführte, und mit dem auch ich noch aufgewachsen bin. Außer dem Laden hatte die Familie ein Schwein, eine Kuh, zwei Ochsen und ein paar Hühner, einen Gemüsegarten, einen Obstgarten und zwei Kartoffelfelder – und damit waren sie nahezu Selbstversorger. Sie kauften allenfalls Mehl, Zucker, Salz und vielleicht Käse.

 

Alles, was auf den Tisch kam war, „bio“ – etwas anderes gab es ja gar nicht. Nirgendwo. Pestizide waren noch nicht erfunden, die kamen erst nach dem Krieg. Alle Kühe waren „glücklich“ und alle Hühner auch. Massentierhaltung und Legebatterien gab es noch nicht. Es wurde auch alles verwertet, das ganze Tier, wenn eben möglich. Ein altes Huhn, das nicht mehr legte, kam in die Suppe, und meiner Oma war’s egal, ob die Möhren krumm und die Äpfel verschieden groß waren.

 

Alles, was es zu essen gab war außerdem lokal, saisonal und frisch. War der Wirsing morgens noch vor sich hin gewachsen, lag er mittags schon im Suppentopf – frischer geht’s nicht. Auch im Winter wuchs immer irgendwas, und ansonsten wurde auf Eingemachtes oder Fermentiertes zurückgegriffen. Obst und Gemüse hatten Zeit, am Baum zu reifen und ihre Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe aufzubauen. Kurze Transportwege (von ca. 50 Metern) garantierten, dass diese bis zur Verarbeitung auch noch erhalten waren.

 

Der Speiseplan war schlicht und unaufregend. Zum Frühstück gab es Sauerteigbrot mit („guter“) Butter und Marmelade oder Honig, dazu („Bohnen-)Kaffee. Abends wieder Brot mit Butter, Wurst und Käse. Weißbrot und Brötchen gab es, wenn überhaupt, nur zu besonderen Gelegenheiten. Bei uns im Dorf gab es ein Backhaus – ein winziges Backsteinhäuschen mit einem Brotofen, der gemeinschaftlich genutzt wurde. Dorthin schleppte man einmal in der Woche seine zu Hause gekneteten Laibe und backte sie. Für ein ‚vernünftiges‘ Brot brauchte man mehr Hitze als der Ofen zu Hause bieten konnte.

 

Die Hauptmahlzeit gab es mittags, normalerweise Fleisch oder Wurst mit Kartoffeln und Gemüsebeilage, vielleicht mit Sauce. Fisch gab’s selten – es gibt bei uns weit und breit kein Wasser – und wenn, dann war es Hering oder Sardinen aus der Dose. Hin und wieder war das Mittagessen „süß“, dann gab’s Milchreis oder Waffeln. Bei uns wurde nichts weggeworfen, deshalb wurden auch Reste immer wieder verarbeitet: Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat aus den kalten Kartoffeln von gestern, Fleischreste kamen in die Suppe, Gemüse wurde aufgewärmt.

 

Kuchen und Kekse gab’s nur, wenn sie einer (oder eher „eine“) backte. Ich weiß nicht, ob es so etwas schon in unserem Laden zu kaufen gab als meine Oma Kind war, aber ich bezweifele es. In unserem Dorf konnte sich keiner solche Frivolitäten leisten. Wer Kuchen wollte, musste den schon selbst backen. Kekse backten die meisten nur in der Weihnachtszeit. Bei uns gab es jeden Samstag einen selbstgebackenen Kuchen. Der wurde zum Nachmittagskaffee angeschnitten, und wenn man Glück hatte und es kam kein Besuch wurden erst am Sonntag die letzten Krümel vom Teller gelöffelt. Sonst war er bis Samstagabend schon weg, und dann gab’s bis nächsten Samstag keinen mehr.

 

So war das auf dem Dorf, in der Stadt war es natürlich nicht möglich, sich selbst zu versorgen, aber auch da war alles bio, das meiste lokal und saisonal. Schließlich gab es noch keine Flieger, die Avocados und Ananas brachten. Es gab keine Fertiggerichte, keinen Junk-Food, keine Backmischungen, keine endlosen Regale voller Süßigkeiten, keine Mikrowellen, keine gefriergetrockneten Suppen und Saucen, keine Mahlzeit aus einer Fabrik, kein Essen in Plastik. Jedes Mädchen musste kochen lernen – ob sie dazu nun Lust hatte oder nicht. Kochen war – und ist! – eine Lebensfertigkeit, damals wie heute unerlässlich.

 

Sicher, die Diät meiner Oma enthielt wesentlich mehr Kohlenhydrate als uns heute empfehlenswert erscheinen, aber dennoch waren die Leute schlanker, stärker und vitaler als heute. Ich glaube, noch wichtiger als die genaue Makronährstoffkomposition der Ernährung ist die Tatsache, dass die Leute LEBENSmittel gegessen haben, echtes Essen, von der Natur (naja, mehr oder weniger) hervorgebracht. Mir wäre das, was früher bei uns zu Hause auf den Tisch kam heute zu langweilig. An Gewürzen verwendete Oma nur Salz, Pfeffer und Senf, an Kräutern Petersilie und Schnittlauch. Vielleicht war sie auch einfach nicht besonders experimentierfreudig, aber sogar mit dem, was sie an Lebensmitteln zur Verfügung hatte kann man viel machen. Echtes Essen muss nicht langweilig sein. Es gibt hunderte verschiedener Gemüsesorten, und tausende verschiedene Kombinationen echter Lebensmittel.

 

Wenn Sie  das, was Sie über Ernährung lesen und hören verwirrt, gehen Sie einfach erstmal „back to basics“, bevor Sie sich Gedanken machen über bio und nicht-bio, vegetarisch, vegan, Allesesser, Paleo, fettarm, low-carb oder keto … essen Sie erstmal wieder echte Lebensmittel. Wenn Sie zur Zeit noch häufig Fertigprodukte kaufen oder Fast Food essen, dann ist das allein schon ein Riesenschritt – aber einer der sich lohnt, und den Ihre Gesundheit Ihnen danken wird. Machen Sie Ihre  Mahlzeiten selbst. Kochen ist nicht so aufwändig wie Sie denken und das Resultat ist sogar Essen, das besser schmeckt. Wir haben hier hunderte von Rezepten. Fangen Sie gleich morgen an!

 

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Margret Ache und Iris Jansen www.LCHF-Deutschland.de und LCHF Deutschland AkademieLCHF KongressLCHF Magazin,

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