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Typ-1-Diabetes: Ein harter Weg zur Diabetes-Expertin

Hanna Boëthius bekam mit 2 Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes. Ihre Eltern setzten alle Ratschläge und Ernährungsempfehlungen der offiziellen Stellen um, sie wollten, dass es ihrer Tochter gut geht. Das Gegenteil trat ein. Erst nach fast 30 Jahren fand Hanna den Schlüssel für mehr Wohlbefinden und gesundheitliche Stabilität: die LCHF-Ernährung.

 

Beim Low Carb – LCHF Kongress am 17. und 18.02.2018 in Düsseldorf steht Hanna Boëthius als Interviewpartnerin für das Thema Diabetes auf der Bühne.

 

Ein harter Weg zur Diabetes-Expertin

von Hanna Boëthius

Ich war schrecklich müde, schlapp und konnte überall einschlafen. Ich hatte starken Durst und musste immer wieder auf’s Klo. Meine Mutter erkannte ihre Tochter nicht mehr und brachte mich zum Arzt, der bei mir Typ-1-Diabetes diagnostizierte.

 

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Diagnose Typ-1-Diabetes

Meine Erinnerungen an das Krankenhaus sind voller Lücken, schließlich war ich ja erst 2 Jahre alt. Ich erinnere mich aber an den riesengroßen Schrank voller Pyjamas, aus dem ich meinen selber aussuchen durfte. Und an meine Lieblingspuppe, die ich leider nicht mit nach Hause nehmen durfte. Das ist jetzt 31 Jahre her.

 

Typ-1-Diabetes ist eine autoimmune und chronische Krankheit, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Das bedeutet noch heute, dass Typ-1-Diabetiker lebenslang jeden Tag Insulin injizieren müssen, entweder mit Spritzen oder durch eine Insulinpumpe. Typ-2-Diabetiker produzieren noch Insulin, aber die Körperzellen erkennen das nur unzureichend. Typ-2 kann oft mit einer korrekter Ernährung (z.B. LCHF) und Tabletten wie Metformin behandelt werden. Auch hier gibt es bis heute kein Heilmittel, nur verschiedene Behandlungswege.

 

Was haben meine Eltern damals, am Anfang meiner Krankheit, über Ernährung gelernt? Erstaunlicherweise nicht viel anderes als das, was noch heute ein neuer Diabetiker lernt. Nämlich: Kohlenhydrate sind wunderbar, am liebsten Getreide zu jeder Mahlzeit, mindestens 60%. Zu den Mahlzeiten darf gerne Milch getrunken werden. Wenn man Früchte isst, erhält man Bonuspunkte. Essen muss man 6-Mal pro Tag, 3 Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen), und dazu noch 3 Zwischenmahlzeiten, um den Blutzucker stabil zu halten. Vielleicht war das damals so, als die verschiedenen Arten von Insulin nicht so flexibel waren wie heute. Empfohlen wurden viele Kohlenhydrate, ein wenig Eiweiß und ganz, ganz wenig Fett. Fett ist ja gefährlich! Dass Kohlenhydrate genau der Grund sind, der Diabetikern Probleme bereitet, spielte und spielt heute noch keine Rolle.

 

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Insulin ist lebenswichtig

Mit Typ-1-Diabetes zu leben ist immer ein schwieriger Balanceakt, wobei Insulin, Essen, Blutzucker, Aktivität, Laune und manchmal sogar das Wetter berücksichtigt werden müssen.
Damit aufzuwachsen machte ziemlich einsam, obwohl meine Eltern sich sehr bemüht haben, um das Ganze nicht schlimmer als nötig zu machen. Wir versuchten, so weit wie möglich, ein „normales” Leben zu führen. Ich war lange das einzige Kind in meiner Schule, das Diabetes hatte, und wurde oft gehänselt. Ich war ja „anders” und andere Kinder konnten das natürlich nicht verstehen. Meine Eltern haben mir während dieser Zeit geholfen, so gesund wie möglich zu bleiben.

 

Das scheiterte, als ich Teenager wurde und meine Hormone verrückt spielten. Meine früher stabilen Blutzuckerwerte waren weg und ich unfreiwillig auf die Diabetesachterbahn gestiegen. Die Blutzuckerwerte waren mal hoch, tief, oben, unten. Was einen Tag funktionierte, hatte am darauffolgenden Tag keine Wirkung. Für mich war es damals unmöglich, das Ganze zu verstehen.

