Home / Gesundheit  / Erfolgsgeschichte  / Meine Erfahrungen mit Migräne und LCHF

Meine Erfahrungen mit Migräne und LCHF

Meine Erfahrungen mit Migräne und Low Carb High Fat

von Ulrike Pichl  aus dem Low Carb – LCHF Magazin 3 / 2017.

 

Viele Menschen halten Migräne fälschlicherweise für einfache Kopfschmerzen. Je nach Ausprägung kann ein Anfall aber auch mit heftiger Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen oder Symptomen wie Muskelschmerzen, Schlappheit und Schwindel einhergehen.

 

Doch auch Migräniker wie ich, deren Hauptsymptom „nur“ Kopfschmerzen sind, fühlen sich während eines Anfalls, als hätten sie einen starken Kater, der gar kein Ende nehmen will. Normales Tageslicht schneidet wie Messer in die Augen, Geräusche pochen im Schädel wider und Gerüche, die man sonst sehr gerne mag, können plötzlich unerträglich riechen.

 

Mein Leidensweg begann, nachdem ich mir vor acht Jahren den Hals verrissen hatte. Zunächst erwachte ich am Tag darauf mit starken Kopfschmerzen, so stark, dass keine Schmerztabletten halfen. Als die Schmerzen nach drei Tagen noch nicht weg waren, ging ich, zunehmend besorgt, zum Arzt. Ab da begann für mich eine sehr harte und schwere Zeit, denn ich wurde meine Kopfschmerzen nicht mehr los, sie blieben einfach. Sie schwankten in ihrer Intensität und Ausprägung und waren manchmal kaum spürbar, dann wieder sehr stark, aber sie verschwanden nie. Hinzu kamen Ganzkörperschmerzen und, etwa ein Jahr nach meinem Schleudertrauma, auch der erste Migräneanfall. Ich hatte nie zuvor in meinem Leben Probleme mit Kopfschmerzen oder Migräne gehabt.

 

Anfangs war die Migräne nur an ein, zwei Tagen im Monat, ohne dass ich sagen könnte, aus welchen Gründen sie kam oder ging. Ich hatte damals noch keine geeigneten Medikamente und die, die ich hatte, halfen nicht. Ärzte nahmen mich nicht ernst, ich war verzweifelter Dauergast bei Orthopäden, Internisten, Phlebologen, Allgemeinmedizinern, Neurologen, wechselte kurzzeitig (weil mir hilflose Ärzte dazu rieten) zu den Psychologen und gelangte dann zu Heilpraktikern, Homöopathen und Heilern. Meinen heutigen Arzt kannte ich damals noch nicht.

 

Die Jahre vergingen, ohne dass man mir helfen konnte, und die Migräneanfälle weiteten sich aus. Erst waren sie immer samstags. Dies läge an dem Stress, den ich wochentags hätte, mein Körper könnte nur am Wochenende entspannen, wie mir Ärzte sagten. Ich sollte genauso lange (bzw. kurz) schlafen wie unter der Woche und einen gleichmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus mit möglichst wenig Aufregung einhalten. Das half zumindest leidlich, ich hatte am Wochenende schwächere Kopfschmerzen bzw. Migräneanfälle. Doch trotz all meiner Therapien, Medikamente und Maßnahmen fraß sich die Migräne immer weiter in meinen Alltag.

 

Das Wetter war schwül: Migräne. Ich hatte mich geärgert: Migräne. Ich war müde: Migräne. Ich hatte zu viel gegessen: Migräne. Ich hatte schief auf einem Stuhl gesessen: Migräne. Ich versuchte, anhand eines Tagebuchs herauszufinden, was die Migräne triggerte. Die immer noch ständig vorhandenen chronischen Kopfschmerzen belasteten mich sehr, waren aber durchaus zu ertragen. Die in Häufigkeit und Intensität zunehmenden Migräneanfälle aber waren noch einmal eine andere Liga.

 

Meine Diplomabschlussfeier, auf der ich eine Rede halten sollte, überstand ich nur mit starken Schmerzmitteln. Nachdem ich die Rede gehalten hatte, blieb ich nur kurz und ging sehr früh nach Hause, während meine Kommilitonen feierten. So vergingen viele Geburtstage, Weihnachten, Einladungen, Kundentermine, Urlaube und freie Tage, die ich nur mit Medikamenten überstand oder denen ich gleich ganz fernblieb, weil es einfach nicht aushaltbar war.

 

Vier Jahre nach meinem Schleudertrauma war ich bei mehr als zehn Migränetagen im Monat angelangt, plus täglichen chronischen Kopfschmerzen. Hinzu kamen meine Ganzkörperschmerzen und eine sich zunehmend einstellende bleierne Müdigkeit, die mich zusätzlich lähmte.

