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LCHF bei Krebs – Eine Erfolgsgeschichte

IMG_0980Mein Weg mit der ketogenen Ernährung bei Krebs
und warum mir ketogen allein nicht reicht
von Heike Mohrdieck aus dem Low Carb – LCHF Magazin 1/2015

Im Spätsommer 2012 bemerkte ich zum ersten Mal so ein Ziehen im Bauch. Nicht schlimm, aber bemerkbar. Ok, wenn es nicht weggeht, lasse ich mal die Gynäkologin drauf schauen, dachte ich mir und schob das Thema beiseite. Schließlich hatte ich eine Menge anderer Dinge vor, Reisen zum Beispiel. Eine Woche Dänemark und dann die Fahrt mit dem Postschiff ans Nordkap.
Fünf Tage vor der Abreise nach Dänemark habe ich dann aus einer Eingebung heraus eine Kollegin, die Bauchchirurgin ist, gebeten einmal zu schauen, ob ich nicht eine chronische Blinddarmreizung habe, die dann auf dem Schiff ernst werden könnte.
Die Kollegin guckte, besorgte mir einen Termin zur Darmspiegelung, und zwei Tage später wurde mir gesagt: „Das ist ein Sch….befund, riesiger Tumor, wir haben für Sie ein Bett im Krankenhaus und einen Operationstermin besorgt. Wenn Sie möchten, dürfen Sie jetzt telefonieren.“

 

Knall! Ich einen Tumor? Fehldiagnose! Habe ich mich nicht zeitlebens gesund ernährt? Habe ich nicht immer Fett vermieden und reichlich gesunde Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe gegessen? Habe ich nicht immer Sport getrieben und auf mein Gewicht geachtet?

 

Es nutzte nichts, der Tumor war da und das nicht erst seit gestern. Wäre ich in den Urlaub gefahren, mein Mann hätte mich, so die Aussage der Chirurgin, nur tot nach Hause gebracht. Der Tumor hatte den Darm fast völlig verschlossen. Es folgte die Operation, die ich erstaunlich gut wegsteckte. Danach war der Dickdarm bis auf einen mickrigen Rest weg. Bereits nach kurzer Zeit wurde ich entlassen mit der Maßgabe: „Essen Sie, was Ihnen schmeckt.“ So tat ich es dann auch, nach denselben Regeln wie zuvor.

 

Bereits nach kurzer Zeit fand ich mich dann mit einem Darmverschluss im Krankenhaus wieder. Na toll, Rohkost ist also doch nicht gut! Bei der folgenden onkologischen Kontrolle begannen meine Tumormarker wieder zu steigen und bei der nächsten waren sie bereits bedenklich hoch.

 

Eine adjuvante Chemotherapie sollte gemacht werden, einen manifestierten Tumor fand man jedoch nicht, trotz aller erdenklichen Untersuchungsmethoden. Da seien Krebszellen, die sich noch nicht manifestiert hätten, erklärte die Onkologin und diese wolle man jetzt per Chemo zum Absterben bringen.
Ich bin ein Angsthase, was die Einnahme von Medikamenten betrifft, so bat ich Bedenkzeit und begann augenblicklich via Internet über Alternativen zur Chemotherapie zu recherchieren. Was ich alles fand, glaubt man nicht. Viele Menschen wollen mit dem Verkauf merkwürdiger Mittel Kranken das Geld aus der Tasche ziehen.

 

Was ich aber auch fand, war die Studie der Universität Würzburg zur ketogenen Diät bei Krebs. Ich las und las und las. Ich las über Otto Walburgs Studien. Ich besorgte mir das Buch „Krebszellen lieben Zucker, Patienten brauchen Fett“, nahm es mit in den Urlaub nach Schweden und las ununterbrochen; folgte Verweisen und las, ziemlich mühsam, englischsprachige Studien. All das überzeugte mich und ich dachte, wo noch kein Tumor ist, sondern mit Glück nur kranke Zellen, reicht es vielleicht, sie „auszuhungern“. Meine Entscheidung war gefallen: Keine Chemo, keinen Zucker mehr. Von heute auf morgen stellte ich mitten in Schweden meine Ernährung um, 10-15 g Kohlenhydrate pro Tag wollte ich mir gönnen, mehr nicht. Gut, dass ich Urlaub hatte, die Umstellung forderte ihren Tribut. Müde und kraftlos verbrachte ich fast eine Woche beinahe ausschließlich im Liegestuhl. Danach ging es mir erstaunlich gut.