 

Das war der Start einer 10-jährigen Suche nach dem richtigen Weg für mich. Ich habe alles probiert, um eine dauerhafte Lösung zu finden. Neue Medikamente, neue Präparate, neue Sportarten, neue Diäten. Ich habe sogar ab und zu alles, was mit Diabetes zu tun hatte, komplett aufgegeben, was nicht gerade weiter half. Es machte alles viel, viel schlimmer.

 

Für ein paar Jahre bin ich in einer Limbo zwischen Leben und Tod gewesen. Ich bin öfter rein und raus aus dem Krankenhaus, als ich mich erinnern möchte. Die Versuche, etwas Neues zu probieren, brachten mich ins Krankenhaus. Und keiner konnte mir sagen, wie viel einfacher man mit Diabetes leben konnte.

 

Nach einem beruflichen Burnout habe ich überlegt, was ich wirklich im Leben machen möchte. Ich fing an, mich als Ernährungscoach ausbilden zu lassen. Das hat mir letztendlich das Leben gerettet. Ich kann mich noch erinnern, wie wir alles über Kohlenhydrate und wie sie im Körper reagieren, gelernt haben. Mein Lehrer sagte zu mir, dass ich zweimal über das nachdenken sollte, was ich esse, denn ich konnte ja kein Insulin produzieren! Das war mein Wendepunkt.

 

Konnte es wirklich SO einfach sein? Hätte ich die qualvollen Jahre vermeiden können? Ich war wütend, enttäuscht und traurig. Warum hat mir das niemand früher gesagt?

 

Ich fing an, Kohlenhydrate langsam aus meinem Essen auszuschließen. Zuerst alles, was Gluten enthält, dann Reis, Kartoffeln und alle anderen Getreidearten. Ich fing an, mehr Eiweiß und Fette zu essen. Im Grunde habe ich damals mit Paleo angefangen und bin langsam zu LCHF gewandert. Ich habe das ganz auf eigene Initiative gemacht, ohne die Hilfe von Ärzten, Ernährungsberatern oder Coaching. Das ist vielleicht nicht gerade zu empfehlen, weil es harte Arbeit ist, und ich hätte mich über ein bisschen Hilfe und Zuspruch gefreut. Trotzdem spürte ich sehr schnell, wie viel besser es mir ging. Meine Achterbahn ähnlichen Blutzuckerwerte wurden mit einem Mal besser, so dass sich mein Insulinbedarf nach ein paar Tagen reduzierte, weil ich natürlich weniger blutzuckererhöhendes Essen zu mir nahm.

 

Das ist jetzt fünf Jahre her und das absolut Beste, was ich je für meine Gesundheit, meine Diabetes und mein Leben getan habe. Ich habe in dieser Zeit erstaunliche Ergebnisse erreicht.
Meine Blutzuckerwerte sind jetzt gut zu kontrollieren. Mein HbA1c ist stabil und wesentlich niedriger als vorher. Mein Cholesterinspiegel ist ausgezeichnet, und mein Blutdruck ist auch niedriger. Ich nehme jetzt ca. 20-25% von der Menge Insulin, die ich vorher gespritzt habe. Anstatt Spritzen zu nehmen, habe ich jetzt eine Super-Kombination: eine Insulinpumpe und ein kontinuierlicher aufzeichnendes Blutzuckermessgerät, das mir noch zusätzlich hilft.

 

Heutzutage esse ich sogar abwechslungsreicher und ausgewogener als zu Zeiten mit vielen Kohlenhydraten. Ich esse ca. 30 g Kohlenhydrate pro Tag, aus verschiedenen Arten von Gemüse, weil ich herausgefunden habe, dass das die Höchstgrenze für mein Wohlbefinden ist. Zudem esse ich eine gemäßigte Menge Eiweiß und der Rest meines Essens besteht aus jeder Form von Fett (außer Transfette). Und ich fühle mich wirklich wohler als je zuvor!

 

Heute biete ich anderen Diabetikern Hilfe an, die ihr Leben vereinfachen und verbessern möchten. In meiner Arbeit als Diabetescoach treffe ich fantastische Leute, die erstaunliche Ergebnisse erzielen, schöne HbA1c -Werte und eine bessere und gesündere Lebensqualität erhalten.

 

www.hannaboethius.com

Hier ist ein Interview auf Englisch von Dr. Andreas Eenfeldt, dem schwedischen „Kostdoktor“, mit Hanna Boëthius.

 

Dieser Artikel wurde im Low Carb – LCHF Magazin 2/2016 publiziert.

 

Margret Ache und Iris Jansen /www.LCHF-Deutschland.de und https://low-carb-lchf-kongress.de/

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info@lchf-deutschland.de

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