 

Meine Periode unterdrückte ich mit Hormonen, weil die Migräne währenddessen so stark war, dass ich es nicht aushielt. Es war zeitweise nur mit Eisbeuteln am Kopf zu ertragen. So lag ich dann auf dem Bett, mich selbst wiegend.

 

Im fünften Jahr kam ich über eine alternative Therapiemethode, die ich wegen meiner Beschwerden versuchte, auf die Low Carb-Ernährung. Bisher hatte ich das Thema Ernährung in keiner Weise als ursächlich für meine Beschwerden in Betracht gezogen, ich ging immer von muskulären oder neurologischen Problemen aus.

 

Diese Therapie beinhaltete kohlenhydratarme Ernährung in einer sehr lockeren Form, so waren in vergleichsweise hoher Menge auch normales Brot erlaubt oder ungesüßtes Popcorn, Fette spielten keine große Rolle. Ich hielt mich strikt an die Vorgaben und merkte sehr schnell, wie gut es mir tat. Die Wochenendmigräne verschwand fast vollständig.

 

Ich wachte nun nicht mehr jeden Samstag mit pochendem Kopf auf, sondern nur noch mit meinen altbekannten chronischen Kopfschmerzen – für viele sicher trotzdem eine schreckliche Vorstellung, für mich jedoch eine großartige Befreiung. Als Nebeneffekt verschwanden alle Magen-Darm-Beschwerden, die ich aber gar nicht wirklich realisiert hatte, bis sie schließlich weg waren. Dazu gehörten ein übertriebenes Völlegefühl nach dem Essen, Luft im Bauch, Blähungen und gelegentliche Übelkeit.

 

Im Nachhinein weiß ich, dass ich nun einen großen Fehler beging, denn etwa ein Jahr nach der Ernährungsumstellung fing ich das Schludern an – die Migräne kam wieder häufiger. Da ich aber zu dieser Zeit nicht merkte, wie viele kleine Ausrutscher ich mir in der Ernährung gestattete, dachte ich, die Ernährungsumstellung hätte doch nicht geholfen und aß fast wieder wie zuvor. Ich hatte wieder jedes Wochenende Migräne und, wie ich bemerkte, auch der Druck auf meinen Augen und die Nackenschmerzen nahmen wieder zu.

 

Als das fünfte Jahr nach dem Schleudertrauma vorüber war, lernte ich meinen jetzigen Arzt kennen. Low Carb- Ernährung ist auch ein Bestandteil seiner Therapie und so ging ich es noch einmal an. Nur diesmal wollte ich es endgültig wissen. Ich führte die sogenannte „Grissini-Diät“ durch. Dies ist ein radikaler Kohlenhydratentzug, bei dem man 21 Tage lang jeden Tag nicht mehr als dreimal täglich je 100 g Hähnchen, gedünstet in Wasser, und 100 g Zucchini, Chinakohl, Champignons oder ein ähnlich kohlenhydratarmes Gemüse, ebenfalls gedünstet in Wasser, zu sich nimmt. Erlaubt sind außerdem Salz und Pfeffer. Es war eine Tortur und ich weiß nicht, wie ich diese Zeit überstanden habe. Ich nahm fast zehn Kilogramm in den drei Wochen ab und irgendwann hätte ich lieber gar nichts mehr gegessen anstatt noch mehr Hähnchen oder Zucchini. Der Hunger war mir völlig abhandengekommen.

 

Ich stand diese drei Wochen durch, weil viele Anwender schon nach wenigen Tagen migränefrei werden und es bleiben, ich kenne selbst Anwender, denen es half. Anschließend stellen sie auf eine normale Low Carb- Ernährung um.

 

Ich gehörte leider nicht dazu. Ich hatte direkt am zweiten Tag der Diät einen unfassbaren Migräneanfall, der drei Tage anhielt. Leichte Migräne hatte ich die drei Wochen fast durchgehend.

 

In der Zwischenzeit beschäftigte ich mich viel mit kohlenhydratarmer Ernährung und stieß auf das Low Carb High Fat-Prinzip, das mir sofort gefiel und einleuchtete. Ich plante während der Grissini-Diät meine Einkäufe, besorgte mir Bücher, was ich anschließend kochen wollte, und füllte die Vorratsschränke.

 

Als die drei Wochen überstanden waren, begann ich mit Low Carb High Fat und mir ging es endlich wieder besser. Ich entschied mich für eine sehr strikte Ernährungsweise, das heißt ich esse die meiste Zeit ketogen. Dies mache ich nun seit mehr als zwei Jahren und möchte nicht mehr anders leben.