 

Mein Mann hatte seine liebe Not mit mir, denn von jetzt auf gleich habe ich nichts mehr von dem gegessen, was wir so als Campingverpflegung mitgenommen hatten. Weder Nudeln, Reis noch irgendwelche Fertiggerichte. Es war schwierig, aber nicht unmöglich. Fleisch, Fisch und Blumenkohl mit viel Butter sowie Eier in allen Varianten waren die in diesem Urlaub meistgegessene Mahlzeit.

 

Wieder zuhause angekommen wurde ich Mitglied im LCHF-Forum und in der LCHF-Deutschland-Facebook-Gruppe sowie in anderen Low-Carb-Gruppen. So „traf“ ich Christiane Wader und bald darauf wurde die „Keto bei Krebs-Gruppe“ ins Leben gerufen. Hier muss man ganz klar sagen, ich profitierte nun, und tue es heute noch, von den Erfahrungen und der Kreativität anderer, was die Abwechslung in der Küche betraf. Anfangs war das Spektrum doch sehr begrenzt, erweiterte sich aber schnell. Wie lecker war doch Butter! So lange hatte ich mich mit fettreduzierter Margarine herumgequält. Und erst knusprig gebratener Bacon, Sahne und griechischer Joghurt, Mascarpone und fetter Käse. Ich entdeckte Geschmackswelten, die ich lange nicht mehr erobert hatte. Und was man mit Gemüse alles machen konnte: Zucchinispaghetti, Bratkartoffeln aus Pastinaken, Selleriekartoffeln, Blumenkohlpüree.

 

Gleichzeitig legte ich mir einen Vorrat an verschiedenen Mehlen und Ölen zu: Leinsamenmehl, Mandelmehl und Sojamehl, Leinöl und gutes Olivenöl. Ich verbannte alles aus der Küche, was nicht ins Konzept passte. Ich bin ein sehr konsequenter Mensch, wenn ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, ziehe ich sie durch. Dank an meinen Mann, der das von Anfang an nicht in Frage gestellt hat.

 

Damit immer alle Werte stimmten, wog ich absolut alles ab, was ich aß und richtete mir einen Account bei FDDB.de ein. Ich begann, meine Tage essenstechnisch vorauszuplanen, um zu sehen, wo ich mir eventuell noch etwas gönnen kann bzw. etwas ändern muss. Besonders beim Eiweiß fand ich es anfangs schwierig, nicht über das Ziel von 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht (Angabe von Frau Prof. Kämmerer) hinauszuschießen. Ich besorgte mir Ketostix und ein Messgerät für die Ketonkörper im Blut.

 

Dennoch war mir ein wenig mulmig vor dem nächsten Termin bei der Onkologin. Hatte es nun irgendwas gebracht, die Kohlenhydrate wegzulassen? Was war mit den anderen Blutwerten? Cholesterin, Leberwerte, Lipide mussten sich doch nun negativ verändert haben.

 

Zu meinem großen Erstaunen war alles Bestens. Alle Werte im supergrünen Bereich und, was nun wirklich das Wichtigste war, die Tumormarker, zuvor viel zu hoch, hatten sich halbiert und lagen nur noch knapp über der Normgrenze. Wenn das nun kein Erfolg war!

 

Nachdem ich meinen ersten Erfolg verzeichnen konnte, vertiefte ich mich immer weiter in das Thema Ernährung. Ich witterte weiteres Unheil. Schließlich wusste man bereits seit den 1920er Jahren von dem Zuckerhunger der Tumore. Der Nobelpreisträger Otto Warburg machte damals schon diese Entdeckung, die leider zu wenig Beachtung fand. Gab es also noch andere Dinge, die man uns verschwieg?

