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Lust auf Fett? – Aber natürlich!

Lust auf Fett? – Aber natürlich!
von Dr. Sabine Paul

Menschen lieben Fettreiches. Aber woher kommt diese Lust?

Wer in der Menschheitsgeschichte zurückreist, kommt der Sache schnell auf die Spur. Unsere Vorfahren lebten etwa zwei Millionen Jahre als Jäger und Sammler. Für ihr Überleben waren energiereiche Nahrungsmittel entscheidend. Da Fett etwa doppelt so viel Energie enthält wie Eiweiß und Kohlenhydrate, aber fettreiche Nahrungsquellen eher schwierig zu bekommenwaren, war Fettreiches sehr begehrt.
Ein zweiter Aspekt erhöhte den Fettbedarf: Das Gehirnvolumen nahm im Lauf der Evolution zu. Neue Hirnregionen wurden ausgebildet, mit einer hohen Vernetzung und Aktivität der Nervenzellen. Dies braucht viel Energie. Unser Gehirn macht nur zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht jedoch in Ruhe schon 20 Prozent der Energie. Gehirnzellen bestehen (abzüglich Wasser) zur Hälfte aus Fett. Sind die richtigen Fettsäuren eingelagert, so wird dadurch auch der Informationsfluss und damit die Gehirnleistung verbessert. Daher hatten diejenigen unserer Vorfahren einen Überlebensvorteil, deren Neigung, Fettreiches zu finden und zu essen, ausgeprägter war als bei anderen. So wurde über die natürliche Auslese die Lust auf Fett genetisch verankert – bis heute.
Schließlich kam noch ein dritter Faktor hinzu: Fett macht fruchtbar. Magersüchtige Frauen haben keinen Eisprung, da die Energie für Schwangerschaft und Stillzeit fehlt. Daher waren Partner mit energiereichen, rundlichen Formen zu Jäger-und-Sammler-Zeiten attraktiv. Sie signalisierte ausreichende Energiereserven und hatten bei der sexuellen Auslese einen Vorteil. Ein weiterer Grund für die Lust auf Fett.

Fette haben noch andere wichtige Funktionen:

» Sie umgeben als Zellmembranen alle unsere Zellen
» Durch ihren hohen Energiegehalt sättigen sie gut, das heißt relativ kleine Portionen genügen
» Fette sind Lösungsmittel für lebenswichtige fettlösliche Vitamine (Vitamin A, D, E, K) – sie sind wichtig für eine gute Sehkraft, starke Knochen oder als Zellschutz gegen aggressive Außeneinflüsse
» Ätherische Öle und Aromastoffe sind meist fettlöslich, daher sind fettreiche Nahrungsmittel oft besonders aromatisch. Bei fettreduzierten Nahrungsmitteln muss die Lebensmittelindustrie mehr Salz und/oder Zucker zugeben
» Fette sind natürliche Konservierungsmittel. Ihr Oberflächenfilm schützt vor Fäulnisbakterien und Schimmel. So lassen sich etwa Kräuter in Form eines Pestos gut haltbar machen Fette waren in der Vergangenheit nur aufwändig zu bekommen. Sie mussten als Fleisch gejagt oder als Nüsse gesammelt und geknackt werden, letztere waren meist nicht das gesamte Jahr über verfügbar. Daher konnte nicht zu viel Fett aufgenommen werden. Es gibt deshalb auch keine Stopp-Signale oder Notbremsen für den Fettverzehr. Heute haben wir eine Vielfalt
an Fetten zur Verfügung. Es stellt sich jetzt eher das Problem, die passenden Sorten auszuwählen. Denn jedes Nahrungsmittel hat ein anderes Fettsäureprofil, und wir benötigen verschiedene Fettquellen, um dem Körper alle relevanten Fettsäuren in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommt, dass heute Fette existieren, die in der Natur nicht vorkommen: Trans-Fettsäuren entstehen bei industriellen Härtungsprozessen, zum Beispiel für Margarine, Frittierfett oder industrielle Backwaren (Croissants) und Süßigkeiten (Eiscreme und Schokoglasur). Sie gelten durch die Erhöhung der LDL-Cholesterin als Mitverursacher von Schäden an Blutgefäßen
und damit als eine Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Was sind natürliche Fette, die Menschen im Lauf der Evolution genutzt haben, und an deren Verwertung sie optimal angepasst sind? Hier eine Auswahl besonderer Fettquellen, von denen einige fast in Vergessenheit geraten sind:
» Marmoriertes Fleisch von Tieren aus artgerechter Fütterung und Haltung: Entrecôte statt Rumpsteak
» Nüsse: Walnuss, Cashewkern, Haselnuss und Mandel unterstützen auch das Immunsystem, die Konzentration und gute Laune
» Samen wie Mohn (ein gute Calciumquelle für starke Knochen), Leinsamen (fördert eine gute Verdauung)
» Avocado: die „Butter des Waldes“ ist ein ausgezeichnetes Basisfett für eine leckere Schokocreme
» Walnussöl: hat ein optimales, entzündungshemmendes Fettsäureprofil. Sein Aroma macht es zu einem besonderen Genuss an Salat oder Nachtisch
» Schweine- oder Gänseschmalz: hervorragende Brat- und Kochfette vor allem für Fleisch oder Rotkohl. Sie verleihen ein besonders gutes Aroma und lassen sich, im Gegensatz zu Butter, auch stark erhitzen
» Talg: ausgezeichnet zum scharfen Anbraten von Fleisch wie Steak, Braten, Gulasch. Talg wird aus dem Nierenfett von Rind, Schaf oder Hirsch gewonnen, ist natürlicherweise sehr hitzestabil, lange haltbar und unter dem Begriff
„Rinderfett“ bei guten Metzgern erhältlich

 

Wer natürliche Fette und Öle nutzt, auf Vielfalt und Qualität achtet, kann so gesundheitsförderliche Effekte mit Genuss kombinieren.

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Dr. Sabine Paul – Fett – Gesundheit

Dr. Sabine Paul
IFEG Institut für Evolutionäre Gesundheit, Frankfurt/M.
www.nerven-power.de

Dieser Artikel wurde im Low Carb  LCHF Magazin 4/2014 publiziert. Vielen herzlichen Dank Sabine Paul.

 

www.LCHF-Deutschland.de und www.LCHF-Akademie.de

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