 

Ich bin deutlich stabiler, was meine Anfallsneigung angeht, das heißt mir machen Wetterwechsel, laute Geräusche, 3D-Kino oder ähnliches nichts mehr aus, das alles triggert bei mir keinen Anfall mehr. Wenn ich einen Migräneanfall habe, dann ist er schwächer und schneller vorbei. Es helfen mir nun auch Tabletten, die frei verkäuflich sind, manchmal kann auch hochdosiertes Magnesium einen Anfall im Anfangsstadium stoppen.

 

Wie ich zusammen mit meinem Arzt herausgefunden habe, spielt die hormonelle Komponente eine große Rolle bei mir. Wie dies alles mit dem Schleudertrauma zusammenhängt, wissen wir nicht. Ich habe jedoch die Pille abgesetzt, um mein hormonelles Gleichgewicht auf lange Sicht wiederherzustellen und kann nun sogar die Migräneanfälle während dieser Zeit ertragen, früher war es nicht auszuhalten.

 

Ich habe eine Hormonstörung, und meine Migräne beschränkt sich nun weitestgehend auf die Zeit während meiner Periode und um den Eisprung. An diesem Problem arbeite ich nach wie vor, das heißt hier versuche ich gemeinsam mit meinem Arzt, Lösungen zu finden und teste verschiedene Möglichkeiten. Interessant ist, dass ich während meiner Periode Heißhungerattacken bekomme und mehr essen muss. Dank LCHF habe ich sonst eigentlich erst 5-6 Stunden nach einer Mahlzeit wieder Hunger. Während meiner Periode jedoch könnte ich dauernd essen – ein Zusammenhang mit meinem Blutzuckerspiegel muss auch hier bestehen, ich weiß nur noch nicht, wie ich dem begegnen kann.

 

Ein Blick in Ulrikes LCHF-Kühlschrank

Seitdem ich mich ketogen ernähre, habe ich wegen Migräne nicht mehr in der Arbeit gefehlt. Ich bin selbstständig, konnte aber früher mindestens einen Tag die Woche meine Wohnung nicht verlassen und habe so gut es ging von zuhause gearbeitet. Ich habe immer noch Migräne – aber auf einem anderen Niveau. Dank der kohlenhydratarmen Ernährung und meiner Hormontherapie werden auch meine chronischen Kopfschmerzen zunehmend besser. Meine Ganzkörperschmerzen sind ganz verschwunden.

 

Ich bin sehr froh, dass bei meinen Beschwerden auch eine ernährungstherapeutische Behandlung möglich war und es mir so viel Freude macht, auf diese Art zu leben und zu essen. Ich gestatte mir jedoch keine Ausnahmen oder Ausrutscher, ich achte immer darauf, was ich esse. Auch Zuckerersatzstoffe halte ich so gering wie möglich, ich habe das Gefühl, dass auch sie Einfluss auf meine Migräne haben, wenn es zu große Mengen sind.

 

Mir hat LCHF ein großes Stück meines alten Lebens zurückgegeben. Da ich davon überzeugt bin, dass diese Ernährungsform viel bekannter werden sollte, um mehr Menschen helfen zu können, habe ich im letzten Jahr an einem Internetportal gearbeitet, in dem ich mich neben einer großen Rezeptecke auch wissenschaftlich mit der positiven Wirkung von LCHF auf verschiedene Krankheiten beschäftige: www.lchf-gesund.de.

 

Vielen Dank, für diesen eindrucksvollen Artikel, liebe Ulrike Pichl. Hier lesen Sie die Erfolgsgeschichte von Alena  Pesavento: Migräne – Auf Umwegen zum Ziel.

 

Der Low Carb – LCHF Kongress

Am 17. und 18. Februar 2018 treffen sich namhafte Experten und Gesundheitsinteressierte zum Low Carb – LCHF Kongress in Düsseldorf.

Der Kongress ist eine attraktive Plattform für alle Low Carb – Ernährungsformen. Diese Ernährung stellt eine wesentliche Voraussetzung dar, um mit Leichtigkeit gesund durchs Leben gehen zu können.

Themen des Kongresses sind Demenz, Diabetes, Ketogene Ernährung, Krebs, Rheuma, Sport und Vitamin D. Hier erfahren Sie mehr.

 

 

 

 

Margret Ache / www.LCHF-Deutschland.de

 

Print Friendly, PDF & Email

info@lchf-deutschland.de

Bewertung
KEINE KOMMENTARE

Schreibe einen Kommentar