 

Ich kaufte mir alle Bücher, von denen ich immer gelesen hatte, „Weizenwampe“, „Pur, weiß, tödlich“, „Köstliche Revolution“ und u.a. die Bücher von Hans-Ulrich Grimm. Nach dieser Lektüre beschloss ich, ebenfalls von heute auf morgen, ketogene Ernährung allein reicht nicht, diese ganzen krankmachenden Zusatzstoffe aus der Chemieküche mussten weg. Die strengen Grundsätze der LCHF-Ernährung nach schwedischem Vorbild erschienen mir immer sinnvoller. Und wiederum hatte es mein Mann nicht leicht, denn ich studierte von nun an jede Lebensmittelverpackung, ging nicht mehr ohne Brille einkaufen, warf eine ganze Batterie von Lebensmitteln von heute auf morgen aus dem Programm und nein, ich aß nicht die vorhandenen Bestände zuerst auf, und kaufte von nun an anders ein. Ich fand nach einer Weile einen Metzger, der selbst schlachtet und wurstet und dafür nur Rinder aus Weidehaltung von den hiesigen, schleswig-holsteiner Bauern kauft. Gemüse gibt es nur noch frisch vom Markt und die Eier aus Bio-Freilandhaltung. Sahne mit Carrageen musste weichen, und viele andere Dinge auch. Sojamehl wurde wieder verbannt, ebenso Süßstoffe. Wir kaufen seitdem ganz anders ein als früher, aber unter dem Strich wahrscheinlich nicht viel teurer, einfach weil wir Vieles gar nicht mehr kaufen.

 

Seitdem sind knapp 2 Jahre vergangen und es geht mir nach wie vor gut. Von Chemotherapie ist zur Zeit keine Rede mehr und meine Untersuchungsintervalle sind von 3 auf 6 Monate ausgedehnt worden. Ich hoffe sehr, dass es so weiter geht und ich 2017 die magische Grenze von fünf tumorfreien Jahren knacke. Anfangs habe ich immer gesagt, dass ich dann eine Pasta-Party steigen lasse, heute glaube ich nicht mehr, dass ich das tun werde. Ich denke, dass LCHF genau die richtige Ernährungs- und Lebenseinstellung für mich ist. Ich fühle mich gut und gesund dabei und meine Untersuchungsergebnisse bestätigen das.

 

Sicher schaut mein Umfeld manchmal etwas konsterniert, wenn ich über meine Art zu essen erzähle. Aber ich rede gerne über die Vorteile dieser Ernährung und werde auch nicht müde, andere zu reformieren. Immerhin habe ich so eine Kollegin zu minus 20 Kilogramm Gewicht geführt, eine Weitere ist nur durch den Verzicht auf Weizenprodukte ihre Migräne losgeworden, eine Dritte hat sich angeschlossen und trägt nun zwei Kleidergrößen kleiner.

 

Da wir sehr viel unterwegs sind, ist es für mich wichtig, auch auf Reisen meine Ernährung einhalten zu können. Erstaunlicherweise habe ich auf Urlaubsreisen und in Hotels und Restaurants bisher keine Probleme gehabt, man ging eigentlich immer auf meine Sonderwünsche ein.

 

Heike Womans RunSportlich verzeichne ich keine besonderen Einbußen. Fitnessstudio, Laufschuhe und seit Kurzem auch Walkingstöcke sind meine ständigen Begleiter. Mit strikt ketogener Ernährung habe ich 2013 den Elberadwanderweg per Fahrrad gemacht, 700 km von der tschechischen Grenze bis zu den Hamburger Landungsbrücken in 7 Tagen und immer gegen den Wind.

 

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Nach wie vor bin ich erschüttert über das, was immer noch von den Ärzten empfohlen und von Ernährungsberatern an Krebspatienten vermittelt wird. Ich durfte eine solche Ernährungsberatung „erleben“, da meine Onkologin mit der ketogenen Ernährung meine Abmagerung und völlige Mangelernährung voraussagte. Seitdem reden wir nicht mehr über das Essen. 😉

 

Übrigens, das Unverständnis und die Empörung über die geld-, staats- und mediengesteuerte „Volksverdummung“ in Sachen Fettangst und „gute Kohlenhydrate“, „Five a day“, Diabetestherapie, Vollkornprodukte, Fruchtzucker und vieles mehr haben mich bewogen, eine Ausbildung zum Ernährungscoach zu machen. Diese ist nun bald abgeschlossen und dann plane ich, mein erworbenes Wissen und meine Erfahrung offiziell jedem zu vermitteln, der daran interessiert ist.

 

Herzlichst Ihre Heike Mohrdieck

 

 

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